Gleitmittel

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Mit Gleitmittel, Gleitgel oder Gleitcreme werden zähe Flüssigkeiten, die als Schmierstoff der Reibungsminderung dienen, bezeichnet.[1] Sie werden in der Medizin, in der Technik, im Handwerk oder auch für sexuelle Praktiken angewandt.

Technik und Labor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Schmierstoff

In der Technik wird für die reibungshemmende Stoffe allgemein der Begriff Schmierstoff verwendet.[2] Jedoch ist in bestimmten Bereichen und bei einigen Produkten auch der Begriff Gleitmittel üblich. So dienen Gleitmittel beispielsweise der Montage von Schlauch- und Rohrverbindungen, die auf entsprechende Anschlüsse geschoben werden müssen. Auch bei der Montage eines Autoreifens auf die Felge wird der Felgenrand mit einem Gleitmittel eingepinselt, damit der Gummireifen leichter in die Felge rutscht.[3] Auch die Montage von Zweiradreifen gelingt besser mit Reifenmontierwachs.

Kunststofftechnik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Kunststoffen wird durch den Einsatz von Gleitmittel-Additiven die Gleiteigenschaften gezielt verändert. Die wichtigste externe Wirkung von Gleitmitteln ist die Reduzierung der Haftung der heißen Polymerschmelze an Oberflächen.[4] Es wird dabei zwischen „inneren“ und „äußeren“ Gleitmitteln unterschieden. Innere Gleitmittel stellen im Polymer lösliche Viskositätsminderer dar, die die Fließfähigkeit der Polymerschmelze erhöhen, während äußere Gleitmittel im Polymer unverträglich sind. Sie werden während und nach der Verarbeitung an die Oberfläche des Kunststoffes gedrängt. Als polare Gruppen werden in Gleitmitteln vor allem Alkohole, Säuren, Seifen, Amide und Ester eingesetzt. In polaren Kunststoffen wie PVC kommen natürlich auch rein unpolare Stoffe, wie Polyolefinwachse als Gleitmittel zum Einsatz.[5] Marktgängige Gleitmittel sind in feinen Abstufungen zwischen rein äußerer und rein innerer Wirkung und damit auch in sehr unterschiedlicher Polarität erhältlich. Sie werden verarbeitungsfähigen Mischungen in Zugabenmengen von 0,2 % bis 2 % zugesetzt.[6]

Medizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Gleitmittel wird für das Einführen von Sonden, Endoskopen oder Ultraschallköpfen in den Körper durch natürliche Öffnungen genutzt, um Hautirritationen möglichst gering zu halten.[7] Beispiele sind das Einführen von Magensonden, Wendltuben, Blasenkathetern,[8] Endotrachealtuben bei der Intubation oder bei der Rektoskopie. Häufig enthalten medizinische Gleitmittel einen Zusatz an einem Desinfektionsmittel wie z. B. Endosgel oder einem Lokalanästhetikum, wie z. B. dem Lidocain oder Instillagel, da gerade Schleimhäute sehr schmerzempfindlich sind, aber gleichzeitig auch das Medikament schnell resorbieren.[9]

In der Geburtshilfe können Gleitmittel sowohl in der Eröffnungs- als auch in der Austreibungsphase eingesetzt werden, um den Geburtsvorgang zu erleichtern. Schon im Altertum wird die Anwendung von Olivenöl als Gleitmittel in der Veterinärmedizin, der Gynäkologie und der Geburtshilfe erwähnt. Aus Gründen der Nebenwirkungen wie Allergien, Infektionen und Fremdreaktionen wurden in den letzten beiden Jahrhunderten Gleitmittel in der Geburtshilfe kaum eingesetzt. Durch moderne Entwicklungen existieren mittlerweile polymere Gele, die die Anforderungen an ein geburtshilfliches Gleitmittel (Sterilität, Hypoallergenität, Schleimhautverträglichkeit etc.) erfüllen.

Des Weiteren werden Gleitmittel in der Massagetherapie, einem Teilgebiet der physikalischen Medizin, angewendet. Dabei wird der Einsatz von Gleitmitteln kontrovers diskutiert.[10]

Sexualität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gleitmitteltube mit Verpackungskarton von K-Y Jelly (eine verbreitete Gleitmittelmarke)
Verschiedene Gleitmittel

Auch auf den empfindlichen Schleimhäuten der äußeren Geschlechtsorgane dienen Gleitmittel der Verminderung der Reibung. Gleitmittel können eine zu geringe natürliche Lubrikation ausgleichen.[11] Sie verbessern die Stimulation der Klitoris beim sexuellen Vorspiel und erleichtern beim Geschlechtsverkehr das Eindringen des Penis in die Vagina bzw. in den Anus. Auch bei der Selbstbefriedigung und beim Fisting finden Gleitmittel zu diesem Zweck Verwendung. Sie befeuchten trockene Schleimhaut, verhindern damit Schmerzen oder werden lediglich zur Bereicherung des Liebeslebens verwendet. Falls Kunststoff-Sexspielzeug oder zur Empfängnisverhütung Kondome benutzt werden, muss das Gleitmittel auf Wasserbasis oder auf Dimeticon-Basis sein, da das Material, aus dem die Kondome oder Sexspielzeug bestehen, bei Kontakt mit Öl und fetthaltigen Lotionen reagieren bzw. reißen oder zumindest für Viren durchlässig werden kann.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gleitmittel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klaus Dransfeld, Paul Kienle, Georg Michael Kalvius: Physik I Mechanik und Wärme. Oldenbourg Verlag, 2006, ISBN 978-3-486-59874-2 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. Wilfried J. Bartz: Zur Geschichte der Tribologie. expert verlag, 1988, ISBN 978-3-8169-0313-0, S. 74 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. Franz Eiben: Wegweiser Auto - Motorrad - Fahrrad. Books on Demand, 2012, ISBN 978-3-8448-7806-6, S. 57 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Ralph-Dieter Maier, Michael Schiller: Kunststoff Additive Handbuch. Carl Hanser Verlag GmbH Co KG, 2016, ISBN 978-3-446-43291-8, S. 593 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. Martin Bonnet: Kunststofftechnik Grundlagen, Verarbeitung, Werkstoffauswahl und Fallbeispiele. Springer-Verlag, 2016, ISBN 978-3-658-13828-8, S. 131 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  6. Hans Domininghaus: Kunststoffe Eigenschaften und Anwendungen. Springer-Verlag, 2007, ISBN 978-3-540-26433-0, S. 259 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  7. Georg Kähler, Martin Götz, Norbert Senninger: Therapeutische Endoskopie im Gastrointestinaltrakt. Springer-Verlag, 2015, ISBN 978-3-662-45194-6, S. 50 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  8. Dieter Jocham, Kurt Miller: Praxis der Urologie. Georg Thieme Verlag, 2007, ISBN 3-13-156743-0, S. 303 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  9. Susanne Schewior-Popp, Franz Sitzmann, Lothar Ullrich: Thiemes Pflege (großes Format) Das Lehrbuch für Pflegende in Ausbildung. Georg Thieme Verlag, 2012, ISBN 3-13-152442-1, S. 618 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  10. A. Lange: Physikalische Medizin. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-642-55837-5, S. 240 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  11. a b Hans-Joachim Ahrendt, Cornelia Friedrich: Sexualmedizin in der Gynäkologie. Springer-Verlag, 2015, ISBN 978-3-642-42060-3, S. 234 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
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