Seife

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Handgefertigte Seife
Hortus sanitatis, Mainz 1491. Abbildung zum Kapitel Sapo-Seife

Seifen (von ahd. seifa „Seife, Harz“) sind Natrium- oder Kalium-Salze von Fettsäuren.[1][2] Als Tenside finden sie Verwendung als Reinigungsmittel, die vor allem zur Körper- und in gewissem Maße auch zur Oberflächenreinigung verwendet werden. Ihre Bedeutung als Waschmittel für Textilien haben sie verloren, da sie in härterem Wasser unlösliche Calcium- und Magnesium-Salze, die so genannten Kalkseifen, bilden. Die Fettsäuresalze anderer Metalle nennt man Metallseifen[1][3]; sie haben Bedeutung in verschiedenen Industriezweigen und werden dort beschrieben.

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird unter Seife Feinseife oder Toilettenseife verstanden. Sie sind feste Zubereitungen, die auf Natriumsalzen der Fettsäuren (der Kernseife) basieren.[2]

Geschichte der Seife

Schaufensterdekoration zur Geschichte der Seife

Erste Hinweise auf Seifenherstellung finden sich bei den Sumerern. Sie erkannten, dass Pflanzenasche vermengt mit Ölen besondere Eigenschaften hat, und schufen die Basis einer Seifenrezeptur. Man vermutet, dass sie den reinigenden Effekt des alkalischen Gemisches übersahen und sie als Heilmittel für Verletzungen verwendeten. Ägypter und Griechen übernahmen die Anleitung zur chemischen Herstellung, wobei die reinigende Wirkung der Seife erst von den Römern festgestellt wurde.[4]

Im Alten Testament bei Jesaja wurde der Gebrauch von seifenähnlichen Produkten aus Fetten und Kaliumsalzen erwähnt. Plinius beschrieb eine altertümliche Seife aus Ziegentalg und Holzasche und dass bei den Germanen eine weiche Seifenart im Gebrauch sei. Galen fand bei den Galliern einen häufigen Gebrauch von seifenähnlichen Stoffen.

Im Mittleren Osten wurde im 7. Jahrhundert erstmals Öl und Lauge miteinander verkocht und somit die Seife in ihrer heute bekannten Form geschaffen. Mit den Eroberungen der Araber breitete sich dieses Wissen rasch auch nach Europa aus. Frankreich und Spanien gehörten später zu den Zentren der Seifenherstellung weltweit.

Traditionelle Savon de Marseille, eine Art Kernseife

Im Mittelalter war der Besuch des Badehauses sehr beliebt und die Körperreinigung war besser als gemeinhin angenommen. Erst der Ausbruch von Pest und Cholera führte dazu, dass das Waschen mit Wasser eingestellt wurde. Da die Übertragungswege unbekannt waren, war man der Meinung, das Badewasser öffne den Körper für die Erreger. Dass es an den dreckigen Straßen und Rinnsalen vor den Häusern sowie den Ratten lag, erkannte man nicht. Die Trockenreinigung fand ihre Anwendung. Krankheitserreger, sowie Läuse und Flöhe als Überträger, konnten sich ungehindert ausbreiten. Bis ins 17. Jahrhundert vertraten Ärzte in Europa die Meinung, dass Wasser und Luft dem Körper schade. Kleidung diente als Schutz vor diesen schädlichen Elementen. Auch das Einpudern erfüllte den Zweck, den Körper nach außen hin abzuschließen. Unterwäsche saugte den Körperschweiß auf; man dachte, dass der Körper so gereinigt würde.

Im 17. Jahrhundert verhalf der französische König Ludwig XIV. der Seife zu neuer Blüte, indem er die besten Seifensieder nach Versailles holte. Er war es auch, der 1688 das noch heute bekannte Reinheitsgebot für Seife erließ. Demzufolge galt eine Seife als besonders hochwertig, wenn sie mindestens 72 % reines Öl enthielt. In der Mitte des 17. Jahrhunderts entstanden in den französischen Städten wie Marseille, Toulon und Lyon größere Seifenfabrikationen. Dem Franzosen Nicolas Leblanc (1742–1806) gelang es erstmals im Jahr 1790, größere Mengen Soda künstlich herzustellen, so dass die zuvor verwendete Pottasche ersetzt werden konnte. Im Jahr 1829 wurden in Frankreich etwa 4000 Tonnen Seife produziert.[5] Auch in England und Deutschland gab es dann bereits bedeutende Seifenfabrikationen. Seifen wurden auch zur Reinigung von Stoffen und Holz sowie bei der Dampfwäsche von Textilien verwendet. Nachteilig war die Bildung von Kalkseife, daher wurde das Waschwasser vorab mit Sodalösung entkalkt.

1865 entwickelte der Belgier Ernest Solvay das Solvay-Verfahren, das das Leblanc-Verfahren ablöste. So war genügend Soda für die Seifenherstellung vorhanden und Seife wurde zu einem bezahlbaren Produkt. Der Körper konnte nun regelmäßig mit Seife gewaschen und von unangenehmen Gerüchen befreit werden.

Die traditionelle Seifenherstellung aus Olivenöl hat in Marseille (Savon de Marseille) und vielen Mittelmeer-Ländern bis heute Bestand.

Seifenherstellung

Seifenherstellung aus Schafsfett

Seifen werden in der Regel aus pflanzlichen oder tierischen Fetten hergestellt. Zur Herstellung von Seifen werden meist minderwertige Fette verwendet, die durch Heißpressungen oder durch Extraktion mit Lösungsmitteln gewonnen sein können. Hauptsächlich werden pflanzliche Fette wie Kokosfett, Palmkernfett, Palmöl, Olivenöl, Sonnenblumenöl, Maisöl, Sojabohnenöl und tierische Fette wie Talg, Schmalz oder Fett aus Knochen, die bei der Tierverwertung anfallen, verwendet.[1]

Zur Herstellung werden Fette mit einer Lauge (wie Natronlauge oder Kalilauge, früher auch Pottasche oder Soda) gekocht. Man nennt dieses Verfahren Seifensieden, die chemische Reaktion Verseifung. Die Fette werden dabei in Glycerin und in die Alkalisalze der Fettsäuren (die eigentlichen Seifen) zerlegt. Die Herstellung erfolgte früher in offenen Kesseln. Heute werden Seifen bei großtechnischer Herstellung in geschlossenen Anlagen im kontinuierlichen Betrieb gewonnen.

Die beim Sieden entstehende zähflüssige Emulsion wird Seifenleim genannt und mit Natriumchloridlösung versetzt. Dabei trennt sich die Emulsion (Aussalzen) in den aufschwimmenden Seifenkern, der hauptsächlich die Natriumsalze der Fettsäuren enthält, und in die Unterlauge, die hauptsächlich überschüssige Lauge, Glycerin und gelöstes Kochsalz enthält.[3] Der Seifenkern wird durch Abscheidung von der Unterlauge getrennt und mit reichlich Wasser und etwas Lauge aufgekocht, um die restlichen Verunreinigungen herauszulösen. Erneute Aussalzung führt dann zu der Kernseife.

Seifen-Form

Alternativ lassen sich Seifen direkt aus freien Fettsäuren herstellen (Laugenverseifung), indem sie mit Laugen zu ihren Salzen umgesetzt werden. Geeignete Fettsäuren sind beispielsweise Laurinsäure, Myristinsäure, Palmitinsäure, Stearinsäure, Ölsäure und Ricinolsäure.[1]

Die Konsistenz eines Seifenprodukts hängt von der Kettenlänge der Fettsäuren ab. Langkettige gesättigte Fettsäuren wie Stearinsäure oder Palmitinsäure führen zu eher festen Konsistenz. Entscheidend ist jedoch, ob Kalium- oder Natriumsalze der Fettsäuren gewonnen wurden. Wird aus dem Seifenleim durch Zusatz von Natriumchlorid der Seifenkern gewonnen, bildet sich tendenziell eine festere Seife, die Kernseife. Wird hingegen mit Kalilaugen und Kaliumsalzen gearbeitet, bilden sich Kaliumsalze der Fettsäuren, die weich bis schmierig und gut mischbar mit Wasser sind. Man erhält Schmierseifen.

Kernseife wird in Blöcken geformt und getrocknet. Zur Herstellung von Toiletteseifenstücken werden die Blöcke entweder zu Quadern aufgeschnitten oder grob gemahlen, mit Farbstoffen, Duftstoffen und Füllstoffen angeteigt, auf Walzenstühlen kalandriert (um Luft einzuschließen und Glanz zu erzeugen) und ausgewalzt, die Bänder anschließend in einer Heißpresse stranggepresst bzw. extrudiert und aus dem Strang Formen gestanzt und gleichzeitig zu Seifenstücken gepresst.

Handwerkliche Seifenherstellung

Neben den industriellen Verfahren werden, der steigenden Nachfrage nach Naturkosmetik folgend, auch Seifen im Kaltverseifungsverfahren handwerklich hergestellt. Dabei wird den zumeist hochwertigeren Fetten, Ölen und Wachsen eine genau abgemessene Menge an Natronlauge beigefügt. Ziel ist eine unvollständige Verseifung der Fette und Öle, um eine pflegende Wirkung zu erzielen (Überfettung genannt). Da die Zutaten natürlichen Schwankungen unterliegen, wird die notwendige Menge an Natronlauge über die Verseifungszahl berechnet, aber die Überfettung nur grob angegeben, etwa „ca. 7 % Überfettung“.

Typischerweise werden diese Seifen als Seifenleim in Blockformen gegossen und anschließend in Stücke geschnitten oder in Silikonformen gegossen. Oft werden den Seifen Düfte und Farben zugesetzt. Diese Seifen sind zum Beispiel in Bioläden, auf Handwerker- und Weihnachtsmärkten zu finden und verzichten häufig auf allergene Bestandteile (künstliche Konservierungsmittel, Duftstoffe und Tenside), so dass sie auch für Allergiker geeignet sind.

Im Internet finden sich Informationen zur Herstellung von Seifen im häuslichen Bereich und Rechenhilfen zur Bestimmung der nötigen Laugenmenge. Aufgrund der ätzenden Wirkung von Kali- oder Natronlauge und teilweise Allergen-haltiger Zusatzstoffe (z. B. Parfümölen) sind geeignete Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.[6]

Waschwirkung der Seife

Abb. 1: Hydrophober Alkylrest und hydrophile Carboxylatgruppe
Abb. 2: Mizelle einer Seifenlösung
Abb. 3: Seife an der Wasseroberfläche
Abb. 4: Seife führt zur Bildung von stabilisierten Fetttröpfchen in Wasser

Seifen sind eine Mischung verschiedener, längerkettiger Alkalisalze der Fettsäuren und zählen zu den Tensiden, genauer zu den anionischen Tensiden. Die Seifenmoleküle verdanken ihre Eigenschaften der Tatsache, dass sie aus einer langen, wasserabweisenden (hydrophoben) Kohlenwasserstoffkette und einem wasseranziehenden (hydrophilen) Teil, der sogenannten Carboxylatgruppe (–COO) bestehen (Abb. 1).

Seifen lösen sich nicht vollständig in Wasser, sondern bilden sogenannte Mizellen. In reinem Wasser sind die Mizellen (Abb. 2) sehr klein und nicht zu sehen. Im Inneren dieser kleinsten „Tröpfchen“ befinden sich lange, unpolare Kohlenwasserstoffketten, während die polaren Enden in das Wasser hinausragen. Durch die sich abstossenden Ladungen, die auf den Enden sitzen, wird das Zusammenballen der Mizellen verhindert.

Seifen senken die Oberflächenspannung (allgemeiner: Grenzflächenspannung) von Wasser, indem sie sich an der Wasseroberfläche anordnen (Abb. 3). Dadurch intensiviert sich die Benetzung von Oberflächen. Im Lösen und Emulgieren von Fetten besteht die eigentliche reinigende Wirkung der Seifen. Die langen lipophilen Kohlenwasserstoffketten der Seifenmoleküle werden vom Fett angezogen (Abb. 4). Die polaren lipophoben Enden ragen jedoch in das umgebende Wasser hinaus. Der Fetttropfen wird von den Seifenmolekülen vollständig umhüllt und von der zu reinigenden Fläche abgelöst. Die Aufteilung der Fette und Öle in viele kleine Tröpfchen führt zu einer sogenannten Emulsion, die zuletzt mit frischem Wasser abgespült werden kann.

Leitungswasser enthält regional erhöhte Konzentrationen an Calcium- und Magnesiumionen. Sie machen dieses Wasser „hart“ und reagieren mit den polaren Enden der Seife. Es bilden sich im Wasser unlösliche Kalkseifen ohne Waschwirkung, die als weiße Oberflächenhaut auf dem Wasserspiegel schwimmen, sich an Gefäßwandungen und Armaturen absetzen und zur Bildung von Fettläusen führen.[7]

Seifensorten

Leimseife

Seifen in Seifenschalen

Leimseifen (Seifenleim) sind homogene Massen, bei denen nach der Verseifung das Glycerin nicht abgetrennt wird. Kaltgesiedete Seifen werden gelegentlich als Leimseife angeboten. Dabei werden die Fette und die Lauge bei 40 °C verseift und die Masse unmittelbar danach in ein Behältnis gegossen. Es werden viele hausgemachte Leimseifen angeboten.

Kernseife

Kernseifen sind feste Seifen und bestehen in der Regel aus den Natriumsalzen von Fettsäuren. Sie werden durch das Aussalzen des Seifenleims gewonnen, wobei das Glycerin abgetrennt wird. Kernseifen sind die meisten handelsüblichen Körperseifen, also auch die Feinseifen. Im Handel werden vor allem billigere, unparfümierte Seifen „Kernseifen“ genannt, die für Reinigungszwecke und zum Filzen verwendet werden.

Zweischichtige französische Kernseife

Schmierseife

Schmierseifen sind flüssige oder halbfeste Seifen, die aus preiswerten Fetten oder Ölen durch Verseifen mit Kalilauge hergestellt werden.[8] Sie sind also ein Gemisch von Kalium-Salzen von höheren Fettsäuren, also Kaliumseifen. Sie werden auch Flüssigseife oder historisch Fassseife genannt, lassen sich leicht in Wasser auflösen und zu Reinigungszwecken z. B. im Haushalt verwenden. Aufgrund der Bildung von Kalkseifen muss die Seifenmenge bei hartem Wasser deutlich erhöht werden, um die Waschwirkung zu erhalten.

Schmierseife war bereits vor 1859 unter dieser Bezeichnung bekannt und wurde damals häufig aus Leinöl, Rapsöl und Hanföl (grüne Seife) bereitet.

Feinseife

Feinseifen oder auch Toilettenseifen sind in der Regel Zubereitungen auf der Basis von reinen, geruchsneutralen Kernseifen, die hauptsächlich zum Waschen der Hände verwendet werden. Sie sind oft mit pflegenden Zusätzen, etwa Lanolin (Wollwachs), sowie Parfümen und Farbstoffen versetzt. Manchmal werden auch Leimseifen als Feinseifen angeboten.

Bereits vor 1859 wurden Toilettenseifen verwendet, damals diente der Zusatz von Parfümölen zur Geruchsüberdeckung von Talgresten in der Seife.

Rückfettende Seifen

Vielfach werden sogenannte rückfettende Seifen angeboten. Diese Seifen sollen das beim normalen Waschvorgang gelöste Hautfett ersetzen. Dazu werden der Kernseife Fette hinzugefügt, oder kaltgesiedete Seifen mit Fett-Überschuss eingesetzt.


Glycerinseife

Glycerinseife (Transparentseife) ist eine Seife, die einen hohen Glycerinbestandteil hat. Sie ist trübe bis glasig durchsichtig. Sie ist einfach zu schmelzen (wie viele Wachse) und wird deshalb auch als Bastelseife gebraucht. Glycerinseifen sind leichter als Wasser.

Bereits vor 1859 war die Transparentseife bekannt, damals löste man die Fettsäure in Alkohol und füllte die Mischung bis zur Erstarrung in Formen.

Papierseife

Papierseife ist hauchdünn geschnittene Feinseife. Die Stücke sind so portioniert, dass sie sich zügig auflösen.

Rasierseife

Rasierseife wird mit einem hohen Anteil Stearinsäure aus Stearin und Kokosöl gefertigt, damit der Schaum cremig wird und stabil bleibt. Dabei wird nicht nur mit Natronlauge, sondern häufig mit einem Anteil Kalilauge verseift. Hierdurch wird die Rasierseife geschmeidiger und lässt sich besser anschäumen.[9] Sie wird sowohl in Form von runden Seifenstücken als auch in Stangenform („Sticks“) angeboten.

Gallseife

Eine weitere Seife ist die Gallseife, die bei der Vermengung von Seife mit Rindergalle entsteht. Die Gallensäuren fungieren als zusätzliche Emulgatoren und helfen bei der Entfernung von Fett- und Eiweißflecken aus Textilien.

Bereits vor 1859 wurde auf die Vorteile dieser Seife zur Fleckentfernung von Gaultier de Claubry hingewiesen. Die Seife wurde auch unter den Namen Fleckseife oder Fleckkugeln in den Handel gebracht.

Arztseife und antibakterielle Seife

Sogenannte Arztseifen sind Seifen mit angeblich hautschonender Zusammensetzungen. „Arztseife“ ist nicht unbedingt desinfizierend. Häufig werden auch reine Glycerinseifen als Arztseifen angeboten. Einige Seifen enthalten bakterienhemmende Zusätze, wie z. B. Farnesol oder Triclosan. Untersuchungen der Universität von Michigan haben gezeigt, dass spezielle für den Hausgebrauch produzierte antibakterielle Seifen Keime nicht besser entfernen als herkömmliche Seife. Wie bei allen antibakteriellen Wirkstoffen besteht das Risiko, dass die Keime Resistenzen entwickeln. Nicht untersucht wurden Seifen zum medizinischen Einsatz, die deutlich höhere Konzentrationen von antibakteriellen Mitteln enthalten.[10]

Benzinseife

Benzinseife ist ein Fleckenentferner auf Benzinbasis zum Entfernen organischer Verschmutzungen und zur Vorbehandlung bei Verschmutzung durch Schmieröl und -fette auf Textilien.

Moderne Flüssigseifen

pH-neutrale Flüssigseifen finden Anwendung zum Händewaschen, überwiegend aber als Duschgel, Shampoo und Schaumbäder. Sie sind aus den Schmierseifen hervorgegangen, haben jedoch völlig andere Inhaltsstoffe (Tenside) und Eigenschaften.

Waschmittel

Als Textilienwaschmittel haben Seifen an Bedeutung verloren, da sich durch die Wasserhärte unlösliche, flockige bis klebrige Calcium- und Magnesiumsalze der Fettsäuren bilden und Seifen nur im basischen Bereich waschaktiv sind, was Textilfasern belasten kann. In heutigen Waschmitteln werden Seifen nur in kleinen Mengen zugesetzt, da die beim Waschvorgang entstehenden Kalkseifen die Schaumentwicklung mindern, d. h. als Entschäumer wirken.

Vor- und Nachteile von Seifen

Seife wird in Industrieländern kaum als Waschmittel eingesetzt, da andere Tenside verfügbar sind.[11] Seifen in modernen Waschmitteln regulieren lediglich durch die Bildung von Kalkseifen die Schaumbildung.

Die Nachteile der Seife sind:

  • Seife entfernt nicht nur Schmutz, sondern auch einen Teil des natürlichen Fettfilmes der Haut. Dies kann, besonders bei zu häufigem Waschen, zu rissiger, rauer Haut führen. Schutz davor bieten Seifen mit hohem Glyceringehalt (das z. B. beim Kaltverseifen im Fertigprodukt bleibt).
  • Seife reagiert in Wasser alkalisch, was Textilfasern beschädigen kann:

Vorteile von Seife gegenüber synthetischen Tensiden sind:

  • gute biologische Abbaubarkeit
  • Reine Seifen (z. B. Olivenölseifen) sind für Allergiker geeignet, da Seife von natürlichen Fetten von den meisten Menschen vertragen wird. Synthetische Tenside können als Allergen wirken.
  • geringer Energieaufwand und Ressourceneinsatz zur Herstellung

Physiologie des Waschens mit Seife

  • Seife entfernt beim Waschen Talgstauungen, Puder- und Cremereste aus den Poren. Dadurch wird die Hautatmung normalisiert.
  • Seife greift den Fettmantel der Haut an und löst ihn mehr oder weniger ab.
  • Das Seifen-Alkali neutralisiert den Säuremantel der Haut. Diese Wirkung ist jedoch 30 Minuten nach dem Waschen wieder ausgeglichen.
  • Seifenlösung bewirkt Quellung der Haut. Diese Quellwirkung ist bei gesunder Haut ohne Bedeutung, kann aber im krankhaften Zustand zum Austrocknen und Rissbildung führen.
  • Seifen können reizend wirken, wenn höhere Anteile an kurzkettigen, gesättigten Fettsäuren vorhanden sind. Allergische Hautreaktionen werden jedoch eher durch enthaltene Parfumöle und Zusatzstoffe ausgelöst.

Seife und Erziehung

In der Kindererziehung vor allem des amerikanischen Kulturraumes fand die Seife bis in die jüngere Vergangenheit Verwendung: Um den Kindern den Gebrauch von Schimpf- und Fäkalwörtern abzugewöhnen, wurde deren Mund zur Strafe mit Seife, meist auf einen Lappen aufgetragen, ausgewaschen. Hiermit sollte die „Schmutzigkeit“ bestimmter Begriffe verdeutlicht werden. Der ekelerregende Geschmack sollte die Kinder konditionieren, den Gebrauch der Worte zu vermeiden.

Verschlucken und Einatmen von Seifen

Kleinkinder verschlucken gelegentlich feste oder flüssige Seifen, insbesondere aromatisierte Produkte (Ingestion). Die Gefährlichkeit (Toxizität) von Seife ist gering, jedoch ist sie schleimhautreizend und kann zum Brennen im Hals, zu Übelkeit, Würgen, Erbrechen, Blähungen oder auch Bauchschmerzen führen. Gelangen Seifenprodukte in die Lunge, wirken sie auf die Oberflächenproteine in den Lungenbläschen und können Entzündungen und Gewebsveränderungen hervorrufen. Ein versehentliches Einatmen (akzidentielle Aspiration), v. a. bei schäumenden Seifen, äußert sich oft in Hustenreiz oder Atemnot. Gelegentlich treten Atemnot, andere Lungenbeschwerden (pulmonale Beschwerden), Fieber oder Erbrechen auch mit Verzögerung ein. Um ein Aufschäumen der Seife im Magen und ein mögliches Einatmen zu vermeiden, sollte möglichst bald nach Aufnahme ein „Entschäumer“ (Dimeticon) eingenommen und stilles Wasser oder Tee nachgetrunken werden.

Seifen zur Oberflächenbehandlung

Tadelakt-Wandbemalung

In Marokko und anderen nordafrikanischen Staaten werden in der Tadelakt-Technik zur Ausschmückung von Hausinnenwänden Natrium- und Kaliumseifen auf Kalkputzt aufgetragen. Durch die Bildung wasserunlöslicher Kalkseifen erhält man eine wasserfeste, glänzende Oberfläche. Frisch verputzte oder gekalkte (mit Kalkputz oder Kalkfarbe) Flächen werden mit Seife eingerieben und mit glatten Steinen poliert. Je nach Ausführungsart ergeben sich zart schimmernde, teils marmorierte Oberflächen.

Anstriche mit Seifen aus unraffiniertem, naturbelassenem, gelbrotem Palmöl duften nach Veilchen, da durch Zersetzung des im Öl enthaltenen Carotins der Duftstoff Jonon entsteht.

Seife wird traditionell zur Oberflächenbehandlung von Holz, Terracotta und anderen porösen Baustoffen verwendet. Farbtönungen werden aufgehellt, Strukturen werden vereinheitlicht. Im Gegensatz zu Öl verbleiben Seifenlösungen oder Wachse an der Oberfläche. Öl dringt tief in das Material ein und führt zu einer Abdunkelung und zur Hervorhebung von Strukturen und Maserungen. Ein Seifenauftrag kann auf eine Öl-Imprägnierung folgen, um die Poren zu verschließen. Das Öl wird dabei oberflächlich verseift. Das Anfeuern der Oberfläche wird abgemildert, jedoch nicht rückgängig gemacht.

Der Auftrag einer Seifenlösung hinterlässt einen schmutzabweisenden Film, der das Eindringen von Fett und färbenden Flüssigkeiten wie Rotwein jedoch nicht verhindern kann. Helle Steinoberflächen verändern ihr Erscheinungsbild meist kaum. Auf dunklen Oberflächen kann sich ein Schleier bilden, der leicht zu entfernen ist. Größeren Mengen Seife können zu einem matten Glanz poliert werden.

Durch regelmäßiges Waschen mit Seifenlauge werden Flecken und Holzoberflächen ausgebleicht. Fettflecken sind zunächst deutlich sichtbar, verblassen jedoch im Verlauf von einigen Monaten. Bestimmte Holzinhaltsstoffe werden ausgewaschen, das Nachdunkeln des Holzes wird ausgeglichen, Weichholz erhält eine sehr helle, gelaugte Oberfläche. In Köln und anderen Regionen werden Wirtshaustische aus unbehandeltem Ahornholz hergestellt, die durch das gelegentliche Scheuern mit Seife (und gegebenenfalls feinem Sand) eine dauerhaft helle, schmutzunempfindliche Oberfläche erhalten.

Filmbeiträge

  • Annette Frei Berthoud: Schaum und Duft. Dokumentation von NZZ Format, 30 Min. (Informationen; online bei YouTube).
  • Orientalische Seife. In Aleppo, Tripoli und Beirut. Dokumentation, 45 Min., ein Film von Birgitta Ashoff, Produktion: SR, Erstsendung: 17. Januar 2007

Literatur

  • Eberhard Schmauderer: Seifenähnliche Produkte im alten Orient. In: Technikgeschichte 34, 1967, S. 300–310.
  • Eberhard Schmauderer: Seife und seifenähnliche Produkte im klassischen Altertum. In: Technikgeschichte 35, 1968, S. 205–222.
  • Bernhard Haage: Zu deutschen Seifenrezepten des ausgehenden Mittelalters. In: Sudhoffs Archiv 54, 1970, S. 294–298.

Einzelnachweise

  1. a b c d Hans-Dieter Jakubke, Ruth Karcher (Hrsg.): Lexikon der Chemie, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 2001.
  2. a b Der Brockhaus in Text und Bild, F. A. Brockhaus, Mannheim, 2000.
  3. a b Eintrag zu Seifen. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 26. Juni 2014.
  4. Günter Wagner: Waschmittel: Chemie, Umwelt, Nachhaltigkeit. Wiley-VCH, Weinheim 2011, ISBN 978-3-527-64366-0, S. 163 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. Handwörterbuch der reinen und angewandten Chemie, Friedrich Vieweg und Sohn Verlag, Braunschweig 1859, S. 776.
  6. Claudia Kasper: Seifenrechner bei Naturseife.com. In: Naturseife.com. 2001, abgerufen am 7. November 2012.
  7. A. von Segesser: Seife, Waschmittel und Syndets, Beitrag in der Neuen Zürcher Zeitung vom 11.06.1952
  8. Werner Städtler in: Autorenkollektiv: Das Grundwissen des Ingenieurs, VEB Fachbuchverlag Leipzig, 1968, S. 732–892, dort S. 876–877.
  9. Günter Vollmer und Manfred Franz: Chemische Produkte im Alltag, Georg Thieme Verlag Stuttgart, 1985, S. 150, ISBN 3-13-670201-8.
  10. n-tv.de, Antibakterielle Seife - Nicht besser als andere, 24. August 2007.
  11. Umbach: Kosmetik und Hygiene. 3. Auflage. Wiley-VCH Verlag, Weinheim 2004, ISBN 3-527-30996-9. S. 113ff.

Siehe auch

Weblinks

 Wiktionary: Seife – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Seifen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikibooks: Seife herstellen – Lern- und Lehrmaterialien
 Wikiquote: Seife – Zitate
 Wikisource: Parfüm, Seifen und Kosmetik – Quellen und Volltexte