Global Killer

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Künstlerische Darstellung des Chicxulub-Einschlags

Ein Global Killer (engl., deutsch: Globaler Mörder) ist ein aus dem Weltraum stammendes Objekt (Asteroid, Meteorit oder Komet), dessen Einschlag (fachsprachlich: Impakt) weltweite Verwüstungen verursacht. Der Begriff wird meist in Zusammenhang mit Einschlägen auf der Erde verwendet, kann jedoch grundsätzlich auch auf Einschläge auf anderen Himmelskörpern angewandt werden. Wesentliches Merkmal ist, dass die Verwüstungen den jeweiligen Himmelskörper als Ganzes betreffen und nicht nur lokal oder regional begrenzt sind. Als bekanntestes Beispiel eines Global Killers gilt jener Festkörper, der vor etwa 66 Millionen Jahren den 180 km großen Chicxulub-Krater auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán verursachte und als Hauptursache für das damalige Massenaussterben (unter anderem das Aussterben der Nichtvogel-Dinosaurier) gilt.

Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kreide-Paläogen-Grenze (gestrichelte Linie) im Trinidad Lake State Park, Colorado (USA)

Der Begriff Killer drückt aus, dass ein tatsächlicher oder potentieller Einschlag die irdische Biosphäre ernsthaft gefährden und Massenaussterben bis hin zur totalen Auslöschung allen Lebens verursachen kann.

Schon seit längerem ist bekannt, dass es während der Erdgeschichte immer wieder zu Massenaussterben kam, in deren Verlauf große Teile von Flora und Fauna ausgelöscht wurden. Die bekannteste dieser biologischen Krisen ereignete sich an der Kreide-Paläogen-Grenze vor etwa 66 Millionen Jahren. Eine auffällige, weltweit nachgewiesene Anomalie des auf der Erde sehr selten vorkommenden Elements Iridium führte zu der Annahme, dass der Einschlag eines Asteroiden von mindestens 10 km Durchmesser die Ursache des damaligen Massenaussterbens war.

Spätestens nach Entdeckung des Chicxulub-Kraters wurde zumindest die Möglichkeit eines weltweiten, das Leben bedrohenden Einschlagsszenarios weithin akzeptiert.

Risikobewertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Risikobewertung existieren im Wesentlichen zwei Skalen: die Turiner Skala und die Palermo-Skala. Beide berücksichtigen das Einschlagrisiko und die Sprengkraft. Allerdings ist die Palermo-Skala komplexer als die Turiner Skala.

Suchprogramme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anzahl entdeckter erdnaher Asteroiden zwischen 1995 und 2014

Die mögliche Bedrohung durch Global Killer hat dazu geführt, dass es inzwischen eine Reihe von Suchprogrammen gibt, deren Aufgabe darin besteht, erdnahe Objekte rechtzeitig zu entdecken, ihre Größe und Bahn zu bestimmen und die mögliche Kollisionsgefahr abzuschätzen. Dabei wird der Himmel systematisch mit Teleskopen überwacht.

Allerdings galt die Gefahr lange Zeit als eher hypothetisch. Erst der Einschlag des Kometen Shoemaker-Levy 9 auf Jupiter im Jahre 1994 führte eindrucksvoll vor Augen, dass solche Einschläge eine durchaus reale Bedrohung sind. In der Folge wurden von den USA und der Europäischen Union verschiedene Suchprogramme initiiert.

Beispiel für ein solches Projekt ist etwa LINEAR. Allein bis Ende 2007 wurden mehr als 220.000 neue Objekte gefunden, darunter über 2.000 Erdbahnkreuzer. Insgesamt haben derartige Suchprogramme die Zahl der bekannten Objekte erheblich erhöht.

Vorhersage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus den Beobachtungen lassen sich Bahnen berechnen und damit auch das Risiko eines Einschlages für einen bestimmten Zeitraum im Voraus abschätzen.

Als erfolgreiches Beispiel einer solchen Vorhersage gilt 2008 TC3. Sowohl Zeitpunkt als auch Ort des Einschlages konnten bereits kurz nach der Entdeckung korrekt vorhergesagt werden.

Allerdings zeigt sich hier auch die Problematik einer solchen Vorhersage: 2008 TC3 wurde erst 20 Stunden vor dem Einschlag entdeckt. Für Gegenmaßnahmen oder die Evakuierung einer größeren Siedlung ein viel zu kurzer Zeitraum.

Mögliche oder tatsächliche Global Killer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Irdische Krater mit mindestens 100 km Durchmesser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Objekt/Krater Zeitpunkt des
Einschlages
Größe Stärke Bemerkungen
Vredefort-Krater 2.023 ± 5 mya 320 km × 180 km größter sicher identifizierter Meteoritenkrater der Erde
Sudbury-Krater 1.850 mya 250 km × 200 km (ursprünglich) zweitgrößter Meteoritenkrater der Erde
Chicxulub-Krater 0066 mya 180 km Massenaussterben unter anderem aller Nichtvogel-Dinosaurier wird diskutiert.
Woodleigh-Krater 0360 mya 120 km
Popigai 0035/33,7 mya[1] 100 km
Manicouagan-Krater 0214 mya 100 km

Große Einschläge auf anderen Himmelskörpern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Getroffener
Himmelskörper
Objekt/Krater Zeitpunkt des
Einschlages
Größe Stärke in
TNT-Äquivalent
Bemerkungen
Jupiter Shoemaker-Levy 9 16.−22. Juli 1994 bis zu 12.000 km 800 Gigatonnen Einschlag hatte mehrere dunkle, monatelang
sichtbare Flecken in der Atmosphäre zur Folge.

Die Angabe der Größe bezieht sich auf die von der Erde aus sichtbaren
Gasblasen in der Jupiter-Atmosphäre, nicht auf einen Kraterdurchmesser.

Mond Maria 4.200 ± 300 mya bis zu 2.568 km
Mond Südpol-Aitken-Becken  ? 2.240 km
nach anderen Angaben:
2.500 km
größter bekannter Krater im Sonnensystem
Mars Hellas Planitia 3.700 ± 200 mya 2.100 km
nach anderen Angaben:
2.000 km × 1.600 km
zweitgrößter bekannter Krater im Sonnensystem
Merkur Caloris Planitia 3.900 mya 1.550 km größter Merkurkrater, verursachte wahrscheinlich Gebirgs-
bildung auf der gegenüberliegenden Planetenseite

Global Killer im Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vorstellung von alles vernichtenden Einschlägen hat zu einem eigenen Subgenre des Katastrophenfilms geführt. Beispiele dafür sind Armageddon (1998), Deep Impact (1998), Melancholia (2011) und Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt (2012).

Frühe Vorläufer sind der dänische Film Verdens undergang (deutsch: Der Untergang der Welt)[2] und der amerikanische Kurzfilm The Comet's Come-Back (deutsch: Die Rückkehr des Kometen)[2], beide von 1916. In beiden Filmen wird die Erde allerdings durch den Kontakt mit dem Schweif eines nah vorbeiziehenden Kometen bedroht.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Referenzen und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Becky Oskin: Russia's Popigai Meteor Crash Linked to Mass Extinction. livescience, 13. Juni 2014.
  2. a b Deutsche Übersetzung des Originaltitels, ein deutscher Titel ist nicht bekannt.