Gloster Javelin

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Gloster Javelin
Gloster Javelin FAW.1 XA563 FAR 10.09.55 edited-2.jpg
Gloster Javelin FAW.1, Farnborough 1955
Typ: Zweistrahliges Jagdflugzeug
Entwurfsland:

Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich

Hersteller: Gloster Aircraft Company
Erstflug: 26. November 1951
Indienststellung: 29. Februar 1956
Stückzahl: 436

Die Gloster Javelin (Javelin = Speer) war ein zweistrahliges Jagdflugzeug der Zeit des Kalten Krieges aus britischer Produktion. Hersteller war die Gloster Aircraft Company.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1947 hatten die Projektierungsarbeiten zu diesem ungewöhnlichen Muster begonnen. Im März 1948 entschied das Ministry of Supply, vier Prototypen zu beschaffen, im April 1948 trat ein entsprechender Vertrag in Kraft. Auch von der konkurrierenden De Havilland DH.110 Sea Vixen wurden vier Prototypen beschafft. Im Jahr 1951 startete der Prototyp, das weltweit erste Jagdflugzeug mit Deltaflügeln und deltaförmigen T-Leitwerk unter der Bezeichnung G.A. 5 zu seinem Erstflug. Im Jahr 1952 konnte sich die Maschine gegen die DH.110 durchsetzen, da ihr Entwicklungspotential von der RAF und dem Verteidigungsministerium höher bewertet wurde. Der erste Prototyp verlor am 29. Juni 1952 während eines Hochgeschwindigkeitsversuches innerhalb von 2 Sekunden beide Höhenruder. Beim Versuch einer Notlandung zerbrach die Maschine auf der Piste und geriet in Brand. Der Testpilot Bill Waterton konnte sich aus der Maschine retten und auch die Flugdatenschreiber bergen. Dafür wurde er mit der George Medal ausgezeichnet.

Im Jahr 1954 lieferte Gloster die erste von 40 serienmäßigen Javelin FAW.Mk.1 aus. Die erste Einsatzstaffel war ab August 1956 einsatzbereit und im Bereich der RAF Germany war ab August 1957 die 87. Squadron in RAF Brüggen der erste Mk.1-Einsatzverband. 1955 flog dann der Prototyp der FAW.Mk.2, von der 25 Maschinen entstanden. 1956 erschien eine Trainerversion T.Mk.3, von der 21 Maschinen gebaut wurden. Wegen anhaltender Probleme war aber erst ab 1956 eine Einführung der Javelin in den Truppendienst bei der Royal Air Force möglich. Es folgten noch marginal verbesserte FAW.Mk.4, Mk.5 und Mk.6. Erst die letzten beiden Serienversionen Mk.7 und Mk.8 wiesen erhebliche Verbesserungen wie Nachbrennertriebwerke auf. Die Serienproduktion endete nach 436 Maschinen mit der Mk.8. Als Mk.9 wurden später aus der Mk.7 modernisierte Maschinen bezeichnet.

Javelins wurden Ende der 1950er-/Anfang der 1960er-Jahre als Allwetter-Abfangjäger auch bei der RAF Germany eingesetzt (siehe unten). Daneben waren Javelins außerhalb von Großbritannien auch in Zypern, Sambia, Singapur, Malaysia und Hongkong stationiert. 1964 wurden die letzten Javelin des Fighter Command durch Lightnings ersetzt. Die weitere Außerdienststellung der Javelin erfolgte 1966 in Deutschland und schließlich 1968 in Singapur.

Die Javelin war das letzte von Gloster produzierte Flugzeug. Heute sind noch etwa 10 Exemplare in Museen zu finden.

Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insgesamt wurden 435 Exemplare bei Gloster und Armstrong-Whitworth gebaut, beide Firmen gehörten damals schon zur Hawker-Siddeley-Gruppe (siehe auch die Informationen über das Bezeichnungssystem britischer Luftfahrzeuge).

GA.5
7 Prototypen
FAW.Mk.1
Ursprüngliche Version des Einsitzers mit Armstrong-Siddeley-Sapphire-Sa.6-Triebwerken mit je 35,6 kN Schub, British-AI.17-Radar, vier 30-mm-ADEN-Kanonen, 40 Stück neugebaut, zusätzlich wurden die sieben Prototypen zur FAW.1 umgerüstet
FAW.Mk.2
Anstelle des AI.17 Radar mit dem US-amerikanischen Westinghouse AN/APQ-43, bei der RAF als AI-22 bezeichnet, 30 gebaut.
T.Mk.3
Zweisitziger Trainer ohne Radar, aber mit den vier Kanonen, voll beweglichem Höhenruder, verlängertem Rumpf mit größerer interner Kraftstoffkapazität, 22 gebaut plus 1 Prototyp.
FAW.Mk.4
Ähnlich der FAW.1 mit AI.17-Radar, mit zusätzlichen Vortex-Generatoren auf den Tragflächen für verbesserte Stall-Eigenschaften, voll beweglichem Höhenruder, 50 gebaut.
FAW.Mk.5
Gegenüber der FAW.4 mit geändertem Tragflächenaufbau inklusive zusätzlicher Kraftstofftanks und der Vorbereitung von Aufnahmestationen für Luft-Luft-Rakete, 64 gebaut.
FAW.Mk.6
Variante der FAW.5, jedoch mit dem Westinghouse-Radar, 33 gebaut.
FAW.Mk.7
Meistgebaute Javelin-Version. Verbesserte Sa.7-Triebwerke mit je 48,9 kN Schub, verlängertem hinteren Rumpf, bewaffnet mit zwei 30 mm ADEN plus vier Firestreak-Luft-Luft-Raketen, einige FAW.7s (2 Staffeln) waren lediglich mit den vier Kanonen bewaffnet, 142 gebaut.
FAW.Mk.8
Nochmals verbesserte Sa.7R-Triebwerke mit Nachbrenner und je 54,7 kN Schub oberhalb einer Flughöhe von 6,100 m, geänderte Flügelvorderkanten und automatischem Gier-Stabilisator. 47 Maschinen gebaut.
FAW.Mk.9
Ehemalige FAW.7 mit Tragflächen und Triebwerken der FAW.8, 118 gebaut
FAW.Mk.9F/R
FAW.9 mit Luftbetankungsstutzen, 44 umgerüstet
FAW.Mk.9R
FAW.9F/R mit Aufhängungen für Tragflächen-Zusatztanks für höhere Reichweite, 40 umgerüstet.

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Erstflug 1951 bis zum Einsatzende 1975 kam es mit Gloster Javelin zu 85 Totalschäden, davon 14 auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland. Bei 14 von allen Unfällen kamen 21 Personen ums Leben.[1]

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dreiseitenriss FAW.Mk.9


Kenngröße Daten der Javelin FAW.Mk.9
Besatzung 2
Länge 17,16 m
Spannweite 15,58 m
Höhe 4,88 m
Flügelfläche 86,21 m²
Flächenbelastung 166 kg/m²
Leermasse 10.886 kg
Startmasse normal 17.420 kg
maximal 19.580 kg
Triebwerke 2 × Armstrong-Siddeley Sapphire 204
je 54,00 kN
Höchstgeschwindigkeit 1.140 km/h in 8.000 m
1.105 km/h in Bodennähe
Steiggeschwindigkeit 27,45 m/s
Steigzeit auf 15.250 m 9:24 min
Gipfelhöhe 15.865 m
Reichweite maximal 1.530 km
Bewaffnung 2 × 30-mm-Aden-Bordkanonen
4 Fairey-Firestreak-Luft-Luft-Raketen oder
4 Behälter mit ungelenkten Raketen
oder 4 Bomben à 454 kg
Radar Westinghouse AN/APQ-43

Stationierungsorte in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der erste Deltajäger der Welt im Einsatz. In: Klassiker der Luftfahrt. 6/2014, S. 28–33.
  • Karl-Heinz Eyermann: Strahltrainer. Deutscher Militärverlag, 1971, S. 122f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Gloster Javelin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Liste von Unfällen mit Gloster Javelin, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 31. Oktober 2021.