Gnadenkirche (Essen-Dellwig)

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Gnadenkirche in Essen-Dellwig (2009)

Die Gnadenkirche in Essen-Dellwig ist eine evangelische Kirche der Gemeinde Dellwig-Frintrop-Gerschede. Sie wurde 1894 eingeweiht und nach Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg zum Baudenkmal erklärt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehung und Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 1. Oktober 1893 wurden die zur Bürgermeisterei Borbeck im Landkreis Essen gehörenden Zivilgemeinden Dellwig, Frintrop und Gerschede (heute Essener Stadtteile) aus der Kirchengemeinde Borbeck ausgepfarrt und zur selbständigen Kirchengemeinde Dellwig-Frintrop-Gerschede mit dem Pfarrsitz in Dellwig vereinigt.[1] Grund war der rasche Anstieg der Bevölkerung in der Zeit der Industrialisierung im Ruhrgebiet. Der 1885 errichtete Verschiebebahnhof im Bereich Dellwig und Frintrop entwickelte sich allmählich zum größten Güterverschiebebahnhof Deutschlands; viele Eisenbahner und Arbeiter ließen sich hier nieder.

Der Bau der Gnadenkirche und des Pfarrhauses (Pastorat) nach einem Entwurf von W. G.Hofstadt, Baugeschäft, technisches Büro und Ziegeleibetriebe aus Oberhausen[2] auf dem Schildberg an der Pfarrstraße wurde am 20. Mai 1894 beschlossen. Das über 7000 Quadratmeter große Grundstück für die Kirche und den rund 4500 Quadratmeter Gemeindefriedhof kaufte man dem Landwirt Kauke ab. Die Grundsteinlegung der Kirche und des Pfarrhauses fand am 24. Juni 1894 statt.

Heute bildet die Pfarrstraße die Stadtteilgrenze zwischen Dellwig und Frintrop, wobei die Gnadenkirche auf Dellwiger Gebiet steht. Die Backsteinkirche wurde am 16. Dezember 1894 durch Generalsuperintendent Wilhelm Baur und Präses Valentin Umbeck geweiht – allerdings noch mit kleinem Holz-Türmchen mit einer Glocke. Im Frühjahr 1895 war das an der Westseite angebaute Pfarrhaus fertiggestellt worden. Die Baukosten der Kirche und des Pfarrhauses betrugen zusammen rund 40.000 Mark. 1895 fand auch der Einbau von Empore und Orgel des Orgelbauers Paul Faust aus Schwelm statt.[3]

Am 28. Juli 1896 wurde, nach Genehmigung am 22. Mai des Jahres[4], nördlich angrenzend an die Gnadenkirche eingeweiht. An diesem Tage fand auch die erste Beisetzung statt. 1912 wurde der Friedhof über das Gelände südwestlich der Pfarrstraße erweitert, so dass er heute eine Gesamtfläche von rund 34.400 Quadratmetern besitzt. Nahe der Kirche befindet sich ein Kriegsgräberfeld, auf dem Opfer des Ersten und Zweiten Weltkriegs beigesetzt sind.

Die ursprünglich als Andachtsraum entworfene Kirche erhielt am 7. Juli 1914 durch Beschluss des Presbyteriums den Namen Gnadenkirche. In den Jahren 1929 bis 1930 folgte der Anbau des Kirchturms an der Ostseite und der des nördlichen Seitenschiffes unter Arno Eugen Fritsche. Die Einweihung der Erweiterungsbauten fand am 15. Dezember 1929 statt. Zu dieser Zeit war die Gemeinde auf rund 6000 Mitglieder angewachsen.[4]

Kriegszerstörungen 1943[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zweiten Weltkrieg, am Ostermontag den 26. April 1943, wurde die Kirche mit dem Pfarrhaus durch Einschlag einer Bombe auf dem Friedhof stark beschädigt. Dabei wurde das Dach abgedeckt und auch die Orgel zerstört. Weitere Gottesdienste fanden dann im unteren Dellwig gelegenen Gemeindehaus statt.

Nach Beseitigung der Kriegsschäden und mit vom Bochumer Verein neu gegossenen Glocken wurde die Gnadenkirche am 26. November 1948, wiedergeweiht. Auch die instandgesetzte Orgel ging wieder in Betrieb.

Heutige Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1988 wurden das Kirchengebäude grundsaniert, ein neuer Boden ausgelegt, neue Fenster eingebaut, die Kirchenbänke aufgearbeitet und eine neue Orgel von Georg Jann installiert. Die Kosten betrugen knapp eine halbe Million DM. Am 10. März 1994 folgte die Eintragung der Gnadenkirche in die Denkmalliste der Stadt Essen.[2] Die benachbarte, aus der Nachkriegszeit stammende Trauerhalle ist 2005 umgebaut und saniert worden.

2013 musste das alte, hölzerne Turmkreuz aus Sicherheitsgründen entfernt werden. Es wurde am 12. Mai 2015 durch ein neues Kreuz auf dem Turm ersetzt. Das alte Holzkreuz wurde im südlichen Teil des Gemeindefriedhofs als Denkmal aufgestellt.

Die Gnadenkirche bietet heute etwa 200 Gläubigen Platz. Sie ist als verlässlich geöffnete Kirche zertifiziert.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel von Georg Jann wurde 1988 gebaut.[5]

I. Manual C–g3

Prinzipal 8′
Rohrflöte 8′
Octave 4′
Waldflöte 2′
Sesquialtera 213′+135
Mixtur 4f. 113
II. Manual C–g3

Holzgedackt 8′
Blockflöte 4′
Prinicipal 2′
Cymbel 3f. 1′
Pedal C–f1

Subbass 16′
Gedacktbass 8′
Choralbass 4′

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Errichtungsurkunde der Kirchengemeinde 1893 (Memento des Originals vom 22. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.gemeindedfg.de; abgerufen am 25. Mai 2016, offline
  2. a b Auszug aus der Denkmalliste der Stadt Essen; abgerufen am 13. Juni 2017
  3. Landesarchiv NRW; abgerufen am 13. Juni 2017
  4. a b Dietmar Mauer: Gnadenkirche steht seit 125 Jahren auf dem Donnerberg; In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 28. Dezember 2018
  5. Orgel der Gnadenkirche; abgerufen am 13. Juni 2017

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Gnadenkirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 51° 28′ 50,2″ N, 6° 55′ 3,4″ O