Gerschede

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Wappen von Gerschede
Wappen der Stadt Essen

Gerschede
Stadtteil von Essen

Lage von Gerschede im Stadtbezirk IV Borbeck
Basisdaten
Fläche 1,51 km²
Einwohner 7757 (30. Sep. 2017)
Koordinaten 51° 29′ 4″ N, 6° 56′ 22″ OKoordinaten: 51° 29′ 4″ N, 6° 56′ 22″ O
Höhe 63 m
Eingemeindung 1. Apr. 1915
Räumliche Zuordnung
Postleitzahl 45356, 45357
Stadtteilnummer 20
Bezirk Stadtbezirk IV Borbeck
Bild
St.-Paulus-Kirche

St.-Paulus-Kirche

Quelle: Statistik der Stadt Essen

Essen-Gerschede (auf Borbecker Platt Gasche genannt) ist ein nordwestlicher Stadtteil der Stadt Essen, in dem überwiegend Wohnbebauung mit Grünanlagen dominieren. Zugleich bildet er im Stadtbezirk IV den kleinsten Stadtteil.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Namensherkunft Gerschede wird aus der Schreibweise Gerscheide hergeleitet. Diese deutet auf einen ger- oder keilförmigen Scheid hin, wobei der Scheid einen Teil des Markenwaldes bezeichnet, der einer herrschaftlichen Familie vorbehalten war. Das Dorf Gerschede entstand entlang des Bachlaufes Schmalenbecke, die in der heutigen Grünanlage Mayskamp entspringt. 1668 wird an dieser Stelle der ehemalige Hof des Bauern May genannt, der damit zu den ältesten bekannten Höfen im Ort zählte. Aber es ist bereits 1406 das Dornrebesgut erwähnt, das Hannes op der Hovestat gehörte, der es in diesem Jahr einem Beamten der Äbtissin Elisabeth von Nassau verkaufte. Dieses Gut gab dem Donnersberg im benachbarten Dellwig seinen Namen. In der ehemaligen Bauerschaft Gerschede erinnern heute andere Gebäude an den dörflichen Charakter, der jahrhundertelang diesen Ort prägte. Da ist das aus dem Jahre 1749 stammende und zum Buckermannshof gehörige Fachwerkhaus, das die ehemaligen Gaststätte Beckermannshof beherbergte und heute Wohnzwecken dient. Der Kerkmannshof aus dem 18. Jahrhundert und sein Gesindewohnhaus, der um 1800 erbaute Schafenkampskotten, auch Zückerhüsken genannt, zeugen ebenfalls davon. An der Ecke Münstermannstraße/Gerscheder Straße steht ein kleines, denkmalgeschütztes Fachwerk-Marienhäuschen aus dem Jahr 1784, genannt Hirtenkapelle. Am Pausmühlenbach lag der Pausmühlenhof der Familie Paus. Die Pausmühle, eine Kornmühle, wurde erst durch den Bach, später mit Gas und ab 1939 elektrisch betrieben. Die Stilllegung erfolgte 1970. Einst führte der Pausmühlenbach, der die Grenze zu Borbeck bildet, durch sumpfiges Gelände und war am Möllhoven zu einem Teich aufgestaut. In einer Talsenke steht, allerdings auf Borbecker Gebiet, die Voßgätters Mühle, auch Aumühle genannt. Die Fürstäbtissinnen des Stiftes Essen ließen hier Korn mahlen, das als Zehnt abzuführen war.

1847 wurde die Strecke der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft gebaut. Dazu kam am 1. Dezember 1872 die Eröffnung der Eisenbahnstrecke zwischen Heißen und Frintrop für den Güterverkehr. Beide Linien zerschnitten das Dorf.

Nordlandhaus im Nordlandring

In der Folgezeit verlor Gerschede wegen der schnell voranschreitenden Industrialisierung durch Bergbau und Stahlindustrie in benachbarten Orten und die damit einhergehende starke Zuwanderung von Arbeitskräften, immer mehr seinen rein ländlichen Charakter verlor. Es entstanden einige Arbeitersiedlungen, wie beispielsweise die Arenbergkolonie. 1939 wurde eine späte Krupp-Siedlung errichtet, deren Straßennamen an die ehemalige Kolonie Deutsch-Ostafrika erinnern: Windhukweg, Samoastraße, Tangabucht und andere.

Nach dem Zweiten Weltkrieg errichtete die Norwegische Europahilfe 1954/55 in Gerschede 25 Fertighäuser in Holzbauweise zur Unterbringung kinderreicher Familien. In Erinnerung an diese großzügige Spende aus Norwegen tragen die Straßen, an denen diese Nordlandhäuser stehen, die Namen Nordlandaue und Nordlandring. Obwohl viele dieser Häuser entsprechend den Wünschen der Bewohner mit der Zeit durch An- und Umbauten verändert wurden und bisher nicht dem Denkmalschutz unterliegen, sind sie in ihrer architektonischen Grundstruktur auch nach über 60 Jahren noch als Nordlandhäuser erkennbar.

Gebietszugehörigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ende des Bestehens des Stiftes Essen 1803 wurde Borbeck, und damit auch Gerschede, als französisch besetztes Gebiet 1808 zur Munizipalität. Schließlich führte die Neuordnung Europas durch den Wiener Kongress im Jahre 1815 dazu, dass die Gemeinde Borbeck mit Gerschede zu Preußen kam und zur eigenständigen Bürgermeisterei innerhalb des Kreises Essen wurde. Von 1823 bis 1859 gehörte Borbeck zum Kreis Duisburg, danach ab 1859 wieder zum neu eingerichteten Kreis Essen. Der Bürgermeisterei gehörten neben Gerschede auch Bedingrade, Bochold, Dellwig, Frintrop und Schönebeck unter damaligem Einschluss von Vogelheim sowie die Bauerschaften Lippern (Lipper Heide) und Lirich an. Mit diesen beiden letztgenannten Teilen erlitt die Bürgermeisterei Borbeck am 1. Februar 1862 ihren größten Gebietsverlust. Diese Ortsteile bildeten ab diesem Zeitpunkt etwa zwei Drittel der neu gegründeten Gemeinde Oberhausen. Auch das Dreibauerschaftsquartier, bestehend aus Altendorf, Frohnhausen und Holsterhausen, wurde nach der Säkularisation der Munizipalität Borbeck zugeteilt, aber 1874 als eigenständige Bürgermeisterei Altendorf wieder ausgegliedert. Gerschede gehörte bis 1915, als es zur Stadt Essen eingemeindet wurde, zur Bürgermeisterei Borbeck.[1]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Gerschede

Blasonierung: „In Silber (Weiß) eine grüne Spitze, belegt mit einer silbernen (weißen) Saufeder.“

Das Wappen wurde von Kurt Schweder entworfen und hatte nie offiziellen Charakter. Ende der 1980er Jahre schuf der Heraldiker für alle Essener Stadtteile Wappen. Sie sind inzwischen von der Essener Bevölkerung gut angenommen worden.

Bedeutung: Gerschede stammt von "Gertschede", wie es im 1220 in einer kleinen Vogteirolle dokumentiert wurde. In anderen Quellen deutet der Namen auf eine keilförmigen Scheid hin. Das Wappen ist ein sogenanntes "redendes Wappen"; die Speerspitze (hier eine Saufeder) steht für "Ger" und die grüne Spitze für "schede".[2]

Heutiger Charakter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gerschede ist hauptsächlich durch Wohnbebauung geprägt. Nächstes Mittelzentrum ist Borbeck-Mitte. Der Stadtteil besitzt sowohl eine evangelische (Gemeindezentrum Samoastraße der evangelischen Kirchengemeinde Dellwig-Frintrop-Gerschede) als auch eine katholische Kirchengemeinde in der 1956 fertiggestellten St. Paulus-Gemeindekirche. Diese wurde bereits am 10. Juli 1955 durch den Kölner Weihbischof Joseph Ferche geweiht. Auffällig im Bild des Stadtteils ist die im Zeitraum von 2002 bis 2006 vollständig kernsanierte Krupp-Siedlung sowie die Siedlung zwischen Möllhoven und Ackerstraße. Ein Radwanderweg am Pausmühlbach verbindet Gerschede mit dem nahen Schlosspark in Borbeck-Mitte. An der Hansemannstraße, die nach Adolph Hansemann, einem Bankier und Kolonialpolitiker benannt wurde, befindet sich seit 1991 die Gesamtschule Borbeck. In der Ackerstraße gibt es zu dem seit 1988 die Grundschule Gerschede.

Der S-Bahn-Haltepunkt Essen-Gerschede bietet mit der Linie S9 eine direkte Verbindung nach Wuppertal über den Stadtkern und nach Haltern am See über Bottrop. Die Straßenbahnlinie 103 und die Buslinien 143, 185 und 186, sowie der Nachtexpress NE12 der Ruhrbahn führen durch Gerschede.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Essen. Gesichter der Stadt (Essen 2004)
  • 50 Jahre Siedlergemeinschaft Essen-Gerschede, Festschrift, herausgegeben von der Siedlergemeinschaft Essen-Gerschede (Essen 1982)
  • Die Siedlungsgemeinschaft Gimkenhof e. V. in Gerschede gab zu ihrem 70-jährigen Bestehen eine Siedlerpost-Jubiläumsausgabe heraus, aus der hervorgeht, dass die Feierlichkeiten vom 12. bis 14. September 2008 begangen wurden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Essen-Gerschede – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadtteilgeschichte Borbeck-Mitte auf der Homepage der Stadt Essen
  2. Vgl. dazu: Johann Rainer Busch: Kurt Schweders Wappen der Essener Stadtteile. Essen 2009, S. 75.
  3. Ruhrbahn