Gnadenschuss

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Der Begriff Gnadenschuss oder Gnadenstoß (frz.: Audio-Datei / Hörbeispiel Coup de grâce?/i) bezeichnet die Tötung eines Lebewesens, um sein Leid zu verkürzen.

Beim Menschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Altertum wurde der Gnadenstoß einem schwer verletzten oder im Kampf unterlegenen Gladiator von seinem Gegner mit einer als Gnadgott oder Misericordia bezeichneten Blankwaffe versetzt.[1] Auch beim Rädern wurde manchem Verurteilten schon kurz nach Beginn der Prozedur ein Gnadenstoß gewährt, indem der Henker mit dem Richtrad auf Hals oder Herz zielte.[2]

Bei der Hinrichtung eines Menschen bezeichnet der Gnadenschuss einen tödlichen Schuss (z. B. Kopfschuss), der aus sehr kurzer Entfernung abgegeben wird, um Personen zu töten, die bei einer Erschießung nicht durch die erste Salve getötet wurden. Der Begriff wird auch verwendet, wenn Soldaten im Kriegsfall schwerverletzte Kameraden oder feindliche Soldaten mit oder ohne Zustimmung töten, um ihnen weiteres Leid zu ersparen.

In einem abwertenden Sinne spricht man bei Exekutionen von Menschen auch vom Fangschuss, der jedoch ursprünglich nur den Schuss bezeichnet, mit dem ein Jäger bereits verletztes Wild endgültig tötet.

Streng abzugrenzen ist der finale Rettungsschuss.

Im übertragenen Sinn steht Gnaden- oder Fangschuss auch synonym für jemandem den Rest geben, von einem (vermeintlichen) Leiden erlösen.[3]

Beim Tier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ausdruck Gnadenschuss ist im Zusammenhang mit der Euthanasie eines schwer verletzten, kranken Tieres, etwa nach einem Wildunfall oder zur Gefahrenabwehr bei aggressiven Tieren durch die Polizei, Jagdausübungsberechtigte oder Tierärzte bekannt.[4][5][6][7] Rechtsgrundlage für die berufsmäßige Tötung von Wirbeltieren können unter bestimmten Voraussetzungen die deutschen Polizeiaufgabengesetze oder das Tierschutzgesetz (§ 4 TSchG) sein.

In Österreich ist der polizeiliche Waffengebrauch zur Durchführung eines Gnadenschusses (Fangschusses) bei Tieren gesetzlich nicht gestattet.[8]

Der Gnadenstoß des Matadors ins Genick des Tieres beendet das letzte Drittel des Stierkampfs (Faena).[9]

Rezeption in Film und Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Gnadenschuss – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Gnadenstoß – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christoph Leuenberger: Tod und Spiele Online-Magazin der Universität Bern, 28. Oktober 2014
  2. Gnadenstoß duden.de, abgerufen am 19. Januar 2018
  3. den Rest geben openthesaurus.de, abgerufen am 19. Januar 2018
  4. Gnadenschuss duden.de, abgerufen am 19. Januar 2018
  5. Sascha Geldermann: Polizist tötet Katze mit Gnadenschuss - und wird angezeigt Augsburger Allgemeine, 18. November 2015
  6. Dreiste Autofahrer hindern Jäger am Gnadenschuss Outfox World, 28. März 2017
  7. Alex Talash: Polizist erlöst verletzten Hund in Hagen mit Gnadenschuss Mainpost, 10. Januar 2017
  8. Entschließungsantrag betreffend „Möglichkeit der Durchführung eines Gnadenschusses (Fangschusses) durch Organe des öffentlichen Sicherheitsdienstes“ Eingebracht in den Nationalrat am 27. März 2014, 311/A(E) XXV. GP
  9. Joaquín Enríquez Beltrán: Stierkampf: Der Ablauf einer corrida de toros 14. Februar 2014