Gnadenstoß

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Der Begriff Gnadenstoß (frz.: Audio-Datei / Hörbeispiel Coup de grâce?/i) bzw. Gnadenschuss, im Zusammenhang mit der Jagd auch Fangstoß bzw. Fangschuss,[1][2] leitet sich historisch vom aus Gnade gewährten Todesstoß des Scharfrichters ab und bezeichnet die Tötung eines Lebewesens, um sein Leid zu verkürzen.[3][4][5]

Beim Menschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Altertum wurde der Gnadenstoß einem schwer verletzten oder im Kampf unterlegenen Gladiator von seinem Gegner mit einer als Gnadgott oder Misericordia bezeichneten Blankwaffe versetzt.[6] Bei der Hinrichtung eines Menschen kann „Gnadenschuss“ einen tödlichen Schuss bezeichnen (z. B. Kopfschuss), der aus sehr kurzer Entfernung abgegeben wird, um eine Person zu töten, die bei einer Erschießung nicht durch die erste Salve getötet wurde, oder beim Rädern konnte manchen Verurteilten schon kurz nach Beginn der Prozedur ein „Gnadenstoß“ treffen, indem der Henker mit dem Richtrad auf seinen Hals oder Herz zielte.[7]

Der Begriff wird auch verwendet, wenn Soldaten auf dem Schlachtfeld oder dem Rückzug schwerverwundete Kameraden oder Gefangene, denen nicht geholfen werden kann, mit oder ohne deren Zustimmung töten, um ihnen weiteres Leid zu ersparen.

Im übertragenen Sinn steht Gnaden- oder Fangschuss auch synonym für jemandem den Rest geben, von einem (vermeintlichen) Leiden erlösen.[8]

Streng abzugrenzen ist der finale Rettungsschuss.

Beim Tier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ausdruck Gnadenschuss ist im Zusammenhang mit der Euthanasie eines schwer verletzten, kranken Tieres, etwa nach einem Wildunfall oder zur Gefahrenabwehr bei aggressiven Tieren durch die Polizei, Jagdausübungsberechtigte oder Tierärzte bekannt.[9][10][11][12] Rechtsgrundlage für die berufsmäßige Tötung von Wirbeltieren können unter bestimmten Voraussetzungen die deutschen Polizeiaufgabengesetze oder das Tierschutzgesetz (§ 4 TSchG) sein.

In Österreich ist der polizeiliche Waffengebrauch zur Durchführung eines Gnadenschusses (Fangschusses) bei Tieren gesetzlich nicht gestattet.[13]

Der Gnadenstoß des Matadors ins Genick des Tieres beendet das letzte Drittel des Stierkampfs (Faena).[14]

Rezeption in Film und Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiktionary: Gnadenstoß – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: Gnadenschuss – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fangstoß | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. In: Duden. Abgerufen am 16. Oktober 2020.
  2. Fangschuss | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. In: Duden. Abgerufen am 16. Oktober 2020.
  3. Gnadenstoß | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. In: Duden. Abgerufen am 16. Oktober 2020.
  4. Gnadenschuss | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. In: Duden. Abgerufen am 16. Oktober 2020.
  5. Todesstoß | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. In: Duden. Abgerufen am 16. Oktober 2020.
  6. Christoph Leuenberger: Tod und Spiele Online-Magazin der Universität Bern, 28. Oktober 2014
  7. Gnadenstoß duden.de, abgerufen am 19. Januar 2018
  8. den Rest geben openthesaurus.de, abgerufen am 19. Januar 2018
  9. Gnadenschuss duden.de, abgerufen am 19. Januar 2018
  10. Sascha Geldermann: Polizist tötet Katze mit Gnadenschuss – und wird angezeigt Augsburger Allgemeine, 18. November 2015
  11. Dreiste Autofahrer hindern Jäger am Gnadenschuss Outfox World, 28. März 2017
  12. Alex Talash: Polizist erlöst verletzten Hund in Hagen mit Gnadenschuss Mainpost, 10. Januar 2017
  13. Entschließungsantrag betreffend „Möglichkeit der Durchführung eines Gnadenschusses (Fangschusses) durch Organe des öffentlichen Sicherheitsdienstes“ Eingebracht in den Nationalrat am 27. März 2014, 311/A(E) XXV. GP
  14. Joaquín Enríquez Beltrán: Stierkampf: Der Ablauf einer corrida de toros 14. Februar 2014