Gondo

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Stockalperturm nach der Renovierung (Aufnahme von 2016)

Gondo (deutsch Ruden) ist eine Pfarrgemeinde des Dekanats Brig und ein Schweizer Bergdorf im Kanton Wallis zwischen dem Simplonpass und der Grenze zu Italien. Gondo gehört zur Gemeinde Zwischbergen (offiziell auch Gondo-Zwischbergen genannt). Ruden, der alte deutsche Name von Gondo, stammt aus dem indogermanischen Rudaz und bedeutet «Erz».

Das Dorf lebt vor allem aus den Einnahmen des Wasserzinses, dem Durchgangsverkehr und dem Handel mit Tabak und Benzin. Mit dem wieder aufgebauten Stockalperturm als Hotel und Seminarzentrum, der ehemaligen Goldmine und den zahlreichen Wanderwegen ist das Dorf eine Tourismusdestination. Gondo ist Etappenort an der Via Stockalper.

Vor der Katastrophe von 2000 hatte das Dorf über 120 Einwohner, 2007 lebten noch 80 Einwohner in Gondo. Die Schule musste 2007 nach Simplon-Dorf verlegt werden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gondo, beim Aufbau nach dem Erdrutsch, erkennbar am blau eingehüllten Stockalperturm
Aktie über 25 Franken der Société Suisse des Mines d'Or de Gondo SA vom 14. September 1895[1][2]

In römischer Zeit wurde in der Gegend um Gondo, im Zwischbergental, nach Gold geschürft. Das Gold ist in dem Vorkommen mit Pyrit und Silber vermengt und an Quarzadern gebunden. Gefördert durch Kaspar Stockalper erlebten die Goldminen Gondos in den Jahren 1660 bis 1691 eine Hochblüte. Durch die Jahrhunderte wechselten die Schürfrechte mehrmals; 1810 verpachteten die Stockalper die Minen der italienischen Familie Maffiola. Mit 15 Arbeitern erwirtschafteten diese gute Gewinne, mussten jedoch nach einem Streit mit den Eigentümern abziehen, nicht ohne vorher die Schächte und Stollen zuzuschütten. Schliesslich ging die Minen im Jahr 1894 an die Gesellschaft Société Suisse des Mines d'Or de Gondo SA, die vom französischen Ingenieur M. Froment gegründet wurde. Er konnte mit seiner Ankündigung, ein neues Kalifornien gefunden zu haben, 5 Millionen Franken Kapital organisieren und englische Fachleute anstellen. In den steil ins Erdinnere abfallenden Gängen, mit den Namen Silzaly, Bruno, Fumée, Fontaine, Julie, Maffiola, Rona, Camozetta, Alcide, und Minna (aufsteigende Aufzählung), sowie Vinasque (weiterer Standort), schufteten die Arbeiter für einen kargen Lohn in 12-stündigen Schichten, während die Betreiber, in Erwartung reicher Gewinne, dem Luxus und Wohlleben fröhten. Bald erwies es sich jedoch, dass sich die Goldausbeute nicht lohnte. Nur 72 Goldvreneli konnten aus diesem Gold geprägt werden, denn in den geförderten 5800 Tonnen Gestein waren nur 33 kg Gold enthalten (6 Gramm pro Tonne). Am 17. Mai 1897 gingen die Minen in Konkurs, das Interesse erlosch und die Minen verfielen. Es sind heute noch Restmauern zu sehen. 1916 wurden die eisernen Teile der Anlagen nach Italien verkauft, wo sie im Ersten Weltkrieg für Rüstungszwecke eingeschmolzen wurden. 1924 kauften Ortsansässige das Land der Mines d'Or de Gonde. Seither grasen wieder Kühe darauf. Eine Analyse aus dem Jahr 1980 ergab, dass die Erze auch nach heutiger Einschätzung für einen industriellen Bergbau zu wenig Gold enthalten, auch wenn mit heutiger Technik ein leicht höherer Goldanteil zu gewinnen wäre.[3]

Am 14. Oktober 2000 wurde ein Drittel des Dorfes von einem Erdrutsch zerstört, der 13 Todesopfer forderte und acht Gebäude niederriss, darunter den Westteil des 1650 erbauten Stockalper-Turms[4]. In der Folge wurde Gondo wieder aufgebaut und am 14. Oktober 2004 neu eingeweiht.

Wegen den tiefen Strompreisen in Gondo – auf dem Gemeindegebiet liegen zwei Laufwasserkraftwerke – siedeln sich seit 2017 Krypto-Mining-Unternehmen in Gondo an.[5]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dokumentation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Gondo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Goldbergwerk-Ausstellung im Stockalperturm Gondo
  2. Aktiensammler 01/03, S. 8, ISSN 1611-8006
  3. Franz Auf der Maur, Robert André: Steinreich Schweiz: Erlebte Geologie. Band 1. Aare Verlag, Solothurn 1984, ISBN 3-7260-0237-5, S. 54 ff.
  4. Stockalper-Turm auf ethorama.library.ethz.ch/de/node
  5. Das Bergdorf Gondo erlebt einen Krypto-Rausch – doch das Bauland für neue Firmen fehlt. In: Neue Zürcher Zeitung, 9. April 2018. 
  6. Gondoschlucht auf ethorama.library.ethz.ch/de/node

Koordinaten: 46° 12′ N, 8° 8′ O; CH1903: 654098 / 116314