Grüngelber Ritterling

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Grüngelber Ritterling
Tricholoma sejunctum-493291.jpg

Grüngelber Ritterling (Tricholoma sejunctum)

Systematik
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: Agaricomycetidae
Ordnung: Champignonartige (Agaricales)
Familie: Ritterlingsverwandte (Tricholomataceae)
Gattung: Ritterlinge (Tricholoma)
Art: Grüngelber Ritterling
Wissenschaftlicher Name
Tricholoma sejunctum
(Sowerby : Fr.) Quél.

Der Gelbliche oder Grüngelbe Ritterling (Tricholoma sejunctum) ist ein Blätterpilz aus der Familie der Ritterlingsverwandten (Tricholomataceae). Die mittelgroßen bis großen Fruchtkörper haben einen mehr oder weniger schmierigen, grüngelben bis olivgelben Hut mit radialfaserig eingewachsener Oberfläche. Das Fleisch riecht stark mehlig und schmeckt mild bis bitterlich. Der Mykorrhizapilz wächst überwiegend in Laubwäldern und ist meist mit Eichen, Birken oder Buchen vergesellschaftet. Die Fruchtkörper des recht seltenen und ungenießbaren Ritterlings erscheinen von August bis November.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stiel des Grüngelben Ritterlings ist bisweilen grünlich bis gelblich überhaucht.

Makroskopische Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der mäßig- bis dickfleischige Hut hat einen Durchmesser von 3–9(–12) cm. Er ist anfangs kegelig-gewölbt, dann flach gewölbt bis ausgebreitet und trägt meist einen deutlichen, breiten Buckel. Die Oberfläche ist eingewachsen radialfaserig und bei Feuchtigkeit leicht schmierig. Farblich ist der Hut sehr variabel: Das Spektrum reicht von hellem Gelbgrün bis Dunkeloliv. Meist ist er aber überwiegend grünlich mit mehr oder weniger bronzefarbener Mitte und gelblich gefärbtem Rand.

Die ziemlich dichtstehenden, weißlichen Lamellen sind am Stiel tief ausgebuchtet angewachsen. Das Sporenpulver ist weiß.

Der weißliche, zylindrisch bis keulige Stiel ist 7–10(–13) cm lang und 0,8–2,5 cm breit. Er ist oft vollfleischig, fest und starr. Die Stielbasis ist manchmal zugespitzt. Der Stiel ist bisweilen grünlich überhaucht. Die Stielspitze ist weiß, zur Basis hin ist der Stiel mehr gelblich getönt.

Das weißliche, sich auf Druck oder bei Kontakt mit Luftsauerstoff nicht verfärbende Fleisch (Trama) ist starr und fest. Unter der Huthaut kann es auch gelblich bis grünlich gefärbt sein. Es riecht stark und deutlich mehlig bzw. nach Salatgurke, oft auch mit einer fruchtigen Komponente. Es schmeckt mehlig-mild, im Nachgeschmack aber oft deutlich bitter.[1][2][3]

Mikroskopische Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die fast kugeligen bis elliptischen, in Iodlösung nicht verfärbenden (inamyloiden) Sporen messen (5,5–)6,0–7,5(–8,5) × 4,5–6,0 µm und haben einen deutlich ausgebildeten Apiculus. Der Quotient aus Sporenlänge und -breite liegt durchschnittlich zwischen 1,2 und 1,4.

Die viersporigen und schnallenlosen Sporenständer (Basidien) sind 31–43 µm lang und 7,0–9,0 µm breit. Die Lamellenschneiden sind fertil oder tragen wenige bis zahlreiche zystidenartige Zellen, die dünnwandig und unregelmäßig geformt sind. Die Hutdeckschicht (Pileipellis) ist eine bis zu 200 µm dicke Ixocutis, die aus septierten Pilzfäden (Hyphen) besteht. Die zylindrischen Endzellen messen 20–65 × 1,5–4,5 µm. Die Zellwände sind durchscheinend (hyalin) und sehr fein inkrustiert. Die Subpellis ist gut entwickelt und besteht aus zylindrischen, leicht aufgeblasenen Elementen, die 20–65 µm lang und 2,5–7,5 µm breit sind und inkrustierte Zellwände haben. Die Stielrinde (Stipitipellis) ist eine Cutis aus liegenden zylindrischen Hyphen. Die Zellwände sind hyalin oder leicht inkrustiert. An der Stielspitze findet man auch sterile Elemente (Caulozystiden). Sie sind zylindrisch, 20–65 µm lang und 2,0–6,5 µm breit. Schnallen kommen nicht vor.[2]

Artabgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Grüngelben Ritterling handelt es sich um eine äußerst veränderliche Art, deren genaue Abgrenzung von nahe verwandten Arten umstritten ist. Kennzeichnend für ihn ist der leicht schmierige, mehr oder weniger grüngelbe, radialfaserige Hut. Der verwandte Grünling (T. equestre) unterscheidet sich durch den intensiv gelben Fruchtkörper, die gelben Lamellen und seine Vorliebe für Nadelwälder und nährstoffarme, saure Böden.

Noch ähnlicher ist der Orangebraune Ritterling (T. arvernense). Sein Hut ist mehr gelborange gefärbt, außerdem hat er kleinere Sporen (5 × 3 µm), Basidien mit Schnallen und wächst im Nadelwald.

Am ähnlichsten ist der Sägeblättrige Ritterling (T. viridilutescens), der von einigen Mykologen als eigenständige Art, von anderen als Synonym des Grüngelben Ritterlings angesehen wird. Er soll insgesamt etwas schmaler und im Randbereich des Hutes deutlicher gelb gefärbt sein. Seine Lamellenschneiden sind meist grob gesägt. Das Fleisch ist mehr oder weniger gelblich und hat einen weniger auffällig mehligen Geruch und Geschmack. Die seltene Art wächst in Nadel- und Mischwäldern des Gebirges. Außerdem gibt es noch die mehr grauhütige Varietät coniferarum des Grüngelben Ritterlings, die im Nadelwald wächst.[2][3]

Ökologie und Phänologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Grüngelbe Ritterling ist überwiegend mit Eichen, Buchen und Birken vergesellschaftet, man findet ihn daher vor allem in Laub- und Laubmischwäldern. Er wächst besonders gern auf besseren, kalkreichen Ton- oder Lehmböden. Auf Sandböden findet man ihn nur selten.[1]

Die Fruchtkörper des Mykorrhizapilzes erscheinen in kleinen Gruppen von August bis Oktober (November).

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Europäische Länder mit Fundnachweisen des Grüngelben Ritterlings.[4][5][6][7][8][9][10][11][12][13][14][15][16][17][18][19]
Legende:
  • Länder mit Fundmeldungen
  • Länder ohne Nachweise
  • keine Daten
  • außereuropäische Länder
  • Der Grüngelbe Ritterling kommt in Nordamerika (USA), Zentralamerika (Costa Rica), Asien (Japan, Nordkorea) und Europa vor. In Europa ist er weit verbreitet, aber nur mäßig häufig bis selten. Im Süden reicht sein Verbreitungsgebiet von der Iberischen Halbinsel bis über Griechenland und Bulgarien bis zur Ukraine. Im Norden findet man ihn in ganz Fennoskandinavien. In Großbritannien ist er weit verbreitet aber nicht häufig, nur auf der Irischen Insel fehlt er. In den Niederlanden ist er ziemlich selten. Auch in Deutschland kommt der Ritterling nur zerstreut bis selten vor.

    Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Der Gelbgrüne Ritterling wurde 1799 erstmals durch den britischen Naturforscher James Sowerby als Agaricus sejunctus beschrieben.[20] Dieser Name wurde durch Elias M. Fries sanktioniert.[21] 1872 stellte ihn der französische Mykologe Lucien Quélet in die Gattung Tricholoma, wodurch er seinen heute gültigen wissenschaftlichen Namen bekam. Weitere homotypische Synonyme sind laut Index Fungorum und Mycobank-Datenbank Agaricus leucoxanthus var. sejunctus (Sowerby) Pers., Gyrophila sejuncta (Sowerby) Quél. und Melanoleuca sejuncta (Sowerby) William Alphonso Murrill. Auch der Schuppenstielige Ritterling (Tricholoma coryphaeum (Fr.) Gillet) wird von einigen Mykologen als Synonym angesehen.

    Laut Noordeloos und Christensen gibt es von Tricholoma sejunctum mindestens zwei konkurrierende Artkonzepte. T. sejunctum sensu Sowerby und T. sejunctum sensu Fries (1867),[22] und M.M. Moser. T. sejunctum im Sinne von Fries und Moser bezieht sich auf eine Art aus dem Nadelwald, die mehr einheitlich gelbbraune Farben und kleinere Sporen hat. Diese Art wurde von M. Bon als Tricholoma arvernense neu beschreiben. M.M. Moser, der T. sejunctum sensu Sowerby auch kannte, beschrieb dieses Taxon unter dem wissenschaftlichen Namen T. viridilutescens. T. sejunctoides Orton und T. subsejunctum Peck (sensu Moser) gehören ebenfalls zum Formenkreis und werden meist mit T. arvernense synonymisiert.

    Daneben wurden zahlreiche Varietäten beschrieben. Von einer gewissen taxonomischen Bedeutung sind die von M. Bon beschriebenen ökologischen Varietäten fagetorum und coniferarum. Die Varietät fagetorum wächst im Buchenwald, während die zweite im Nadelwald wächst.[2]

    Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Laut M. Bon ist der Gelbgrüne Ritterling essbar, aber wegen seines bitterlichen Geschmacks kaum schmackhaft. Andere bezeichnen ihn als ungenießbar oder gar giftverdächtig, da er die gleichen Toxine enthalten könnte, wie der früher als Speisepilz geschätzte Grünling.[1][3]

    Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    1. a b c Marcel Bon: Pareys Buch der Pilze. Kosmos, Stuttgart 2005, ISBN 3-440-09970-9, S. 156 (englisch: The mushrooms and toadstools of Britain and Northwestern Europe. Übersetzt von Till R. Lohmeyer).
    2. a b c d Machiel E. Noordeloos, Thomas W. Kuyper, Else C. Vellinga: Critical Monographs on Families of Agaric and Boleti Occurring in the Netherlands. In: Flora Agaricina Neerlandica. Band 4. Taylor & Francis, 1999, ISBN 90-5410-493-7, S. 113 (books.google.de).
    3. a b c Karin Montag: Grüngelber Ritterling Tricholoma sejunctum Im virtuellen Pilzbuch. In: Tintling.com. Abgerufen am 5. September 2015.
    4. Rapportsystemet för växter: Tricholoma sejunctum. (Nicht mehr online verfügbar.) In: artportalen.se. Archiviert vom Original am 15. August 2012; abgerufen am 5. September 2015.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.artportalen.se
    5. Basidiomycota Checklist-Online – Tricholoma sejunctum. In: basidiochecklist.info. Abgerufen am 5. September 2015.
    6. Cvetomir M. Denchev & Boris Assyov: Checklist of the larger basidiomycetes in Bulgaria. In: Mycotaxon. Band 111, 2010, ISSN 0093-4666, S. 279–282 (mycotaxon.com [PDF]).
    7. Belgian List 2012 – Tricholoma sejunctum. Abgerufen am 5. September 2015 (englisch).
    8. Zdenko Tkalcec, Mesic Armin: Preliminary checklist of Agaricales from Croatia. (= Mycotaxon. Band 81). Band I: Families Pleurotaceae and Tricholomataceae, 2002, S. 113–176 (englisch, cybertruffle.org.uk).
    9. Estonian eBiodiversity Species description Tricholoma sejunctum. In: elurikkus.ut.ee. Abgerufen am 5. September 2015 (englisch).
    10. Weltweite Verbreitung von Tricholoma sejunctum. (Nicht mehr online verfügbar.) In: GBIF Portal / data.gbif.org. Archiviert vom Original am 27. Februar 2016; abgerufen am 5. September 2015.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/data.gbif.org
    11. D.M. Dimou, G.I. Zervakis & E. Polemis: Mycodiversity studies in selected ecosystems of Greece (= Mycotaxon. Band 104). Band IV: Macrofungi from Abies cephalonica forests and other intermixed tree species (Oxya Mt., central Greece), 2008, S. 39–42 (englisch, mycotaxon.com [PDF]).
    12. Tricholoma sejunctum. In: grzyby.pl. Abgerufen am 5. September 2015.
    13. Ilkka Kytövuori et al.: Kapitel 5.2, Distribution table of agarics and boletes in Finland. 2005, ISBN 952-11-1997-7, S. 105–225 (helda.helsinki.fi [PDF] Originaltitel: Suomen Helttasienten ja tattien levinneisyystaulukko.).
    14. Jean-Pierre Prongué, Rudolf Wiederin, Brigitte Wolf: Die Pilze des Fürstentums Liechtenstein. In: Naturkundliche Forschung im Fürstentum Liechtenstein. Band 21. Vaduz 2004 (llv.li [PDF]). llv.li (Memento des Originals vom 15. November 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.llv.li
    15. Grid map of Tricholoma sejunctum. In: NBN Gateway / data.nbn.org.uk. Abgerufen am 5. September 2015 (englisch).
    16. Tricholoma sejunctum. Pilzoek-Datenbank, abgerufen am 5. September 2015.
    17. T.V. Andrianova et al.: Tricholoma sejunctum. Fungi of Ukraine. (Nicht mehr online verfügbar.) In: www.cybertruffle.org.uk/ukrafung/eng. Archiviert vom Original am 23. September 2015; abgerufen am 5. September 2015 (englisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cybertruffle.org.uk
    18. NMV Verspreidingsatlas online: Tricholoma sejunctum. In: verspreidingsatlas.nl. Abgerufen am 5. September 2015.
    19. Verbreitungsatlas der Pilze der Schweiz. (Nicht mehr online verfügbar.) In: wsl.ch. Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, archiviert vom Original am 15. Oktober 2012; abgerufen am 5. September 2015.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wsl.ch
    20. James Sowerby,: Coloured figures of English fungi or mushrooms. Hrsg.: J. Davis. London 1797 (Textarchiv – Internet Archive).
    21. Elias Magnus Fries: Systema Mycologicum. Band I. Ex Officina Berlingiana., Lund & Greifswald 1821, S. 47 (Latein, cybertruffle.org.uk).
    22. Elias Magnus Fries: Agaricus Sejunctus. In: Icones selectae hymenomycetum nondum delineatorum. sub auspiciis regiae Academiae Scientiarum Holmiensis. Band 1, 1867, S. 21 (Latein, e-rara.ch Tafel 23).

    Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Commons: Tricholoma sejunctum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien