Grattstadt

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Grattstadt
Koordinaten: 50° 22′ 32″ N, 10° 50′ 13″ O
Höhe: 430 m ü. NN
Einwohner: 210 (2005)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 1971
Eingemeindet nach: Langenbergen
Postleitzahl: 96476
Vorwahl: 09564
Wappenstein
Wappenstein
Grattstadt von Westen

Grattstadt ist ein Stadtteil der oberfränkischen Stadt Bad Rodach im Landkreis Coburg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt etwa 16 Kilometer nordwestlich von Coburg auf den Langen Bergen und ist als Haufendorf mit Gewannflur angelegt.[2] Die Gemarkungsgrenze im Norden entspricht der Landesgrenze mit Thüringen. Der Ortsbach, ein Quellbach des Habergrundes, der zur Werra fließt, quert das Dorf. Die Kreisstraße CO 4 verbindet Grattstadt mit Bad Rodach und Meeder.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hügelgräber auf den Langen Bergen zeugen von einer frühen Besiedelung. Die erste urkundliche Erwähnung als Grazzestat stammt aus dem Jahr 815, als der Edelmann Erlwin seine Besitzungen in Grattstadt dem Kloster Fulda schenkte.[3] Ab dem 14. Jahrhundert besaß das Kloster Veßra neun Höfe in dem Ort. Spätestens ab 1305 lag Grattstadt im Herrschaftsbereich der Henneberger. 1353 kam der Ort mit dem Coburger Land im Erbgang zu den Wettinern und war somit ab 1485 Teil des Kurfürstentums Sachsen, aus dem später das Herzogtum Sachsen-Coburg hervorging.

Vor dem Dreißigjährigen Krieg hatte Grattstadt über 200 Einwohner, die in 40 Häusern lebten. Im Jahr 1650 gab es nur noch vier Einwohner und drei nicht zerstörte Häuser. Unter anderem hatten die kaiserliche Truppen unter General Graf Lamboy 1634 ihr Winterquartier in den westlichen Ämtern der Pflege Coburg und plünderten auch Grattstadt. Im Februar 1637 folgte eine Plünderung durch den General Johann Ludwig Hektor von Isolani und sein kroatisches Leibregiment.[3]

1670 wurde die ledige Magd Elsa Henneberger wegen Hexerei verhaftet. Nur dank der Fürsprache ihrer früheren Dienstherrin überlebte sie und wurde aus dem Lande verwiesen.[1]

Nach der Landvermessung von 1675 im gesamten Rodacher Raum wurde 1711 wurde die vermessene Flur in einem Flurbuch niedergeschrieben. Bei herzoglichen Landesteilung 1680 wurde eine Forstei eingerichtet, die 1850 aufgelöst wurde. Ein Forsthaus ließ das herzogliche Amt 1742/43 neu errichten. 1728 wurde Grattstadt kirchlich mit Ahlstadt vereinigt. 1904 folgte eine Unterstellung der Pfarrei Elsa, von 1921 bis 1977 der in Oettingshausen und danach zusammen mit Oettingshausen der in Elsa. Ein neues Schulhaus wurde 1780 in Betrieb genommen. Später folgten umfangreiche Umbauten. 1970 wurde die Schule aufgelöst.[3]

1805 gab es in der Gemeinde 54 Ochsen, 36 Kühe, 26 Stück Jungvieh, 200 Schafe und fünf Stück Zuchtschweine. Neben schwerpunktmäßig Korn, Weizen und Dinkel wurde auf den wenig ergiebigen Böden Flachs angebaut. Drei Leineweber hatten sich niedergelassen. 1887 wurde der Gesangverein gegründet. In den beiden Weltkriegen gab es jeweils 13 Gefallene.[3]

Grattstadt war überwiegend Richtung Norden orientiert. Von 1945 bis 1989 trennte die innerdeutsche Grenze den Ort von seinen drei thüringischen Nachbardörfern Hetschbach, Harras und Veilsdorf. 1968 erhielt das Dorf einen Anschluss an das Trinkwassernetz.[3]

Am 1. Juli 1971 schloss sich Grattstadt mit Heldritt zur Gemeinde Langenbergen zusammen.[4] Am 1. Mai 1978 wurde Langenbergen aufgelöst und Grattstadt ein Stadtteil der Stadt Rodach.[5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohnerzahl
1740 169[3]
1802 183[3]
1861 301[3]
1890 288[3]
1910 265[6]
1933 289[7]
1939 252[7]
1946 363[3]
1970 269[5]
1990 242[3]
2005 210[1]
Evangelisch-lutherische Pauluskirche

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Kern wurde die Pauluskirche als Ersatz für eine im Dreißigjährigen Krieg zerstörte Kapelle 1686 errichtet. 1755 erhielt das einfache, kastenförmige Gotteshaus im Wesentlichen das heutige Aussehen mit Dachreiter und Zwiebelturm. Die letzte größere Instandsetzung erfolgte Anfang der 1980er Jahre. Die historische Orgel stammt von dem Orgelbauer Hofmann aus Neustadt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ortwin Großmann: Grattstadt 1175 Jahre ; 815–1990. Coburg 1990.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Grattstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Irmhild Tschischka: In der Chronik der Bad Rodacher Stadtteile geblättert; Ein Stück Bad Rodacher Stadtgeschichte. Schriften des Rückertkreis Bad Rodach e.V, Heft 29, Bad Rodach 2005, ISBN 978-3-943009-29-3, S. 43–46
  2. Richard Teufel: Bau- und Kunstdenkmäler im Landkreis Coburg. E. Riemann'sche Hofbuchhandlung, Coburg 1956, S. 62
  3. a b c d e f g h i j k Ortwin Großmann: Grattstadt 1175 Jahre ; 815 – 1990. Coburg 1990.
  4. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 442.
  5. a b Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 679 f.
  6. www.gemeindeverzeichnis.de
  7. a b Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Stadt und Landkreis Coburg. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).