Greizer Landtag

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Der Greizer Landtag war die Legislative des Reuß älterer Linie (Reuß-Greiz).

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den reußischen Fürstentümern bestanden bereits vor dem 19. Jahrhundert Landstände. Diese setzten sich aus den Kurien der Ritterschaft und den Vertretern der Städte zusammen. Eine Vertretung des Klerus war nicht vorgesehen. Die Stände traten planmäßig alle acht Jahre zusammen.

Obwohl Art. 13 der deutschen Bundesakte vorsah, dass in allen Ländern des deutschen Bundes landständische Verfassungen und Landtag eingerichtet werden sollten, war im Fürstentum Reuß-Greiz weder eine Verfassung erlassen noch ein Landtag einberufen worden. Die Fürsten waren anti-konstitutionell eingestellt.

In der Deutschen Revolution 1848/49 gab Fürst Heinrich XX. dem Land zwar freiwillig eine Verfassung, doch kam diese nicht zur Ausführung. Für den Beratungslandtag dieser Zeit siehe Revolution von 1848/1849 in Reuß ältere Linie. Die Umsetzung wurde zunächst verzögert und dann nach dem Sieg der Reaktion gegenstandslos.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erst im Jahr 1866 ergab sich eine neue Machtsituation. Traditionell gegen Preußen und an Österreich orientiert war die Reuß-Greizer Position nach Österreichs Niederlage im Deutschen Krieg eine schwierige. Der Reuß-Greizer Diplomatie gelang es, die Selbstständigkeit des Fürstentums zu bewahren. Jedoch musste Reuß-Greiz 100.000 Taler an Preußen zahlen und dem Norddeutschen Bund beitreten.

Verbunden mit diesem Beitritt war die Notwendigkeit nun auch in Reuß-Greiz eine Verfassung zu erlassen. Diese Verfassung von Reuß-Greiz trat am 28. März 1867, dem Tag der Volljährigkeit und damit des Regierungsantritts von Fürst Heinrich XXII in Kraft.

Im Abschnitt VII (§ 53-86) „von den Landständen“ waren die Regelungen bezüglich des Landtags niedergelegt. Der Landtag bestand aus 12 Mitgliedern, die jeweils einen Stellvertreter hatten. Drei der Mitglieder wurden vom Fürsten ernannt, der Rest in zwei Kurien gewählt. Zwei der Mitglieder wurden von den Ritterguts- und Großgrundbesitzern in direkter Wahl gewählt. 7 Mitglieder wurden von den übrigen Staatsbürgern in indirekter Wahl gewählt. Die Wahldauer betrug 6 Jahre. Alle drei Jahre wurde die Hälfte der Abgeordneten gewählt. Die Abgeordneten erhielten Diäten in Höhe von 2 Taler. Hinzu kamen 15 Silbergroschen, wenn der auswärtige Abgeordnete während der Parlamentsperiode in Greiz einen Wohnsitz nehmen musste. Der Landtagspräsident wurde vom Landtag gewählt. Erster Landtagspräsident wurde Theodor Zopf. Die Kompetenzen des Landtags waren nicht sehr weitreichend. Er verfügte über kein Gesetzesinitiativrecht.

Die ersten Landtagswahlen fanden im Juni/Juli 1867 aufgrund des Wahlgesetzes vom 24. April 1867 statt. Die Landtagseröffnung fand am 6. August 1867 statt.

Parlamentspräsidenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitglieder des ersten konstitutionellen Landtags[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurie Name Ort Vertreter Ort
Vom Fürsten ernannt Konsistorialrat Franz Ludwig Hofmann Greiz Pastor Gottlieb Schwalbe Fröbersgrün
Vom Fürsten ernannt Gerichtsrat Eduard Knoll Greiz Justizrat Carl Zopf Greiz
Vom Fürsten ernannt Kabinettsrat Richard von Geldern-Crispendorf Greiz Kriminalgerichtsassessor Theodor Dietl Greiz
Rittergutsbesitzer Legationsrat Heinrich von Kommerstädt Ober- und Unterschönfeld Gutsbesitzer Carl Friedrich Petzold Schönfeld
Rittergutsbesitzer Rittergutsbesitzer Hugo Wittich Dörflas Gutsbesitzer Franz Ferdinand Hupfer Gottesgrün
Gewählt (Greiz) Kaufmann Richard Leidholdt Greiz Kaufmann Heinrich Schilbach Greiz
Gewählt (Greiz) Theodor Zopf Greiz Fabrikant Ferdinand Büttner Greiz
Gewählt (Zeulenroda) Stadtschreiber, Regierungsadvokat Carl Schmidt (Abgeordneter) Zeulenroda Kaufmann Gustav Birkner Zeulenroda
Gewählt (Landgemeinden) Kaufmann Carl Friedrich Bauch Irchwitz Gutsbesitzer Friedrich Wilhelm Hupfer Gottesgrün
Gewählt (Landgemeinden) Gutsbesitzer Johann Friedrich Strauß Zoghaus Gutsbesitzer Gottfried Heinrich Dietzel Hain
Gewählt (Landgemeinden) Kaufmann Lucian Hempel Greiz Mühlenbesitzer Franz Julius Heller Dölau
Gewählt (Landgemeinden) Justizamtmann Heinrich Weigelt Burgk Amtsschulz Paulus Grimm Zoppoten

Mitglieder des letzten Landtags 1918[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurie Name Ort Vertreter Ort
Vom Fürsten ernannt Kommerzienrat Paul Arnold Greiz Fabrikant Gustav Reißmann Greiz
Vom Fürsten ernannt Rechtsanwalt, Justizrat Franz Brösel Greiz Baumeister Heinrich Hoffmann Greiz
Vom Fürsten ernannt Oberbürgermeister Paul Thomas Greiz Stadtrat Franz Ludwig Zeulenroda
Rittergutsbesitzer Rittergutsbesitzer Artur von Geldern-Crispendorf Reudnitz Gutsbesitzer Hugo Edmund Hupfer Gottesgrün
Rittergutsbesitzer Rittergutsbesitzer Georg von Loeben Frotschau Gutsbesitzer August Hermann Reudnitz
Gewählt (Greiz) Weber Albin Beer Greiz Weber Arno Seidel Greiz
Gewählt (Greiz) Rechtsanwalt William Oberländer Greiz Fabrikant Hermann Reinhold Greiz
Gewählt (Zeulenroda) Erster Bürgermeister Dr. Ernst Jahn Zeulenroda Fabrikbesitzer Rudolf Schopper Zeulenroda
Gewählt (Landgemeinden) Kaufmann Oswald Fischer (SPD) Greiz Lagerhalter Gustav Dillner (SPD) Irchwitz
Gewählt (Landgemeinden) Zigarrenfabrikant Hermann Herzog (SPD) Hohenölsen Weber Paul Jugold (SPD) Pohlitz
Gewählt (Landgemeinden) Geschäftsführer Paul Kiss (SPD) Greiz Gutsbesitzer und Gemeindevorsteher Hermann Fröbisch Schönbrunn
Gewählt (Landgemeinden) Gutsbesitzer und Standesbeamter Ferdinand Orlamünder Zoppothen Gutsbesitzer und Amtsschulz Karl Müller Grochwitz

[1]

Weitere Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch bedingt durch das Wahlrecht waren bis zur Novemberrevolution nur sehr wenige Sozialdemokraten Abgeordneter geworden, obwohl die Sozialdemokratie ausweislich der Reichstagswahlergebniss im Wahlkreis Reuß ä.L. im Lande vielfache Unterstützung erfuhren. Im Mai 1913 wurde durch den Landtag ein neues Wahlgesetz verabschiedet. Nach diesem Gesetz sollte die Zahl der Sitze im Landtag von 12 auf 15 erhöht werden. Mandate sollten die beiden Bürgermeister von Greiz und Zeulenroda qua Amt erhalten. Der dritte Sitz sollte von den Landbürgermeistern durch Wahl bestimmt werden. Aufgrund des Ersten Weltkriegs wurde jedoch nach diesem Wahlrecht nie gewählt.

Nach der Novemberrevolution kam es erstmals und letztmals zu freien Wahlen zum Greizer Landtag. Am 2. Februar 1919 wurden die 15 Sitze im Landtag bei einer Wahlbeteiligung von 74,7 % an folgende Parteien vergeben:

Partei Ergebnis Sitze
USPD 44,51 % 7 Sitze
DDP 22,67 % 4 Sitze
DNVP 16,95 % 2 Sitze
SPD 15,97 % 2 Sitze

Am 4. April 1919 verabschiedete der vereinigte reußische Landtag (also der Greizer Landtag gemeinsam mit dem Landtag Reuß jüngerer Linie) das "Gesetz über die Vereinigung der beiden reußischen Freistaaten zu einem Volksstaat Reuß, sowie über die vorläufige Verfassung und Verwaltung". Damit endete die Geschichte des Greizer Landtags.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Werner Querfeld: Eröffnung und Verlauf des ersten konstitutionellen Landtags von Reuß-Greiß im Jahre 1867; in: Schriften zur Geschichte des Parlamentarismus in Thüringen, Heft 7, ISBN 3-86160-507-4, 996, Seite 178–191
  • HGIS (PDF-Datei; 38 kB)
  • Brockhaus 1837, Stichwort Reuss

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl-Ferdinand Lohe: Die staatsrechtliche Stellung von Landesregierung und Volksvertretung in Reuß ältere Linie und die Austragung von Gegensächlichkeiten zwischen beiden (1867–1918), 1937, S. 215–216