Großer Wall

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Großer Wall
Blickrichtung Nordosten, Großer Wall mit Passagierschiff Moby Dick. Links das Havelsüdufer von Tegelort, rechts die Insel Valentinswerder.
Blickrichtung Nordosten, Großer Wall mit Passagierschiff Moby Dick. Links das Havelsüdufer von Tegelort, rechts die Insel Valentinswerder.
Gewässer Havel
Geographische Lage 52° 33′ 43″ N, 13° 13′ 37″ OKoordinaten: 52° 33′ 43″ N, 13° 13′ 37″ O
Großer Wall (Berlin)
Großer Wall
Länge 90 m
Breite 50 m
Fläche 0,3345 ha
Links das Havelwestufer, ungefähr in der Bildmitte der Große Wall, rechts die erheblich größere Insel Valentinswerder

Der Große Wall (auch: Helgoland)[1] ist eine Flussinsel der Havel in Berlin. Sie gehört zum Ortsteil Hakenfelde des Bezirks Spandau.

Die etwa 3000 m² große Insel hat eine ovale Form mit einer größten Länge von rund 90 und einer größten Breite von rund 45 Meter. Sie liegt südwestlich vor der erheblich größeren Insel Valentinswerder am Rand einer Inselgruppe, die den Tegeler See von der Havel trennt. Süd-östlich von der Insel Großer Wall zweigt der Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal in Richtung Stadtmitte von der Havel ab.

Die unbewohnte und baumbestandene Insel steht unter der Verwaltung des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, dessen Jugendamt hier früher die „Zelterholungsstätte Großer Wall“ betrieb.[2] Das Zeltlager war Teil des Kinder- und Jugenderholungsfreizeitheims „Haus Europa“ am Ufer des Tegeler Sees in Konradshöhe, das seit 1999 in der Trägerschaft des Kreuzberger Stadtteilzentrums „Alte Feuerwache e. V.“ steht.[3]

Die Insel gehörte ursprünglich zur Siedlerkolonie Saatwinkel, die im 18. Jahrhundert am westlichen Rand der Jungfernheide gegründet wurde und heute zum Ortsteil Tegel gehört. Erster Pächter war der Saatwinkler Gastwirt Paul Meyer (1883–1913).[4] Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Große Wall wie auch die stromabwärts gelegene Schwesterinsel Kleiner Wall von der Spandauer Garnison für militärische Übungen genutzt. Das westliche Havelufer war bis zum Nordhafen Spandau Teil des Festungsbereichs des 1873 zur Festungsstadt ausgebauten Spandau und zählte zum 1. Bataillon des 3. Garde-Grenadier-Regiments „Königin Elisabeth“. Zur praxisnahen Erprobung legten Pioniere Pontonbrücken vom Havelufer zum Großen Wall. Die Namensgebung der Inseln geht nach der Darstellung von Klaus-Dieter Wille auf diese Zeit der seit 1903 entfestigten Stadt zurück. So sei ‚Wall‘ hier kein geografischer, sondern ein militärischer Begriff.[5] Die zweite Inselbezeichnung Helgoland geht auf die Zeit zurück, als bei der Insel Sturmfahrten mit einem Kajütkreuzer durchgeführt wurden und die Insel und die umgebenden Gewässer als Seglerparadies galten.[6]

Neben der militärischen hatte die Insel Bedeutung für die Fischereiwirtschaft. Südlich und nördlich des Eilands lagen die Großgarnzüge „Großer Storm“ und „Wederloch“ und am Nordostufer ein Reusefangplatz. Zudem befand sich bei der Insel eines der fünf ehemaligen Wehre der Oberhavel. Noch in den 1970er Jahren gehörte die Inselregion zu den Fangplätzen der Fischersozietät Tiefwerder-Pichelsdorf,[5] einer der einflussreichsten Fischereiorganisationen der Region, die im Land Berlin über 1682 Hektar und im Land Brandenburg über 3847 Hektar Fischereigewässer wacht.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus-Dieter Wille: Zwei Inseln und ein „Mäuseturm“ in der Havel. In: 42 Spaziergänge in Charlottenburg und Spandau. Verlag Bruno Hessling, Berlin 1976, ISBN 3-7769-0152-7, S. 103–107. (Berliner Kaleidoskop. Band 17)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Anglerverein Einigkeit Spandau 1901 e. V., Vereinsgeschichte, siehe Eintrag unter 1932.
  2. Bezirkshaushaltsplan Friedrichshain-Kreuzberg, 2008/2009, S. 14 (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive) (PDF; 5,0 MB)
  3. Alte Feuerwache, Haus Europa
  4. Geschichte von Saatwinkel
  5. a b Klaus-Dieter Wille: Zwei Inseln und …, S. 105 f
  6. Berlin Südwest. Havelinseln und Havelfähren in Berlin und Potsdam.
  7. Fischersozietät Tiefwerder-Pichelsdorf Homepage