Großes Bundesverdienstkreuz (Tatsachenroman)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Tatsachenroman Großes Bundesverdienstkreuz von Bernt Engelmann ist im Spätherbst 1974 erschienen. Es handelt sich um einen aufgrund der Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte historisch wie auch politisch bedeutsamen Roman über den deutschen Unternehmer Fritz Ries. Im Sommer 1974 hatte der Roman einen Dauerplatz auf den deutschen Bestseller-Listen.

Kurzdarstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thematisch geht es um Arisierung, Zwangsarbeit, Versklavung und Korruption, welche als die Basis des wirtschaftlichen Erfolgs von Fritz Ries und anderen Unternehmern in den 1950er Jahren dargestellt werden, dabei wird die Verstrickung hochrangiger Wirtschaftsgrößen und Politiker aufgezeigt.

In dem 236 Seiten umfassenden Buch werden bedeutende Personen aus Wirtschaft und Politik behandelt, darunter Hanns Martin Schleyer, Friedrich Flick, Eberhard Taubert, Franz Josef Strauß, Marianne Strauß, Karl Friedrich Grau und andere. Ferner wird die Wirtschaftsgeschichte der Firmen Flügel & Polter, Pegulan-Werke AG (heute: Tarkett), Badische Plastic-Werke (heute: Samvardhana Motherson Peguform), und ROPLASTA-International Dyna-Plastik-Werk dargestellt.

Der Text von Bernt Engelmann besteht inhaltlich aus einem fiktiven Teil und einem Tatsachenteil. Die literarische wie auch journalistische Berechtigung dieser Darstellungsform erklärt und dokumentiert er in den um 50 Seiten erweiterten späteren Ausgaben in einem Teil 2 mit dem Titel Ein Buch, seine Entstehung und seine Wirkung. Er beschreibt seine Recherchen beim West-Berliner Document Center, beim Münchener Institut für Zeitgeschichte sowie auf schriftlichem Wege bei der Library of Congress in Washington. Die Hauptverwaltung Aufklärung der Stasi (HVA) stellte ferner Archiv-Dokumente über die nationalsozialistische Vergangenheit von Fritz Ries zur Verfügung.[1]

Zahlreiche Dokumente sind in Kopie abgebildet, ebenfalls ist der Prozess dokumentiert, den Ries gegen Engelmann vor der 17. Zivilkammer des Landgerichtes Stuttgart führte – wegen eines einzigen Wortes: Es sei „gröblich unwahr“, dass er sein Vermögen durchweg durch „Arisierung“ jüdischer Firmen erworben habe. Engelmann im Gegenzug erhob Klage gegen Ries, und zwar auf Feststellung der Richtigkeit all jener Punkte, auf die es ihm ankam. Der Prozess fand bei in- und ausländischen Zeitungs-, Rundfunk- und Fernsehberichterstattern so große Beachtung, dass im Gerichtssaal nicht alle von ihnen Platz fanden.

Von den am Ende zweiundvierzig strittigen Tatsachenbehauptungen sahen die Richter vierzig als voll erwiesen an.

Bis Ende 1986 verkaufte sich das Buch bereits über 500.000-mal und fand internationale Beachtung. Die linke Szene griff aufgrund des Wahrheitsbeweises, der vor Gericht geführt wurde, immer wieder auf die Tatsachen zurück und stellte von Ries geförderten Politikern wie Helmut Kohl und Kurt Biedenkopf Fragen.[2] Fragen in dem Zusammenhang wurden auch in Untersuchungsausschüssen zu Ende der Amtszeit von Helmut Kohl gestellt.[3]

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dirk Banse, Michael Behrendt: Stasi führte Bernt Engelmann als IM „Albers“. In: Die Welt, 19. Juni 2004.
  2. (AFP:) Biedenkopf weist Spekulation über Spenden zurück. Staatskanzlei rechtfertigt Engagement für Firma. In: Berliner Zeitung, 21. Januar 2000.
  3. Peter Pragal, Matthias Krupa: Kohl flog auf Kosten des Kirch-Konzerns. CDU erhält Unterlagen über umstrittenes Fraktionskonto. (Memento vom 20. Januar 2007 im Internet Archive) In: Berliner Zeitung, 27. Januar 2000.