Katastrophe von Aberfan

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Haldenzug in Aberfan 1964: Die abgerutschte Halde und die zerstörten Häuser liegen links außerhalb des Bildausschnittes.
Etwas anderer Bildausschnitt 1968: Die freie Fläche zwischen dem Haldenzug in der Bildmitte und dem Bewuchs am linken Rand markiert die Rutschspur.

Die Katastrophe von Aberfan war ein Haldenrutsch am 21. Oktober 1966 im Bergarbeiterdorf Aberfan in Südwales.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zum Unglückszeitpunkt vom staatlichen National Coal Board (NCB) betriebene Zeche Merthyr Vale Colliery nutzte seit rund fünfzig Jahren die Flächen oberhalb des Ortes für die Aufschüttung von Halden. Das Vorhandensein von Quellen an den Kippstellen war (u. a. ausweislich von Eintragungen auf Ordnance-Survey-Karten von 1958) bekannt, wurde aber ignoriert. Am 21. Oktober 1966 rutschten um 9.15 Uhr Teile der Bergehalde den Merthyr-Berg hinab. Die Rutschung wurde durch eine Wasseransammlung verursacht; als eine Massenbewegung auftrat, verflüssigte sich das durchnässte, feine Material einer Abkippstelle und floss den Berg hinab. Der Leiter des NCB, Lord Robens, nannte als Unglücksursache zunächst „natürliche, unbekannte Quellen“.[1]

Dabei zerstörten die Massen zwanzig Häuser, eine Farm, fast die gesamte Pantglas-Grundschule und Teile der benachbarten Mittelschule.

Insgesamt wurden 144 Menschen getötet, davon 116 Kinder.[2]

Prozess[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das National Coal Board wurde wegen „Ignoranz, Inkompetenz und fehlender Kommunikation“ schuldig gesprochen. Die Instabilität der Halde war sowohl der Bergwerksleitung als auch den Arbeitern bekannt, jedoch wurde so gut wie nichts dagegen getan. Das Merthyr Tydfil Borough Council (Gemeinderat) und die National Union of Mineworkers (Bergarbeiter-Gewerkschaft) wurden freigesprochen.

Das NCB wurde zu einer Ausgleichszahlung in Höhe von 500 Pfund pro Kind verurteilt. Erhaltene Spenden wurden darauf angerechnet. Das NCB lehnte eine volle Verantwortlichkeit für die Haldensicherung ab, so dass ein Teil der Spende genutzt wurde, um die restliche Halde zu sichern. Auf Initiative des walisischen Politikers Ron Davies musste das NCB die Summe 1997 zurückzahlen.[2]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thom Parrott schrieb ein Lied über das Unglück.[3]

Sir Karl Jenkins komponierte zum fünfzigsten Jahrestag die Cantata Memoria zum Gedenken an die Opfer.[4]

Epilog[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Merthyr Vale Colliery wurde 1989 geschlossen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Martin Johnes: Corporatism and Regulatory Failure. Government Response to the Aberfan Disaster. Iain McLean; abgerufen am 30. November 2014 (englisch, Soziologieprojekt).
  2. a b 1966: Coal tip buries children in Aberfan. In: BBC – On This Day. Abgerufen am 30. November 2014 (englisch).
  3. Thom Parrott’s song Aberfan (Memento vom 20. Februar 2006 im Internet Archive)
  4. Karl Jenkins. In: www.boosey.com. Abgerufen am 3. August 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Aberfan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Aberfan Disaster
  • Aberfan. 22. Dezember 2011; abgerufen am 30. November 2014 (englisch, detaillierte Beschreibung des Unglücksverlaufes mit Foto der abgerutschten Halde).

Koordinaten: 51° 41′ 41″ N, 3° 20′ 51″ W