Guelb er Richat




Guelb er Richat (arabisch قلب الريشات, DMG Qalb ar-Rīšāt), deutsch auch Richat-Struktur, umschrieben mit Auge Afrikas, Bull’s Eye oder Auge der Sahara, ist ein ringförmiges, kraterähnliches geomorphologisches Gebilde in der Region Adrar im nördlichen Zentrum Mauretaniens. Guelb (arabisch قلب, DMG Qalb) bedeutet im Hocharabischen „Herz“, in geologischen und geographischen Quellen wird das Wort jedoch mit der Bedeutung „Inselberg“ interpretiert. Da die Struktur aus dem Weltall besonders auffällig zu sehen ist, wurde sie bei Shuttle-Missionen von Astronauten als Landmarke zur Orientierung benutzt.[1]
Geographische Lage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Zentrum der Ringstruktur von Guelb er Richat liegt auf 485 m Meereshöhe im Nordwesten des Départements Ouadane (Region Adrar) und ist eingebettet in eine längliche und steinige vegetationsarme Teilfläche des Adrar-Plateaus, die zwischen der bis zu 300 m hohen steilen Abbruchkante des Plateaus im Nordwesten und Norden und dem Sandmeer des Erg Ouarane im Südosten und Süden liegt. Über dem Adrar-Steilabbruch nordwestlich der Ringstruktur erreicht das Plateau über 610 m Meereshöhe.
Die Ringstruktur hat einen Durchmesser von 45 Kilometern. Sie ist in das umgebende Plateau eingetieft; dessen Höhe nimmt von Norden nach Süden ab, von etwa 500 m auf 400 m Meereshöhe. Die konzentrischen Ringwälle sind in nur wenige Meter hoch und bestehen aus Sedimentgestein unterschiedlicher Schichtungen. Das Zentrum der Ringe hat etwa sieben Kilometer Durchmesser und liegt durchweg auf über 400 m Meereshöhe. Im Zentrum verstreut liegen einzelne Gipfel, deren Höhe mehrmals mit 445 m und in einem Fall mit 485 m angegeben ist. Die eingetiefte Außenzone der Ringe liegt auf etwa 370 m Meereshöhe und weist Fließspuren von Wadis auf, die in der Regenzeit die Starkregenfälle von der umgebende Hochfläche im Norden ableiten und die Ringzone nach Südwesten in Richtung der etwa 31 Kilometer vom Zentrum der Ringe entfernten Oasenstadt Ouadane verlassen.
Interpretationen zur Entstehung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ursprünglich wurde die Struktur als Meteoritenkrater interpretiert, was aber wegen fehlender Impaktgesteine nicht allgemein unterstützt wird. Der Sahara-Forscher Théodore Monod[2] veröffentlichte 1954 eine Schrift, in der er fünf derartige Krater in Mauretanien beschrieb und bei vieren einschließlich des Richat die gängige Auffassung unterstützte, es könne sich um eine vulkanische Explosion auf der Erde handeln, nur beim fünften wollte er die Einwirkung eines Meteoriten nicht ausschließen.[3] Der Geophysiker Robert S. Dietz schloss 1969 einen Meteoriteneinschlag aus.[4]
Die Entstehung dieser kreisförmigen Struktur ist nicht restlos geklärt, eine neuere Studie geht davon aus, dass die Struktur durch die Erosion einer Domstruktur entstand. Diese wiederum sei durch magmatische Intrusionen aufgewölbt worden, durch die dabei entstandenen Schwächezonen seien hydrothermale Fluide eingedrungen, die eine Verkarstung und Silifizierung des Materials verursacht hätten.[5] Aeromagnetische und gravimetrische Vermessungen der Struktur unter der Oberfläche unterstützen diese Hypothese. Aufgrund von ringförmigen Verwerfungen seien gabbroische Ring-Dykes über einem großen intrusiven Magmakörper entstanden, bei der Erosion des Doms seien abwechselnd harte und weiche Gesteinsschichten erodiert worden.[6]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Artikel in Der Spiegel
- NASA Earth Observatory: NASA Earth Observatory page (englisch)
- Earth's Richat Structure – Astronomy Picture of the Day vom 28. Oktober 2002 (englisch).
- Annual Meteoritical Society Meeting (2001) (PDF, englisch; 83 kB)
- ens.ch Foto vom Zentrum. März 2009
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Richat-Struktur auf www.mineralienatlas.de, abgerufen am 17. Dezember 2025
- ↑ Théodore Monod, Souvenirs sahariens d'un vieux géologue amateur, COFRHIGEO 1986, Webseite der Annales des Mines
- ↑ U.B. Marvin: Théodore André Monod and the lost 'Fer de Dieu' meteorite of Chinguetti, Mauritania. In: Patrick N. Wyse Jackson (Hrsg.): Four Centuries of Geological Travel: The Search for Knowledge on Foot, Bicycle, Sledge and Camel. (Geological Society Special Publication) Geological Society, 2007, S. 201 (bei Google Books)
- ↑ Robert S. Dietz, Robert Fudali, William Cassidy: Richat and Semsiyat Domes (Mauritania): Not Astroblemes. In: Geological Society of America Bulletin. Band 80, Nr. 7, 1969, ISSN 0016-7606, S. 1367, doi:10.1130/0016-7606(1969)80[1367:RASDMN]2.0.CO;2 (geoscienceworld.org [abgerufen am 8. Dezember 2023]).
- ↑ Guillaume Matton, Michel Jébrak, James K.W. Lee: Resolving the Richat enigma: Doming and hydrothermal karstification above an alkaline complex. In: Geology, August 2005 (Geological Society of America), Vol. 33, Nr. 8, S. 665–668.
- ↑ El Houssein Abdeina, Sara Bazin, Gilles Chazot, Hervé Bertrand, Bernard Le Gall, Nasrrddine Youbi, Mohamed Salem Sabar, Mohamed Khalil Bensalah, Moulay Ahmed Boumehdi: Geophysical modelling of the deep structure of the Richat magmatic intrusion (northern Mauritania): insights into its kinematics of emplacement. In: Arabian Journal of Geosciences. Band 14, Nr. 22, 3. November 2021, ISSN 1866-7538, S. 2315, doi:10.1007/s12517-021-08734-4.
Koordinaten: 21° 8′ N, 11° 24′ W