Gustave Léon Pastor

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Gustave Léon Pastor (* 10. Oktober 1832 in Lüttich; † 2. September 1922 in Jemeppe-sur-Meuse bei Seraing) war ein deutsch-belgischer Hütteningenieur und Industrieller.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sohn des Kammgarnfabrikanten und späteren Generaldirektors der S. A. Cockerill in Seraing, Konrad Gustav Pastor (1796–1890), wurde nach seinem Studium der Eisenhüttenkunde im Jahr 1854 bei seinem Vater in den Cockerill-Werken eingestellt, wo er wenige Jahre später unter seinem jüngeren Bruder George Oktave Pastor (1835–1915), der dem Vater 1865 in seiner Position als Generaldirektor gefolgt war, zum Betriebsdirektor befördert wurde. Im Jahre 1871 verließen beide Brüder zugleich die S. A. Cockerill und während George Oktave als Technischer Direktor in die von Barthold Suermondt gegründeten Rheinischen Stahlwerke in Duisburg-Meiderich einstieg, wagte Gustav Léon den Weg in die Selbstständigkeit und begründete mit F. de Rossius das Stahlwerk „Rossius, Pastor & Co“ in Angleur bei Lüttich, welches er gleichzeitig auch leitete und im Jahr 1878 in die „S. A. Acières d’Angleur“ überführte.

Nach dieser Transaktion folgte Gustave Léon dem Ruf seines Bruders George Oktave nach Duisburg-Meiderich und übernahm als dessen Nachfolger die technische Leitung der Rheinischen Stahlwerke. Bereits ein Jahr später gelang es Pastor sowohl für die Stahlwerke als auch für den Hörder Bergwerks- und Hütten-Verein, welche bisher beide nach dem Bessemer-Verfahren arbeiteten, als Erste auf deutschen Zollgebiet eine Lizenz von Sidney Gilchrist Thomas für das neue Thomas-Verfahren zu erwerben. Diese Innovation aber auch die Verteilung von Unterlizenzen führte während der Laufzeit des Patentschutzes in den nächsten 15 Jahren zu einer rasanten Unternehmenssteigerung. Dafür wurden die Rheinischen Stahlwerke auf der Rheinisch-Westfälischen Industrie- und Gewerbeausstellung im Jahre 1880 in Düsseldorf mit der silbernen Staatsmedaille geehrt.

Im Jahr 1884 ergänzte Pastor sein Werk noch durch die Inbetriebnahme eines Siemens-Martin-Werkes, welches die bisherigen Puddel- und Tiegelofenverfahren ablösten. Darüber hinaus erweiterte er seine Produktpalette auf Profileisen für die Bauwirtschaft und den Schiffbau und ließ in den Jahren 1889/90 noch zwei Hochöfen in Meiderich errichten, um damit auch den Preisabsprachen des Hochofenkartells gegenzusteuern.

Mit dieser letzten Innovation stieg Pastor aus dem operativem Geschäft aus und zog sich wieder in seine belgische Heimat nach Jemeppe-sur-Meuse zurück. Dennoch nahm er von 1896 bis 1911 noch eine Wahl in den Aufsichtsrat der Rheinischen Stahlwerke an und war darüber hinaus Berater für verschiedene Werke im belgischen Andenne und in Marpent im französischen Kanton Maubeuge-Nord.

Zusammen mit seiner Frau Charlotte Reine Agnes, geborene Robert (* 1823) war Pastor in seinem Wohnort Jemeppe darüber hinaus in mehreren Bereichen karitativ tätig.

Literatur und Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Friedrich Macco: Beiträge zur Genealogie rheinischen Adels- und Patrizierfamilien, Bd. IV: Geschichte und Genealogie der Familie Pastor, 1905
  • Hermann Friedrich Macco: Stahl u. Eisen 42, 1922, S. 1863;
  • C.-F. Baumann: Gustave Léon Pastor, Technischer Reorganisator der Rheinischen Stahlwerke, in: Niederrheinkammer 43, 1987, S. 306;
  • ders., in: W. Burkhard (Hg.), Niederrheinische Unternehmer, 1990, S. 54 f.;
  • Manfred Rasch: Pastor, Gustave Léon. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 20, Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-00201-6, S. 94 (Digitalisat).