Hans-Georg Mehlhorn

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Hans-Georg Mehlhorn (* 22. Juni 1940 in Gera; † 17. November 2011 in St. Gallen[1]) war ein deutscher Kreativitätspädagoge, ehemaliger Hochschulprofessor in Leipzig und Gründer von zahlreichen schulischen Projekten nicht nur im Feld der Hochbegabtenförderung.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur 1959 studierte Mehlhorn 1961 bis 1965 Pädagogik in den Fachbereichen Geschichte und Germanistik an der Universität Leipzig. Anschließend war er Assistent in der Geschichtsmethodik an der Karl-Marx-Universität in Leipzig und promovierte in dieser Zeit am Lehrstuhl Methodik des Geschichtsunterrichts am Institut für Pädagogik.

Von 1970 bis 1985 war Mehlhorn Mitarbeiter und Institutssekretär am Zentralinstitut für Jugendforschung Leipzig. Ab Mitte der 1970er Jahre folgte der Aufbau der Abteilung Jugend und Bildung, deren Leiter er wurde. 1975 konnte er zusammen mit Gerlinde Mehlhorn zum Doktor scientiae paed. an der Humboldt-Universität zu Berlin (HUB) promovieren. Es folgten umfangreiche Forschungen zum Thema Hochbegabung unter Jugendlichen.

1982 erhielt Mehlhorn eine Honorardozentur am Lehrstuhl Pädagogische Psychologie der HUB bei Hans-Friedrich Rosenfeld.

1985 wurde Mehlhorn Ordentlicher Professor für Pädagogische Psychologie mit Lehrstuhl an der Hochschule für Musik in Leipzig.

Leistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1966 veröffentlichte er Biografien bedeutender deutscher Humanisten und wirkte an der Erstellung von Unterrichtshilfen zum Thema Reformation und Bauernkriege für die Klassenstufe 6 mit.

Allein 1991 gründete Mehlhorn sechs Projekte:

  • das Leipziger Kreativitätszentrum als Bildungs- und Forschungsinstitut
  • Verlagsbuchhandlung und Agentur Prof. Dr. Hans-Georg Mehlhorn e.K.[2]
  • den Landesverband Sachsen der "Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind"
  • (mit K. Rudolf) die "Deutsche Gesellschaft für Ost- und Südosteuropa"
  • den Landesverband Sachsen der "Deutsch-Südafrikanischen Gesellschaft"
  • das "Bildungs- und Forschungsinstitut Prof. Dr. Hans-Georg Mehlhorn" als Leipziger Kreativitätszentrum, eine freiberufliche Einrichtung[3]. Ziel der Lehrtätigkeit war der Aufbau einer Erzieher- und Lehrerweiterbildung nach den Erkenntnissen der empirischen Forschungen seit 1987.

1992 folgte die Gründung der ersten Kreativitätsschule als Ergänzungsschule im Freizeitbereich in Leipzig in Trägerschaft der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind (ab 1994 in Trägerschaft des BIP Kreativitätszentrums Leipzig gGmbH).

1993 schied Mehlhorn freiwillig aus der Universität aus und gründete das BIP Kreativitätszentrum Leipzig bH (BIP steht für Begabung-Intelligenz-Persönlichkeit)[4]

Ab 1997 wurde die erste BIP Kreativitätsgrundschule mit Hort (BIP Mehlhornschule) gegründet.[5] BIP Kinderkrippen, BIP Kindergärten und zwei BIP Kreativitätsgymnasien folgten. Entsprechende Einrichtungen befinden sich inzwischen in Leipzig, Dresden, Gera, Chemnitz, Berlin und Neubrandenburg. An diesen Einrichtungen sind mehr als 500 Lehrer und Erzieher beschäftigt.

2002 gründete Hans-Georg Mehlhorn die Mehlhorn-Stiftung. Sie führte ab 2004 die Aufgaben seines Bildungs- und Forschungsinstituts weiter. Seit 2008 werden die entsprechenden Aktivitäten in der neu gegründeten Akademie für Kreativitätspädagogik Leipzig fortgeführt. Die Akademie für Kreativitätspädagogik erhielt 2009 die Genehmigung zur Ausbildung von Sozialassistenten an einer Berufsfachschule und von Erziehern durch die Neugründung einer Fachschule für Sozialpädagogik; die Ausbildung von Erziehern an der Fachschule begann 2010.

2010 gründete Mehlhorn gemeinsam mit Janine Luther die Bildungsagentur der Mehlhornschulen, deren Schwerpunkt auf der konzeptionellen Weiterentwicklung und Fundierung des Kreativitätskonzepts, der Evaluation der Qualitätsstandards bundesweit an allen BIP Kreativitätseinrichtungen sowie weiterhin auf der Initiierung neuer Einrichtungen liegt.

Kreativitätsforschung in der DDR

Schwerpunkt der Arbeit von Hans-Georg Mehlhorn war die Intelligenz- und Hochbegabtenforschung sowie Kreativitätsforschung. Während der Zeit am Zentralinstitut für Jugendforschung Leipzig erfolgten Forschungen zu den jeweils hochbegabtesten und leistungsfähigsten Persönlichkeiten unter Schülern, Lehrlingen, Studenten, jungen Ingenieuren, Wissenschaftlern sowie DDR-besten Erfindern und es wurden Einzelinterviews mit Spitzenwissenschaftlern durchgeführt. Dazu gehörten als Gruppen Klassen mit erweitertem Russisch-Unterricht ab Klasse 3, Schüler von Spezialklassen und Spezialschulen auf unterschiedlichen Gebieten, Mathematikolympioniken[6], Gewinnern von Leistungsschauen und Olympiaden. Nach umfassender Validierung der Ergebnisse erfolgten ab 1980 vorrangig Schlussfolgerungen für ein künftiges neues Bildungssystem. Dazu wurde von möglichen Verallgemeinerungen der Entwicklungsbedingungen der weltweit leistungsfähigsten Persönlichkeiten ausgegangen und nach Möglichkeiten der Übertragung auf alle Heranwachsenden auf allen Bildungsstufen sowie nach der Veränderung des Vermittlungsprozesses und der Vermittlungsinhalte für pädagogisch tätige Kräfte einschließlich der Eltern gefragt. 1987 und 1988 konnten begabungs- und kreativitätsfördernde Projekte von Kindern außerhalb des Einflussbereichs der Volksbildung durchgeführt werden. 1988 begann das empirische Projekt mit gezielter mehrmalig wöchentlicher Intervention in je vier Leipziger Versuchs- und Kontrollkindergärten. Es wurde bis 1993, dem Ende des vierten Schuljahres dieser Kinder, fortgeführt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Leipziger Volkszeitung vom 26./27. November 2011
  2. (Buchhandlung ohne verfügbare Website)
  3. ohne verfügbare Website
  4. [1]
  5. [2]
  6. Volkmar Weiss und Hans-Georg Mehlhorn: Der Hauptgenlocus der Allgemeinen Intelligenz: Diskrete und ganzzahlige Unterschiede in der zentralen Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit. Biologisches Zentralblatt 99 (1980) S. 297-310