Hans-Joachim Bauer (Künstler)

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Hans-Joachim Bauer

Hans-Joachim Bauer (* 19. Juni 1942 in Homberg (Efze)) ist ein deutscher Landart-Künstler; er lebt und arbeitet in Homberg/Efze im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis.

Gestaltungskonzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans-Joachim Bauer beschäftigt sich seit 1993 mit Landart und Ars Natura-Projekten. In seinen Projekten im In- und Ausland geht es um die Visualisierung zivilisatorischer Prozesse. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit erwächst aus der persönlich gelebten Spannung zwischen Euphorie und Schuldbewusstsein in Bezug auf die Aneignung der Natur durch den Menschen. Aneignung versteht Bauer im dialektischen Sinne als Gestaltung der menschlichen Lebensbedingungen. Als These definiert er die Natur, als Antithese die Zivilisation und als Synthese die Flucht von der Erde und das Überleben im Weltall.

Die Aneignung von Zeit, Raum, Erkenntnis und Herrschaft wird in die Natur zurück projiziert, in eine Natur als Bestandteil des „globalen Innenraumes“, wie Thomas Assheuer in der Zeit schrieb.[1] Als Gestaltungselemente verwendet Bauer Naturmaterialien (Erde, Wasser/Eis, Feuer/Licht, Luft), Pflanzen, Tiere, Menschen, grafische Elemente, Schrift und Teile der Infrastruktur (Straßen). Als Werkzeuge dienen ihm GPS-Vermessungstechnik, einfache Vermessungsinstrumente und landwirtschaftliche Maschinen, wie Traktoren.

Manche Werke beziehen sich auf die Idee der sozialen Plastik von Joseph Beuys.

Projekte (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • HASENJAGD, 1998, Deutschland, Aneignung von Raum, als Projektionsfläche dienten ein Weizenfeld und die Autobahn A 7 bei Malsfeld, die Silhouette eines Hasen wurde ausgeschnitten (Länge 300 m) aus einem Korn- und einem Rapsfeld mithilfe eines Traktors
  • WASSER-www, 2002, Ägypten, Aneignung von Zeit, die Performance wurde in der Libyschen Wüste in der Nähe von Kairo realisiert, Akteure waren Lehrer und Schüler der Deutschen Schule in Kairo
  • DER AUSFLUG VON HERRN STEFANSSON UND SEINER GELIEBTEN AUF DEN GLETSCHER VATNAJÖKUL, 2004, Island, Aneignung von Erkenntnis, eine farbliche Projektion auf dem Gletschereis mit Hilfe von Schablonen in Form von Füßen
  • PSEUDOMONAS SYRINGAE ice-minus, 2007, Chile, Aneignung von Herrschaft, am Rand des Gletschersees des Gletschers Serrano / Patagonien wurde das Ensemble aus Eis kleinen Steinen mit den Händen geformt
  • TITANIC - EIN MYTHOS TAUCHT AUF, 2008, Deutschland, Homberg/Efze, Aneignung von Herrschaft, das Oberdeck des Ozeanriesen taucht im Maßstab 1 : 1 auf einem Weizenfeld auf.
  • POLSKA, earthwork, 2009, in Malwa, Polen mit einem Bagger realisiert. Stellt in Form eines 25 Meter langen Erdaushubs Höhen und Tiefen der polnischen Geschichte dar.
  • CONFERENCIA DE CLIMA, 2010, in Chile, Projekt auf dem See des Gletschers Serrano / Patagonien. Ein schwimmender Eisberg (etwa 5 × 3 × 2 Meter sichtbare Eismasse oberhalb des Wasserpegels), der auf dem See trieb, wurde mittels im Eis befestigter Seile von einem Motorboot zur Gletscherkante zurückgezogen.[2]
  • DER WEG ZUM ORAKEL, 2010, in der Sahara/Tunesien. Auf dem Wüstenboden wurden die Koordinaten der heiligen Straße des Orakels von Delphi/Griechenland mittels eines GPS-Empfängers geortet und auf einem Foto dargestellt.

Literatur und Dokumentarfilme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Joachim Bauer: Die Bleiarche - Nochzeit für Rettung. Galerie-Verlag, Amöneburg 1988, ISBN 3-92-4406-21-9
  • Bernd Heintze: Blick aus den Wolken. Augsburg 1998
  • Eduard Kopp: Ein Gott wie tausend Blumen. In: Allgemeines Deutsches Sonntagsblatt. 16. September 1994, zum Projekt „Gott“
  • Heinz Rohde: Kunst, die durch den Magen ging. In: Hessisch-Niedersächsische Allgemeine., Kassel, 25. Mai 2001, zum Projekt „Hirnweide“
  • Michael Aschenbrenner: Über Berich. Dokumentarfilm anlässlich der Kunstaktion Die Blaue Kirche, die Umrisse der im Edersee versunkenen Kirche von Berich wurden im Januar 1997 mit blauer Farbe auf das Eis projiziert, 30 Min., gezeigt im hr
  • Sandrino Sandinista Sander: Das Auge des Cipatli. Dokumentarfilm zur Kunstreise von vier nordhessischen Künstlern nach Mexiko, 1997, 90 Min., gezeigt in alternativen Kinos
  • Künstlerporträt im hr-TV, August 2005, anlässlich des Projektes Erdlied in Homberg/Mardorf
  • Klaus Bölling / Ralph-Michael Krum: Bildband zum Hessentag 2008
  • Live-Interview „Im Gespräch“, Deutschlandradio Berlin, 8. April 2003, Moderation: Peter Claus
  • Angela Jeffs: 'Land art' drives home message on environment. Japan Times, 4. Januar 2006
  • Bilderbuch Deutschland. ARD, 2000, Künstlerfeature anlässlich des Projekts „Sulamith“, Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, die Konzentrationslager als Thema eines Landart-Werkes
  • Michael Olbrich-Majer: Landschaft als Medium, in: "Lebendige Erde", (Zeitschrift), Ausgabe 4/2007
  • Katalog: 33. Interdisziplinäre Künstlerbegegnungen "Unter uns", Malwa (Polen), 2009/2010
  • Orietta Santa Maria: La loca idea del aleman que quiere remolcar con cuerdas un tempano (Die verrückte Idee eines Deutschen, der einen Eisberg zum Gletscher zurückziehen will.) In: Las Ultimas Noticias, 25. Februar 2010, Santiago de Chile
  • Claudia Brandau: Don Quichotte und das Eis. In: Hessisch-Niedersächsische Allgemeine., Kassel, 20. März 2010
  • Harald Kimpel: Hans-Joachim Bauer - Land Art Projekte 1994 - 2012, Eine Arbeitsbiografie, Marburg 2013, Jonas Verlag, ISBN 978-3-89445-476-0

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellenangaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Zeit: Deshalb ist es sinnlos von "natürlicher" Natur zu sprechen; sie existiert nicht mehr. Die Natur bildet nicht mehr die Außenwelt der Zivilisation, sondern ist Bestandteil ihres globalen Innenraumes - Teil einer großen Gesellschaftshöhle, aus der es nur noch einen Notausgang gibt: das Weltall. 17. Dezember 2008
  2. Lori Waxman, Kunstkritikerin aus Chicago, hat auf der dOCUMENTA 13 in Kassel am 21. Juli 2012 diese Aktion öffentlich besprochen.