Hans J. Zimmer

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Hans J. Zimmer (* 1917; † 1963 in Falkenstein) war ein deutscher Ingenieur, Erfinder, Unternehmer und Gründer der Hans J. Zimmer Apparatebau Offenbach, der späteren Zimmer AG Frankfurt am Main.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der deutsche Ingenieur Hans Joachim Zimmer erkannte schon vor Kriegsende die große Zukunft der Synthesefasern und baute bereits 1949 seinen ersten elektrisch beheizten Schmelzeinsatz, der in Spinnsystemen für Polyamid-Fasern Verwendung fand. Zunächst in Offenbach,[1][2] entwickelte er die erste Elektroheizung „Sternschmelzer“ für die neue Kunstfaserindustrie: Spinndüsen ersetzten die bisherigen konventionellen Heizungswartungsanforderungen mit Biphenyl-Schmelzefiltern. Diese Sternschmelzer wurden rasch zur Haupteinnahmequelle. Die Spinndüsen von Hans J. Zimmer werden heute im Deutschen Museum München ausgestellt.

Blick auf einen Teil des ehemaligen Firmengeländes der Hans J. Zimmer AG

Durch seine Innovationskraft wuchs das Unternehmen und entwickelte sich durch viele Projekte weiter, wie Abgasentgiftung, Meerwasserentsalzung und Nichtphosphat-Waschmittelprodukte. Die Zimmer AG entwickelte sich so zum weltweit führenden Chemiefaser- und Polymer-Engineering-Unternehmen.

Bald zog Hans J. Zimmer nach Frankfurt-Seckbach. Im Jahr 1956 etablierte er mit Romania ein Geschäft, das den Beginn der Globalisierung Zimmers darstellte. Bis 1960 hatte er weltweit 327 Patente. 90 Prozent des Umsatzes kamen aus dem Export. Dies erforderte einen hohen Kapitalbedarf. 1960 fand Hans J. Zimmer in dem britischen Maschinenbau- und Rüstungskonzern Vickers London einen Investor, der sich mit 3 Millionen Mark an der Hans J. Zimmer AG beteiligte. Nachdem 1963 Hans Joachim Zimmer beim morgendlichen Waldlauf in Königstein plötzlich verstarb, übernahm Vickers 1965 alle Anteile der Hans J. Zimmer AG vom Nachlassverwalter und der Familie Zimmer einschließlich der zahlreichen Tochtergesellschaften, wie der Elomatic Elektroindustrie GmbH und des Zimmer Apparatebaus GmbH.[3]

1991 übernahm der Großanlagenbauer Lurgi, der vormals eine Gründung der Metallgesellschaft war, die Zimmer AG vom britischen Maschinen- und Anlagenbauer Davy McKee Ltd., Sheffield. Dieser 1881 von Wilhelm Merton gegründete Konzern übernahm 1999 die Mehrheit an dem 1920 in Bochum gegründeten Anlagebauer GEA (Gesellschaft für Entstaubungsanlagen). Nach verschiedenen Restrukturierungen firmierte der Konzern sich in GEA Group zunächst mit Sitz in Bochum, seit 2011 Düsseldorf, um. Seit 2007 gehört die Lurgi/Zimmer-Gruppe zur französischen Air Liquide Gruppe. Zum 1. Januar 2015 wurde das ursprünglich auf der Zimmer AG basierende Geschäft mit Polymertechnologien für Polyamid- und Polyesteranlagen, welche zuvor in die Technip Zimmer GmbH ausgegliedert wurden, vom französischen Engineering Konzern Technip, heute TechnipFMC, übernommen.[4] Das 18 Gebäude umfassende, 26.000 m² große Firmengelände der ehemaligen Hans J. Zimmer AG zwischen Borsigallee, Gwinnerstraße und Mergenthalerstraße in Frankfurt am Main blieb im Eigentum der GEA Real Estate, die das Gelände komplett räumen ließ.[5]

Seit Ende 2019 baut die Iron Mountain auf dem Gelände ihr erstes Rechenzentrum in Deutschland.[6]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans Joachim Zimmer ist der Vater des Filmkomponisten Hans Zimmer.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gründung der Hans J. Zimmer Apparatebau Offenbach am Main 1950 (Memento vom 16. März 2017 im Internet Archive)
  2. Der Unternehmer Hans J. Zimmer (1917–1963). dokumentartikel.com.
  3. Der neue Hans J. Zimmer AG Konzern. zeit.de.
  4. Technip: Anlagenbauer erwirbt Polymertechnologien. Abgerufen am 6. März 2018.
  5. Räumung des ehemaligen Hans J. Zimmer AG-Firmengeländes. fnp.de.
  6. Iron Mountain plant sein erstes Rechenzentrum in Frankfurt. In: Immobilien Zeitung. 28. April 2020 (immobilien-zeitung.de).
  7. Sohn Hans Zimmer-Hollywood-Komponist. zeit.de.