Hapalorchis

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Hapalorchis
Illustration von Hapalorchis lineata fig. III

Illustration von Hapalorchis lineata
fig. III

Systematik
Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Orchideen (Orchidaceae)
Unterfamilie: Orchidoideae
Tribus: Cranichideae
Untertribus: Spiranthinae
Gattung: Hapalorchis
Wissenschaftlicher Name
Hapalorchis
Schltr.

Hapalorchis ist eine Gattung aus der Familie der Orchideen (Orchidaceae), die 13 Arten enthält. Sie sind im tropischen Amerika verbreitet.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hapalorchis-Arten sind terrestrisch, seltener epiphytisch wachsende, kleine, krautige Pflanzen. Die Wurzeln stehen büschelweise oder etwas an einem kriechenden Rhizom verteilt, sie sind knollig verdickt, fleischig und behaart. Die Blätter stehen an der Basis des Sprosses zu einer lockeren Rosette gehäuft. Sie sind deutlich gestielt, der Blattgrund umfasst den Spross. Die Blattspreite ist oval bis leicht herzförmig, sie endet spitz.

Der endständige Blütenstand ist schlank, wenigblütig und einseitswendig. Nur im oberen Bereich ist er etwas behaart. Er wird teilweise von röhrenförmigen Hochblättern umhüllt. Die Blüten sind klein, zart, weiß oder grünlich gefärbt. Sie sind resupiniert, mehr oder weniger röhrenförmig und waagrecht abstehend. Der Fruchtknoten ist sitzend bis sehr kurz gestielt, er weist nach oben. Die Sepalen sind einander gleich geformt, nicht miteinander verwachsen, etwa parallel zueinander, nur leicht auseinander klaffend. Die seitlichen Sepalen sind spatelförmig, an der Basis asymmetrisch und etwas ausgebeult, sie bilden zusammen mit der Lippe eine rundliche Vertiefung (Mentum). Die Petalen liegen dem dorsalen Sepal an und haften mit dem Rand fest an diesem. Die Lippe ist am Grund nicht verschmälert, mit konkaver, undeutlich zweiteiliger Basis, dort ist der Rand zu zwei Nektardrüsen verdickt, aber nicht geöhrt. Die Spreite der Lippe ist rinnig mit abgesetztem, nach unten geschlagenen Endlappen. Die Säule ist schlank und keulenförmig, behaart, an der Basis etwas über die Ansatzstelle am Fruchtknoten hinaus verlängert (Säulenfuß). Die Narbe besteht aus einer Fläche, diese ist halbkreisförmig oder angedeutet dreieckig. Das Staubblatt wird zu einem großen Teil von einem trichterförmigen Gewebe der Säule umhüllt (Klinandrium). Es ist oval, mit herzförmiger Basis und vorne zugespitzt. Die Pollinien sind keulenförmig mit ovaler bis rundlich-lanzettlicher Klebscheibe (Viscidium). Das Trenngewebe zwischen Staubblatt und Narbe (Rostellum) ist fast gerade, länglich dreieckig bis zungenförmig, biegsam, an der Spitze nach Entfernen des Viscidiums eingekerbt.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hapalorchis ist in Mittelamerika, der Karibik, in den Anden Südamerikas sowie entlang der brasilianischen Ostküste verbreitet. Es werden Höhenlagen von Meereshöhe bis etwa 2400 Meter Höhe besiedelt. Die Standorte liegen meist im Schatten feuchter Wälder.

Systematik und botanische Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hapalorchis wird innerhalb der Tribus Cranichideae in die Subtribus Spiranthinae eingeordnet. Die Gattung wurde von Rudolf Schlechter 1919 aufgestellt. Der Name leitet sich vom griechischen ἁπαλός hapalos, „zart, weich“, ab und bezieht sich auf das generelle Erscheinungsbild der Pflanzen. Als Typusart wählte er Hapalorchis cheirostyloides, als zweite Art beschrieb er Hapalorchis tenuis (beide Arten werden inzwischen als Synonym zu Hapalorchis lineatus angesehen). Weitere Arten beschrieb Schlechter 1920.[1]

Die Gattung Hapalorchis wurde von einigen Autoren als sehr ähnlich zu Cyclopogon beschrieben, die tatsächlichen Verwandtschaftsverhältnisse sind aber unklar.

Die Arten der Gattung Hapalorchis:[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Informationen dieses Artikels stammen überwiegend aus:

  • Leslie A. Garay: 225 (1). Orchidaceae (Cypripedioideae, Orchidoideae and Neottioideae). In: Gunnar Harling, Benkt Sparre (Hrsg.): Flora of Ecuador. Band 9, 1978, ISSN 0347-8742, S. 245–246.
  • Leslie A. Garay: A generic revision of the Spiranthinae. In: Botanical Museum Leaflets of Harvard University. Band 28, Nr. 4, 1982, S. 326.
  • Alec M. Pridgeon, Phillip Cribb, Mark W. Chase, Finn Rasmussen (Hrsg.): Genera Orchidacearum. Orchidoideae (Part 2). Vanilloideae. Band 3/2. Oxford University Press, New York und Oxford 2003, ISBN 0-19-850711-9, S. 210–212.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rudolf Schlechter: Versuch einer systematischen Neuordnung der Spiranthinae. In: Beihefte zum Botanischen Centralblatt. Band 37, 2, Heft 3, 1920, S. 362 (csic.es [PDF]).
  2. a b c d e f g h i j k l m Rafaël Govaerts (Hrsg.): Hapalorchis. In: World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) – The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew, abgerufen am 12. Juli 2018.

Weiterführendes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hapalorchis – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien