Harald Bergsdorf

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Harald Bergsdorf (* 1966 in Bonn) ist ein deutscher Politikwissenschaftler mit Schwerpunkt Extremismusforschung.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Harald Bergsdorf ist der Sohn des Politikwissenschaftlers Wolfgang Bergsdorf.[1]

Er studierte von 1988 bis 1992 Politikwissenschaft, Neuere Geschichte und Romanistik/Italianistik an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und 1993 mit einem DAAD-Stipendium an der Sorbonne in Paris. Von 1994 bis 1998 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. 2000 wurde er bei Wolfgang Jäger an der Universität Freiburg im Breisgau mit der politikwissenschaftlichen Dissertation Ungleiche Geschwister. Die deutschen Republikaner (REP) im Vergleich zur französischen Front National (FN) zum Dr. phil. promoviert.

Bergsdorf, Mitglied der CDU,[2] war bis 2005 Referent im Thüringer Innenministerium in Erfurt und danach Grundsatzreferent der CDU-Fraktion im Landtag von NRW in Düsseldorf. Im Anschluss war er bis 2011 Leiter der „Landeskoordinierungsstelle gegen Rechtsextremismus“ in der Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf.[3]

Daneben war er Lehrbeauftragter für Politikwissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena (2005) und der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn (2007).[4] Seine Publikationen beschäftigen sich schwerpunktmäßig mit rechts- und linksextremen Parteien. Er veröffentlichte mehrere Bücher (u.a. eines mit Rudolf van Hüllen), Beiträge und Aufsätze u.a. in der Zeitschrift für Politik, in der Zeitschrift für Parlamentsfragen, in der Zeitschrift Totalitarismus und Demokratie und im Jahrbuch Extremismus & Demokratie.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Astrid Geisler bemerkte zum Werk Die neue NPD. Antidemokraten im Aufwind, es sei „mager“ und „dünn“. Bedauerlich sei auch, dass der Extremismusforscher die Ergebnisse einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung ignoriere, nach der die „meisten Deutschen mit rechtsextremem Weltbild mit Abstand ... immer noch CDU/CSU oder SPD“ wählten.[5] Für Sebastian Rehse sei Bergsdorf um „begriffliche Klarheit“ bemüht. Er unternehme bewusst den Versuch, „den Extremismusbegriff frei von ideologischen Schlag zu fassen“. Außerdem unterscheide Bergsdorf lobenswerter Weise zwischen „Extremismus und Populismus“. Er biete einen „allgemeinen Einstieg“ für das „akademische[] Publikum“ in die Materie und überzeuge mit einer „unaufgeregte[n] und analytische[n] Art“. Allerdings mangle es an der Begründung der Inhalte, bedauerlicher Weise entstehe der Eindruck, als sei der „Versuch eines kurzen, aber thematisch [..] allumfassenden Rundumschlags unternommen“ worden.[6]

Nach Johannes Mehlitz habe Bergsdorf mit Die neue Linke. Partei zwischen Kontinuität und Kurswechsel eine „kompakte, gut lesbare Analyse der“ Partei vorgelegt. Sie sei sowohl für Wissenschaftler, als auch für Laien geeignet. Bergsdorf nähere sich der Materie mit einem „distanzierten Blick“. Das Buch helfe ein „Informationsdefizit zu beheben und einer verzerrten öffentlichen Wahrnehmung gezielt entgegenzusteuern“.[7] Jacqueline Boysen verwies hingegen darauf, dass er, wiewohl auch "Grundsatzreferent in der Landtagsfraktion der nordrheinwestfälischen CDU und im Büro des Thüringer Innenministers", mit seiner Schrift über die Partei Die Linke "bedauerlicherweise die Vielschichtigkeit der 'Linken' nicht erfasst" habe. Bisweilen lese sich die "blutleere" Arbeit "schlicht peinlich". Der Autor, der "mit seinem Handwerkszeug als Extremismusforscher der 'Linken' beizukommen" versuche und "seitenlange Schleifen über die Sinnhaftigkeit des systematischen Vergleichs von rechts- und linksextremen Strömungen" produziert habe, zeige "Schaum vor dem Mund". Er vermittle ein unterkomplexes Bild seines Gegenstands.[8]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ungleiche Geschwister. Die deutschen Republikaner (REP) im Vergleich zur französischen Front National (FN) (= Europäische Hochschulschriften / 31). Lang, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-631-36824-0
  • Die neue NPD. Antidemokraten im Aufwind. Olzog, München 2007, ISBN 978-3-7892-8228-7
  • Die neue „Linke“. Partei zwischen Kontinuität und Kurswechsel. Bouvier, Bonn 2008, ISBN 978-3-416-03181-3
  • Fakten statt Legenden. Argumentationshilfen gegen die „Linke“ Lafontaines und Gysis. Bouvier, Bonn 2009, ISBN 978-3-416-03246-9.
  • Fakten statt Fälschungen. Argumente gegen rechtsextreme Parolen. Olzog Verlag, München 2010, ISBN 978-3-7892-8274-4
  • Die Kultur der Freiheit argumentativ verteidigen. Liberale Gesellschaft gegen Rechtsextremismus und andere Freiheitsfeinde (= PositionLiberal, 91). Liberales Institut, Potsdam 2010
  • mit Rudolf van Hüllen: Linksextrem – Deutschlands unterschätzte Gefahr? Zwischen Brandanschlag und Bundestagsmandat. Schöningh, Paderborn [u.a.] 2011, ISBN 978-3-506-77242-8
  • Über die Zukunft der Demokratie (Kirche und Gesellschaft Grüne Reihe, Nr. 437), hrsg. von der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle, J. P. Bachem Medien, Köln 2017, ISBN 978-3-7616-3140-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Friedrich Burschel: Verfassungsschutzwissenschaftsjournalismus, Onlinepublikation der Rosa-Luxemburg-Stiftung.
  2. Christlich Demokratische Union Deutschlands, CDU Rüngsdorf: Dr. Heckes und vom Kolke mit überwältigender Mehrheit nominiert, 21. November 2003.
  3. Siehe Buchwerbung Schöningh-Verlag: [1].
  4. Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit [der FDP], "positionliberal" 91, siehe: [2].
  5. Astrid Geisler: Die geistig-moralische Erblast, taz vom 24. November 2007.
  6. Sebastian Rehse: Neue Abhandlungen zur NPD. Kompetenter Einstieg, analytischer Tiefgang. In: Zeitschrift für Parlamentsfragen 39 (2008) 3, S. 662–666, hier: S. 663 f.
  7. Johannes Mehlitz: Harald Bergsdorf. Die neue Linke. Partei zwischen Kontinuität und Kurswechsel. In. Zeitschrift für Politik 56 (2009) 1, S. 112 f.
  8. Jacqueline Boysen: Knallrotes Taschenbuch, Rez. im Deutschlandradio vom 26. Mai 2008.