Hawthorn, Leslie & Company

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Lageplan von 1909 (Hebburn Shipbuilding Yard)

R. & W. Hawthorn Leslie and Company, Limited, meist kurz als Hawthorn Leslie bezeichnet, ist heute ein britisches Mobilfunkunternehmen, das bis 1982 als Schiffbauunternehmen und bis 1937 auch im Lokomotivenbau tätig war.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Unternehmen ging 1870 aus dem Zusammenschluss der Werft A. Leslie and Company in Hebburn mit dem Lokomotivenhersteller R. and W. Hawthorn aus St.Peter's in Newcastle upon Tyne hervor,[1] und wurde 1886 in eine Limited-Gesellschaft umgewandelt.

1890 baute man eine erste Dreifachexpansionsdampfmaschine für den Dampfer Orel, im Jahr 1900 stellte man die Maschinen des Dampfers Canadian her.

1907 wurde ein Gelände, das an das bestehende in Forth Banks anschloss, erworben, um den Betrieb zu erweitern und zu Beginn des Ersten Weltkriegs war man in der Lage, außer Schiffen, Dampfmaschinen und Turbinen, Wasserrohrkessel und verschiedenste Arten von Lokomotiven zu liefern.

Der Lokomotivenbau wurde 1937 an Robert Stephenson and Company abgegeben, der daraufhin unter dem Namen Robert Stephenson and Hawthorns Ltd. firmierte.[2]

Eines der bekanntesten Schiffe, welche bei Hawthorn Leslie entstand, war die 1938 vom Stapel gelassene und von Louis Mountbatten kommandierte HMS Kelly.[3] 1954 erfolgt eine Umstrukturierung der Aktiengesellschaft. Die Schiffbau- und Reparaturwerft beschäftigt 1961 2200 Mitarbeiter, die außer auf den Bau von Passagier- und Frachtschiffen für den Liniendienst auch Kühl- und Massengutschiffe, Tanker und Kriegsschiffe produzieren.

Ab 1967 wurden nur noch vier Schiffe unter der Ägide von Swan Hunter gebaut.[4] Am 1. Juli 1977 wurde Hawthorn Leslie in die staatliche British Shipbuilders Corporation eingegliedert. Der Maschinenbau wurde 1979 mit dem ebenfalls verstaatlichten Motorenbauunternehmen George Clark & NEM zu Clark Hawthorn zusammengefasst.[5]

Hawthorn Leslies Stammwerft in Hebburn wurde 1982 geschlossen,[6] und das Restunternehmen an Cammell Laird verkauft.[7] Im Jahr 2001 wurde es an die A&P Group weiterveräußert,[8] blieb aber seither ungenutzt.[9] Das eigentliche Unternehmen blieb aber trotz des Verlusts des Schiffbaus bestehen und fokussierte sich auf das Telefongeschäft.[10] Im März 1993 kauft Vodafone das Unternehmen und wandelt es zum Mobilfunkprovider.[11]

Bekannte Schiffe von Hawthorn Leslie[Bearbeiten]

Das Hawthorn Leslie Trockendock

Lokomotivbau[Bearbeiten]

Colne, eine 2-4-2T Hawthorn Leslie Lokomotive von 1887
Eine 0-4-2 Hawthorn Leslie Lokomotive in der Cape Town Railway Station
Eine elektrisch betriebene Hawthorn Leslie Lokomotive von 1928
Eine 0-6-0 Lokomotive mit Satteltank in Leatherhead

Der Lokomotivbau von Hawthorn Leslie umfasste eine breite Palette von Standard- und Einzelentwürfen, darunter zahlreiche Tender- und Dampfspeicherlokomotiven. Diese wurden sowohl an große Eisenbahngesellschaften, als auch Industriebahnen geliefert, wobei ein erheblicher Anteil der Produktion für den Export in die britischen Kolonien und die Bedürfnisse der dortigen Bahngesellschaften entwickelt wurde.

1887 belieferte man die Colne Valley and Halstead Railway mit 2-4-2T Loks und im Folgejahr erstellte man eine Kranlok für Palmers Shipbuilding and Iron Company. Nach dem Firmenzusammenschluss stellte die Lokomotivenabteilung zur Weltausstellung 1893 in Chicago eine vierzylindrige Lokomotive, mit der Achsaufteilung 4-2-2-0 her, bei der je zwei innenliegende und zwei außenliegende Zylinder separat auf ein Achsenpaar wirkten. Die Lokomotive war aber nicht leistungsfähig genug, um mit amerikanischen Produkten derselben Ära konkurrieren zu können, sie wurde im Folgejahr aber noch einmal in Antwerpen ausgestellt. Hawthorne Leslie baute eine ganze Reihe von Lokomotiven für bekannte Bahngesellschaften. So entstehen 1899 zwei 2-4-0 Loks für die Kent and East Sussex Railway, zwischen 1896 und 1901 vier 0-4-4 Lokomotiven für die Metropolitan Railway, oder 1907 je eine 0-8-0 Tenderlokomotive für die Plymouth, Devonport and South Western Junction Railway und die Kent and East Sussex Railway. Die Shropshire and Montgomeryshire Railway erhält 1911 zwei 0-6-2 T Lokomotiven und die Taff Vale Railway wird während des Ersten Weltkriegs mit einer Serie von 27 Lokomotiven ähnlicher Bauart beliefert. 1915 erteilte F. G. Smith von der Highland Railway den Auftrag sechs 4-6-0 aufgeteilte Lokomotiven nach seinen Entwürfen zu bauen. Diese wurden aber nicht abgenommen, da sie zu schwer geraten waren und danach an die Caledonian Railway verkauft. Die London and North Eastern Railway orderte 1925/6 eine Serie von GCR Class 9N Loks. Ende der 1920er Jahre wurden auch elektrische Lokomotiven mit ins Programm genommen.

Zwischen 1934 und 1935 erbaute Hawthorn Leslie elf Diesellokomotiven der Achsfolge 0-6-0 für die London, Midland and Scottish Railway, die bei der Übernahme durch die British Rail als Class D3/6 bezeichnet wurden. 1935 erhielt auch die Great Western Railway eine Diesellokomotive mit der Achsfolge 0-6-0, welche bei der Übernahme durch die British Rail als Class D3/10 bezeichnet wurde. Die Lokomotiven besaßen einen diesel-elektrischen Antrieb, wobei der elektrische Teil von English Electric hergestellt wurde.

Erhaltene Lokomotiven[Bearbeiten]

Einige Hawthorn Leslie Tenderlokomotiven haben bis heute überdauert, darunter ein Exemplar der Isle of Wight Steam Railway, die 37 "Invincible", mit der Achsfolge 0-4-0, die "3717" im Buckinghamshire Railway Centre, die "Cyclops" der Tanfield Railway und eine weiteres Exemplar der Bo'ness and Kinneil Railway soll überholt werden. Sowohl das Rutland Railway Museum, als auch der Cambrian Railway Trust besitzen je eine 0-6-0 ST Lok, die restauriert werden sollen. Eine weitere Lokomotive dieses Typs wird in Leatherhead ausgestellt. Eine elektrisch betriebene Rangierlok des Kraftwerks in Kearsley ist im Coventry Railway Centre, bei Coventry, Warwickshire ausgestellt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Informationsseite über Hebburn (englisch) abgerufen am 22. August 2009
  2. Building for the World The Journal am 22. Mai 2007 (englisch)
  3. HMS Kelly
  4.  Lloyds Register of Shipping (Hrsg.): Lloyds Register of Shipping. Appendix 1979-80. Lloyds Register of Shipping, London 1979.
  5. Tyne & Wear Archives: Hawthorn Leslie (englisch) abgerufen am 22. August 2009
  6. Retracing a river’s proud history The Journal am 28. September 2004 (englisch)
  7. Shipbuilders on the Tyne with Shetland Ancestry (englisch) abgerufen am 22. August 2009
  8. A&P Holdings acquires Cammell Laird Holdings (englisch) abgerufen am 22. August 2009
  9. Danger Yard Die South Shields Gazette am 8. Juni 2006 (englisch)
  10. Blue chips take the lead as shares rally Der Independent am 13. Februar 2003 (englisch)
  11. Vodafone bids to rescue Hawthorn Leslie Die Computergram am 12. März 1993 (englisch)

Literatur[Bearbeiten]

  • J. F. Clarke (1979), Power on Land and Sea: 160 Years of Industrial Enterprise on Tyneside: A History of R. & W. Hawthorn Leslie & Co., Ltd., Engineers and Shipbuilders, Clark Hawthorn

Weblinks[Bearbeiten]