Heeresmunitionsanstalt Feucht

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Die Heeresmunitionsanstalt Feucht war eine Munitionsanstalt, (üblicher Sprachgebrauch: MUNA) der deutschen Wehrmacht südlich von Nürnberg bei Feucht.

Abzweiggleise zur MUNA Feucht

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ursprünglich 22,4 Hektar umfassende Areal liegt 2 km westlich von Feucht im Flurstück Le(h)mgruben und dem Quellgebiet des Ochsengrabens, einem rechten Zuflusses des Gauchsbaches. Dieser entwässert den südlichen Lorenzer Reichswald aus einer Höhe von 365 bis 369 m ü. NN zur Schwarzach hin.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gelände wurde ab 1934 erschlossen. Es fand dort unter anderem die Fertigung von Mörsergranaten für die Dicke Bertha, sowie der Sprengköpfe für die „VergeltungswaffeV2 und ab 1944 der „Hochdruckpumpe“ V3 statt. Die weitläufigen, teilverbunkerten militärischen Fertigungsstätten verfügten auch über drei Flaktürme, Löschwasserteiche, Kantine, eine autarke Stromversorgung und einen eigenen zweispurigen Gleisanschluss zur Güter- und Personenbeförderung, der von der Bahnstrecke Feucht–Wendelstein abzweigte.[2]

Ab 1944 wurde zusätzlich ein Kriegsgefangenenlager mit vier 50 Meter langen Baracken errichtet. Diese befanden sich hinter dem Löschwasserteich links von der Straße die zum Bogenschießstand führt. 32 russische und zwei polnische Kriegsgefangene starben bei deren Arbeitseinsatz in der MUNA und wurden in Feucht an der Friedhofsmauer begraben. Im vorderen Bogenschießgelände, das bis 1960 noch eine Sandgrube war, wurden während dessen Bau in den 1960er Jahren weitere Gebeine von Kriegsgefangenen aus den letzten Kriegsmonaten ergraben, aber nicht mehr geborgen.

Nach der Einnahme der MUNA am 17. April 1945 durch die US Army sammelten die Amerikaner dort Wehrmacht-Bestände beispielsweise aus Munitionszügen vom Nürnberger Rangierbahnhof und große Mengen von Beutemunition anderer Standorte. Die MUNA wurde in Ammo Collecting Point Feucht umbenannt. Am 4. Mai 1946 geriet in dem Komplex ein Feuer außer Kontrolle und griff auf einen Güterzug über. In einer Kettenreaktion explodierten hierbei die gesammelten Munitionsreste (20.000–30.000 Tonnen)[3] – darunter die gesamte Ladung eines mit 300 Gefechtsköpfen der V2 à je 738 kg Amatol beladenen Güterzug. Etwa die Hälfte der 130 Gebäude und alle Gleisanlagen wurden völlig zerstört. Die Bevölkerung der Nachbarorte wurde vorsorglich evakuiert, sodass es außer den erheblichen Sachschäden keine weiteren Opfer zu beklagen gab.

Im April 1948 wurden auf Weisung der Amerikaner alle noch intakten Munitionsbunker bis auf fünf gesprengt. Das Gelände wurde zunächst verlassen und verblieb als unbewachtes militärisches Sperrgebiet.

Das ehemalige MUNA-Gelände wurde in den 1960er Jahren dann als Treibstofflager für den unmittelbar nördlich erbauten Hubschrauberstützpunkt Feucht Army Airfield genutzt. Nach dem Abzug der Besatzungsmacht und der Rückgabe des Geländes an die Bundesrepublik Deutschland wurde dieses von 2002 bis 2004 zu einen Gewerbepark umgewidmet.[4] Die Gleisanlagen wurden ab 1961 zurückgebaut und teilweise renaturiert.[2]

Der Boden der im westlichen und südlichen Teil, von der US-Army FASA und Nato Site 23 genannten Giftmülldeponie der Muna wurde mit seinen Rüstungsaltlasten seit 2006 mit Beton versiegelt.[5] Diese wurde anstatt einer Bodensanierung durchgeführt. Das Risiko die Altlasten ganz aus dem Boden zu entfernen und hierbei die Atmosphäre zu belasten wurde als zu hoch eingeschätzt, da die Munition teils mit Giftgas bestückt ist. Zum Grundwasser hin ist das Gebiet durch eine wasserundurchlässige Tonschicht abgegrenzt.

Heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute dient das MUNA-Gelände nur noch dem Kampfmittelräumdienst Nordbayern bei Bedarf und Gelegenheit als Stützpunkt. Es werden keine Besichtigungsmöglichkeiten oder Führungen angeboten, jedoch wurde im Museum für historische Wehrtechnik 2006 eine Dauerausstellung eingerichtet, die über die Muna informiert. Das unerlaubte Betreten des eingezäunten Gebietes ist seit 2003 mit einer Strafe von bis zu 1000 € belegt.[6]

Eine der ehemals auf dem Gelände stationierten V 36-Diesellokomotiven blieb über die Jahrzehnte erhalten und befindet sich seit 1998 im Eisenbahnmuseum Darmstadt. 2004 kam sie zur Aufarbeitung und befindet sich heute in gepflegtem rollfähigen Zustand.[7][8]

Fußnoten und Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lage der MUNA Feucht auf Bayernatlas-Klassik
  2. a b Gleisanschuß der MUNA
  3. Vortrag TH-Nürnberg zur Sanierung des Muna-Geländes
  4. http://www.wehrtechnikmuseum.de/Exponate/Sonderausstellungen/Muna_Feucht/muna_feucht.html
  5. http://www.konrad-rupprecht.de/jahresschluss2006.htm
  6. Verordnung der Stadt Feucht zur MUNA
  7. Diesellok, ehemals MUNA Feucht
  8. Diesellok V 36 aus Muna, Lebenslauf und Photos

Koordinaten: 49° 22′ 54″ N, 11° 10′ 57″ O