Heike Geißler

Heike Geißler (* 5. April 1977 in Riesa) ist eine deutsche Schriftstellerin.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Heike Geißler wuchs als Kind eines Stahlarbeiters und einer Angestellten der Deutschen Post (DDR) in Riesa und Karl-Marx-Stadt/Chemnitz auf. Beide Eltern wurden nach der Deutschen Vereinigung arbeitslos.[1] 2001 erhielt sie den Alfred-Döblin-Förderpreis für den ein Jahr später erschienenen Roman Rosa. Sie nahm in den Jahren 2008 und 2021 am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt teil. In ihrem Buch Saisonarbeit (2014, englische Übersetzung 2018) verarbeitet sie ihre Tätigkeit als Aushilfskraft in einem Logistikzentrum von Amazon in Leipzig. Laut Preisbegründung der Jury beim Heinrich-Böll-Preis 2025 wurde sie für ihre herausragende Leistung geehrt, „mit Komik, Musikalität und dokumentarischer Recherche wie Selbstbefragung (…) auf den gesellschaftlichen Imperativ der Optimierung und Effizienzsteigerung, der ständigen Produktivität lustvoll, empathisch, subversiv und unerwartet“ geantwortet zu haben.[2]
Geißlers 2026 erschienener Roman Michaela Kohlhaas ist eine Überschreibung von Heinrich von Kleists Klassiker-Thema mit gegenwärtigen, zeitgenössischen Rahmenbedingungen und Persönlichkeiten.[3]
Sie lebt in Leipzig und hat zwei Kinder.[4]
Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 2001: Alfred-Döblin-Förderpreis
- 2003: Aufenthaltsstipendium im Literarischen Colloquium Berlin
- 2004: Aufenthaltsstipendium im Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf
- 2007: Stipendium des DAAD in Archangelsk, Russland
- 2008: Nominiert für den Ingeborg-Bachmann-Preis
- 2008: Arbeitsstipendium der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen
- 2016/2017: Deutsche Akademie Rom Villa Massimo[5]
- 2021: Nominierung zum Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb[6]
- 2022: Nominierung zum Preis der Leipziger Buchmesse mit dem Roman Die Woche[7]
- 2022 Hörspiel des Monats Juni für Die Woche
- 2023: Förderpreis zum Lessing-Preis des Freistaates Sachsen
- 2025: Bayerischer Buchpreis für Verzweiflungen.
- 2025: Heinrich-Böll-Preis[8]
- 2025: Klopstock-Preis für neue Literatur des Landes Sachsen-Anhalt
- 2026: Sächsischer Literaturpreis[9]
Werke
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Rosa. Roman. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart/München 2002, ISBN 3-421-05605-6.
- Französische Ausgabe: Rosa. Roman. Übersetzt von Nicole Taubes. Albin Michel, Paris 2006, ISBN 2-226-17222-X.
- Kroatische Ausgabe: Rosa. Übersetzt von Romana Perečinec. Fraktura, Zaprešić 2006, ISBN 953-7052-80-X.
- Nichts, was tragisch wäre. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2007, ISBN 978-3-421-04219-4.
- Emma und Pferd Beere. Mit Illustrationen von Simone Waßermann. Lubok Verlag, Leipzig 2009, ISBN 978-3-941601-09-3.
- Heftreihe Lücken kann man lesen. Mit Anna Lena von Helldorff. Geißler, Leipzig 2010–[2014], K10plus 1543164110.
- Saisonarbeit. Spector Books, Leipzig 2014, ISBN 978-3-944669-66-3.
- Englischsprachige Ausgabe: Seasonal Associate. Übersetzt von Katy Derbyshire. Semiotext(e), New York 2018, ISBN 978-1-63590-036-1.
- Die Woche. Roman Suhrkamp Verlag, Berlin 2022, ISBN 978-3-518-43053-8.
- Liegen Eine Übung. Essay, Rohstoff / Matthes & Seitz, Berlin 2022, ISBN 978-3-7518-7004-7.
- Verzweiflungen. Essay (= edition suhrkamp. Band 2873). Suhrkamp, Berlin 2025, ISBN 978-3-518-12873-2.
- Arbeiten. Hanser, Berlin / München 2025, ISBN 978-3-446-27977-3.
- Michaela Kohlhaas. Roman, Suhrkamp Verlag, Berlin 2026, ISBN 978-3-518-43280-8.
Hörspiele
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 2010 Vom Verlassen der Welt (Teil des Projekts Deutschland 2089 des Bayerischen Rundfunks), Teil 1. (BR)
- 2016 Fragen für alle – Checkliste für ein plausible Dasein , zusammen mit Anke Dyes, Regie: die Autorinnen (BR)
- 2023 Die Woche, Bearbeitung und Regie: Stefan Kanis, Musik: Konrad Schreiter (Trompete; Flügelhorn), Michael Hinze (Klavier) (MDR)
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Heike Geißler im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Website der Autorin. In: heikegeissler.de
- Tobias Wenzel: Angst vor der Entscheidung. Die deutsche Schriftstellerin Heike Geißler. In: Deutschlandradio Kultur. 24. Juni 2008
- Naomi Fry: “Seasonal Associate” Is a Labor Memoir for the Amazon Era. In: The New Yorker. 19. November 2018 – Rezension von Seasonal Associate (Saisonarbeit; englisch)
- 30 Jahre Wiedervereinigung (2/6) „Einen Austausch am Leben zu erhalten, ist Aufgabe der Gesellschaft“. Die Schriftstellerin Heike Geißler wurde 1977 in der ehemaligen DDR in Riesa geboren. Es gehe ihr in ihren Büchern und ihrem Leben um Forderungen, die nicht nur individuell und konsumorientiert sind, sondern die Verbesserungen für Gesellschaften bringen, sagte die Autorin im Dlf. Heike Geißler im Gespräch mit Miriam Zeh. In: Deutschlandfunk. 13. September 2020 (Audio [27,0 MB; 29:31 Min.] und Verschriftung).
- Miryam Schellbach: Große Erregung. Wie lebt und schreibt es sich in einer Stadt, in der ständig Revolution ist? Ein Besuch bei Heike Geißler in Leipzig. In: Süddeutsche Zeitung. Spezial, Nr. 61, 15. März 2022, S. 23 (sueddeutsche.de; Artikelanfang frei abrufbar).
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Cornelia Geißler: Wer gar nicht arbeitet, ist verdächtig. Die Leipziger Schriftstellerin wendet sich gegen üble Nachrede in Richtung Bürgergeldempfänger. Sie sagt aber auch, dass sie die Superreichen nicht für Leistungsempfänger hält. In: Berliner Zeitung. Nr. 89, 16. April 2025, S. 17 (epaper berliner-zeitung.de).
- ↑ Preisbegründung der Jury des Heinrich-Böll-Preises 2025 In: stadt-koeln.de, abgerufen am 5. Juni 2026.
- ↑ Martin Gasser: „Michaela Kohlhaas“: Die Welt brennt, und keiner schaut hin. Kritik. Heike Geißlers „Michaela Kohlhaas“ statuiert ein Exempel und startet einen Rachefeldzug. In: Kleine Zeitung. 30. Mai 2026, abgerufen am 5. Juni 2026 (Rezension; anmeldepflichtig).
- ↑ Florian Kessler: Endstation Amazon. Heike Geißlers Buch „Saisonarbeit“ erzählt von der Unfreiheit heutiger Arbeit. In: Süddeutsche Zeitung. Nr. 257, 8./9. November 2014, S. 20 (sueddeutsche.de).
- ↑ Deutsche Akademie Rom Villa Massimo: Porträt Heike Geißler. ( vom 30. September 2016 im Internet Archive) In: villamassimo.de, abgerufen am 13. September 2020.
- ↑ Autorinnen und Autoren 2021. In: Bachmannpreis. 18. Mai 2021, abgerufen am 14. März 2025.
- ↑ Nominierungen 2022. In: preis-der-leipziger-buchmesse.de. Abgerufen am 14. März 2025.
Die Jüry hat entschieden. Die Nominierten 2022. (PDF; 2,3 MB) Preis der Leipziger Buchmesse. In: preis-der-leipziger-buchmesse.de. Leipziger GmbH. Projektteam Buchmesse, 10. Februar 2022, S. 6, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 17. Februar 2022; abgerufen am 14. März 2025 (mit Inhaltszusammenfassung, Leseprobe, Votum der Jury). - ↑ Heike Geißler erhält den Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln 2025, von Maximilian Daum. Stadt Köln, Presseservice, 22. Oktober 2025, abgerufen am 23. Oktober 2025.
- ↑ Sächsischer Literaturpreis 2026 für Heike Geißler, boersenblatt.net, erschienen und abgerufen am 23. Juli 2026
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Geißler, Heike |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Schriftstellerin |
| GEBURTSDATUM | 5. April 1977 |
| GEBURTSORT | Riesa |