Heile, heile Gänsje

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Heile, heile Gänsje ist ein Fastnachtslied, dessen Melodie und Strophen für die Mainzer Fastnacht 1929 von Martin Mundo verfasst und von ihm erstmals vorgetragen wurde. Als Refrain des Liedes fungiert ein älterer Kinderreim. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der nahezu völligen Zerstörung der Stadt Mainz wurde es von Ernst Neger mit zusätzlichem Text von Georg Zimmer-Emden neu interpretiert.

Unter den „111 größten Fastnachtshits“, die das SWR Fernsehen zusammen mit SWR4 in der Fastnachtssaison 2009 zur Auswahl stellte, landete der Titel auf dem ersten Platz.[1][2]

Ursprung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundlage des Liedes ist eine Variante eines Kinderreims, der von Müttern nach einer schmerzhaften Verletzung kleiner Kinder in tröstender Art und Weise aufgesagt wurde. Er ist seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in verschiedenen regionalen Varianten überliefert.[3][4][5][6] Varianten mit dem Textanfang „Heile heile Gänsje“ sind aus dem Raum Aschaffenburg sowie aus Steinmark in Mainfranken überliefert.[7][8][9][10]

1929 trug es der für die Mainzer Fastnacht hoch bedeutende Martin Mundo zum ersten Mal während einer Narrensitzung vor. Schon damals versah er es in einem da capo mit einer Kritik an der damaligen französischen Besatzung. Im Jahre 1952 wurde eine Vertonung dieses Verses mit zwei von Georg Zimmer-Emden dazugedichteten Strophen[11][12] über das vom Krieg zerstörte Mainz auch einem größeren Publikum bekannt, als Ernst Neger es während einer Fastnachtsveranstaltung unter Beifall und den Tränen des Publikums sang. In der Folgezeit, bis in die 1970er Jahre hinein, musste er es nicht nur immer vortragen, es wurde auch bundesweit zu einem geflügelten Wort.

Refrain[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Refrain des Liedes, der mit dem nicht mehr zu datierenden, aber seit wenigstens 1894[7] nachgewiesenen Kindervers weitgehend übereinstimmt, lautet:

Heile, heile Gänsje
Es is bald widder gut,
Es Kätzje hat e Schwänzje
Es is bald widder gut,
Heile heile Mausespeck
In hunnerd Jahr is alles weg.

Adaptation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1973[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roy Black sang im Film Alter Kahn und junge Liebe von 1973 Heile, heile Gänsje.

2008[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klingel am Molsberger Hof

Am 15. Dezember 2007 wurde in Bodenheim (ca. 12 km südlich von Mainz) der historische Molsberger Hof durch einen Brand fast völlig zerstört. Am aufgestellten Baugerüst wurde eine riesige Plane mit dem kompletten Liedtext abgedruckt. Des Weiteren befand sich vor dem Bauzaun eine Klingel, nach deren Betätigung das komplette Lied von Ernst Neger erklang.[13]

2009[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2009 erschien zum 100. Geburtstag von Ernst Neger als Reminiszenz des auf Platz 1 gewählten Lieds „Heile Heile Gänsje“ passend eine Spieluhr mit Melodie in Form einer Stoff-Gans mit Narrenkappe und Pflaster am Flügel.[14]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Heile, heile Gänsje“ lässt alle hinter sich auf swr.de, abgerufen 20. Februar 2009
  2. Platz 1 von 111: Heile, Heile Gänsje auf swr.de, abgerufen 20. Februar 2009
  3. Karl Simrock: Das deutsche Kinderbuch. Brönner, Frankfurt am Main 1848, S. 10 (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
  4. Franz Magnus Böhme: Deutsches Kinderlied und Kinderspiel: Volksüberlieferungen aus allen Landen deutscher Zunge. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1897, S. 58 f. (Digitalisat).
  5. Theo Mang, Sunhilt Mang (Hrsg.): Der Liederquell. Noetzel, Wilhelmshaven 2007, ISBN 978-3-7959-0850-8, S. 740.
  6. Heile Heile Segen, volksliederarchiv.de, abgerufen am 27. Dezember 2015
  7. a b Anton Englert: Zu dem Spruche „Heile, heile Segen“. In: Zeitschrift für den deutschen Unterricht 8 (1894), S. 118–122, hier S. 120 (Digitalisat).
  8. S. Hetzel: Wie der Deutsche spricht. Phraseologie der volkstümlichen Sprache. Grunow, Leipzig 1896, S. 135 (Digitalisat).
  9. Oskar Weise: Ästhetik der deutschen Sprache. B.G. Teubner, Leipzig 1903, S. 266 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  10. Hessische Blätter für Volkskunde Band 6 (1907), S. VI (Digitalisat).
  11. Ingeborg Weber-Kellermann: Das Buch der Kinderlieder. 235 alte und neue Lieder: Kulturgeschichte – Noten – Texte. Atlantis-Schott, Mainz 1997/2010, ISBN 978-3-254-08370-8, S. 67–69.
  12. Bernd Funke: Zwischen Gänsje und Rucki-Zucki. In: Rhein-Main-Presse 13. Januar 2009, S. 8 (online (Memento des Originals vom 3. November 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.mainzer-carneval-verein.de; PDF; 351 KB).
  13. Wiederaufbau im Geiste Ernst Negers. In: Rhein Main Presse (Allgemeine Zeitung), 19. Juli 2008
  14. Spieluhr „Heile Gänsje Ganz“ anlässlich des 100. Geburtstags von Ernst Neger, WIRTH Mainz, Stand: 23. April 2012