Luftangriffe auf Mainz

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Kriegsmahnmal und Symbol des zerstörten Mainz: Die Ruine der Christophskirche

Luftangriffe auf Mainz erfolgten im Luftkrieg des Zweiten Weltkriegs mehrfach zwischen 1941 und 1945. Die Angriffe von Royal Air Force (RAF) und US Army Air Forces (USAAF) forderten in Mainz zahlreiche Todesopfer und verursachten große Zerstörungen.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Bürgersteig eingelassenes halbrundes dunkles Pflasterband um ein weißes Pflastersteinfeld zum Gedenken an den Tod einer Frau durch einen Luftangriff 1918

Fliegerangriffe waren im Ersten Weltkrieg relativ selten und nahezu wirkungslos. In der Mainzer Neustadt kamen am 9. März 1918 bei einem britischen Luftangriff elf Menschen zu Tode[1]. In der Adam-Karillon-Straße erinnert eine in den Boden eingelassene Markierung an diesen Vorfall.[2]

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersicht größerer Luftangriffe auf die Region Mainz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Altstadt (11./12. und 12./13. August 1942)
  • Bischofsheim (9. September 1942, Herbst 1944, 13. und 27. Januar 1945, 27. Februar 1945)
  • Ginsheim (23./24. April 1944)
  • Gonsenheim (Kathen-Kaserne: 19. Oktober 1944)
  • Gustavsburg (besonders 9., 15. September 1944 und 27. Februar 1945)
  • Kastel (besonders 8. September 1944)
  • Kostheim (Herbst 1944)
  • Neustadt (11./12. und 12./13. August 1942, 20. Dezember 1943, Herbst 1944, 1. Februar und 27. Februar 1945)
  • Weisenau (besonders 19. Oktober 1944, 1. Februar und 27. Februar 1945)

1939 bis 1941[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges blieb es zwei Jahre bis September 1941 bei nur kleineren Sprengbombenabwürfen durch die britische RAF. Bei dem ersten größeren Angriff der RAF am 13. September 1941, der eigentlich Frankfurt am Main zum Ziel hatte, wurde der Mainzer Hauptbahnhof getroffen und 22 Menschen kamen ums Leben.

1942 und 1943[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis August 1942 kam es nur zu kleineren Angriffen, am 11. August 1942 starteten im Rahmen der neuen Area Bombing Directive 158 RAF-Bomber in Großbritannien zu einem Großangriff auf Mainz. In der folgenden Nacht warfen sie rund 200 t Bomben ab, darunter auch sehr gefährliche Phosphorbomben. In der nächsten Nacht flogen 133 Bomber einen weiteren Angriff. Erneut wurden etwa 180 t Bomben abgeworfen. Die Bomben trafen zum großen Teil die Altstadt mit der Karmeliterkirche [3] und dem Mainzer Dom, aber auch Teile der Neustadt und Mombach brannten ab. Die 1703 fertiggestellte Mombacher Nikolauskirche samt Glockenturm wurde durch Brandbomben zerstört. St. Stephan wurde schwer beschädigt, die Johanniskirche und der Bassenheimer Hof brannten völlig aus, das Invalidenhaus wurde zur Ruine. Die Eltzer Höfe und der Bauhof brannten aus. Hunderte Menschen starben in den Flammen. Trotzdem blieben in der Innenstadt noch Wohnviertel bewohnbar. Am 9. September 1942 bombardierten alliierte Bomber Bischofsheim. Im Jahr 1943 wurde lediglich am 20. Dezember ein Angriff auf die Innenstadt geflogen.

1944[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Laufe des Jahres 1944 nahm die Intensität des Luftkrieges zu. Ein kleiner britischer Notabwurf führte in der Nacht vom 23. auf den 24. April zu Bränden in Teilen von Ginsheim. Dabei brannte auch die evangelische Kirche nieder. Im Herbst häuften sich die gezielten Angriffe auf die Stadt. Das Alice-Krankenhaus wurde am 28. Juli durch eine Luftmine schwer beschädigt.[4] Am 8. September wurde Kastel schwer getroffen, am 8. und 15. September erneut Gustavsburg. Auch Teile Kostheims wurden am 8. September und Weisenaus am 19. Oktober bombardiert. Am gleichen Tag wurde auch die Kathen-Kaserne in Gonsenheim durch Bombentreffer und Feuer zerstört. Über den ganzen Herbst verteilt gab es immer wieder Luftalarm wegen vorüberfliegender Bomberverbände.

Am 18. Dezember 1944 waren die Bahnanlagen um Mainz Ziel des Angriffs. Nach freigegebenen Einsatzberichten der USAAF warfen 157 viermotorige B-17-Bomber der 8. US-Luftflotte in der Zeit von 13:45 bis 13:59 Uhr insgesamt 430,7 t Sprengbomben in mehreren Wellen aus etwa 8000 m Höhe ab. 89 Menschen fanden den Tod.

Januar 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 13. und 27. Januar bombardierte die 8. US-Luftflotte Bahnanlagen in Bischofsheim und Gustavsburg. Für den 1. Februar war ein Großangriff der RAF auf Mainz geplant, doch die Bomben verfehlten das Ziel und landeten in der Mehrzahl auf dem Großberg bei Weisenau. Die Christuskirche wurde an diesem Tag durch Brandbomben und ein darauf folgendes Feuer bis auf die Außenmauern und das Stahlskelett der Kuppel zerstört.[5]

Luftangriff am 27. Februar 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruinen vor dem Dom (1961)

Am 27. Februar 1945 flogen 435 Bomber der RAF einen Angriff auf die Stadt. Zwischen 16:29 und 16:45 Uhr wurden 1.500 t Bomben abgeworfen, die weite Teile der Neustadt trafen. St. Joseph und St. Bonifaz wurden zerstört. Die bereits 1942 bombardierte Altstadt wurde nicht getroffen. Ein starker Feuersturm breitete sich über eine große Fläche aus. Auch Weisenau, Gustavsburg und Bischofsheim wurden schwer getroffen. Das gerade renovierte Alice-Krankenhaus wurde völlig zerstört. Verbranntes war laut Augenzeugenberichten bis nach Gonsenheim geflogen. Die Zahl von 1209 Toten war im Vergleich zu anderen Städten vergleichsweise niedrig. Einige von ihnen wurden auf dem Waldfriedhof in Mombach begraben. Das eigentliche Ziel, die Bahnanlagen, blieben unbeschädigt. Schon drei Tage nach dem Angriff konnten dort wieder Züge fahren.

Einmarsch der Amerikaner und französische Besatzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 22. März 1945 war für das zu 80 Prozent zerstörte Mainz der Krieg zu Ende. Einheiten von Wehrmacht und Volkssturm zogen sich über den Rhein aus der Stadt zurück oder kapitulierten kampflos vor der 3. amerikanischen Armee unter General George S. Patton. Bis Juli 1945 blieb Mainz unter amerikanischer Verwaltung, danach wurde Mainz unter französische Administration gestellt.

Wiederaufbau nach dem Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wiederaufbau nach dem Krieg verlief sehr schleppend. Während Städte wie Frankfurt am Main längst wiederaufgebaut waren, gab es in Mainz nur unkoordinierte Einzelaktionen. Dies lag unter anderem daran, dass die Franzosen Mainz zu einer Modellstadt ausbauen wollten (siehe: Marcel Lods: Mainz, modernste Stadt der Welt). Das allererste Interesse der Einheimischen galt der Wiederherstellung von Wohnraum. Dem stand auch nach dem Scheitern der Modellstadt-Pläne die Initiative der Franzosen (Gründung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Benennung von Mainz anstelle der provisorischen Lösung Koblenz als Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz im Jahr 1950 sowie die frühe Wiederaufnahme der Mainzer Fastnacht) entgegen, die der Stadt entscheidende Impulse für die positive spätere Entwicklung nach dem Krieg gab. Erst der May-Plan von 1958 ließ einen geregelten Wiederaufbau zu. Auch der Denkmalpfleger Fritz Arens engagierte sich für seine Heimatstadt. Zur Zweitausendjahrfeier 1962 war Mainz weitgehend neuaufgebaut, jedoch gab es um 1970 noch vereinzelte Trümmergrundstücke.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Als Feuer vom Himmel fiel – Das Inferno von Mainz“, Film von Matthias Schaider, 15 Minuten, ZDFinfo 2010[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hierzu ausführlich: - Bollwerk Mainz
  2. Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz: Kulturdenkmäler des Landes Rheinland-Pfalz, Bd. 2.1 Stadt Mainz, Stadterweiterungen des 19. und 20, Jahrhunderts; Düsseldorf, 1985; ISBN 3-590-31032-4
  3. Günther Gillessen (Hrsg.): Wenn Steine reden könnten. Mainzer Gebäude und ihre Geschichten. Führungen durch eine Stadtlandschaft. Philipp von Zabern, Mainz 1991, ISBN 3-8053-1206-7, S. 84
  4. Kurzchronik der Alice-Schwesternschaft Mainz 1870-2005
  5. Daniela Tratschitt: Die mächtige Kuppel der Christuskirche. Ausdruck des Selbstbewusstseins. In: Der Mainzer Die Stadtillustrierte. Heft 261, Juni 2012, abgerufen am 8. Dezember 2013.
  6. Video Das Inferno von Mainz in der ZDFmediathek, abgerufen am 3. Februar 2014 (offline)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinz Leiwig: Der Tag, als Mainz unterging – 27. Februar 1945. Wartberg Verlag, 2004. ISBN 3-8313-1476-4.
  • Heinz Leiwig: Bomben auf Mainz. 27. Februar 1945. Fakten, Hintergründe, Augenzeugen mit bisher unveröffentlichten Fotos und Dokumenten. Wartberg Verlag, 1995. ISBN 3-928849-02-6.
  • Ludwig Falck: Mainz – ehemals, gestern und heute. Eine Stadt im Wandel der letzten 60 Jahre. J.F. Steinkopf Verlag, Stuttgart 1984. ISBN 3-7984-0599-9.
  • Dieter Busch: Der Luftkrieg im Raum Mainz während des Zweiten Weltkrieges 1939–1945., Mainz 1988.
  • Hans-Jürgen Kotzur: Mainz 27. Februar 1945. Zeitzeugen berichten, Mainz 1995.
  • Richard Kurtz: Mainz in Flammen. Ein Tatsachenbericht über den Luftangriff am 27. Februar 1945, Mainz 1951.
  • Friedrich Schütz: Mainz vor 50 Jahren. In: Mainz. Vierteljahreshefte für Kultur, Politik, Wirtschaft, Heft 3 1992 Seite 129–132.
  • Friedrich Schütz: Da wurde Mainz zur Frontstadt. In: Mainz. Vierteljahreshefte für Kultur, Politik, Wirtschaft, Heft 4 1994.
  • Friedrich Schütz: Bis zum bitteren Ende … In: Mainz. Vierteljahreshefte für Kultur, Politik, Wirtschaft, Heft 1 1995.
  • August Schuchert: Luftschutzmaßnahmen, Fliegerschäden und Wiederherstellungsarbeiten am Mainzer Dom 1939/45. In: Jahrbuch für das Bistum Mainz, Jg. 1 (1946), S. 24–53.
  • August Schuchert: Fliegergeschädigte Kirchen, Pfarrhäuser und Klöster im Bistum Mainz 1939–1945. Ein Dokumentarbericht. In: Jahrbuch für das Bistum Mainz, Jg. 6 (1951/1954), S. 15–53.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]