Heilsgewissheit

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Heilsgewissheit bezeichnet im protestantischen Christentum die Gewissheit des Glaubenden, im Jüngsten Gericht von Gott, dem Richter, freigesprochen zu werden. Diese Gewissheit gründet sich darauf, dass Jesus Christus in seinem Kreuzestod stellvertretend die Schuld der ganzen Welt getragen hat und dem, der sich auf ihn verlässt, die von ihm geschaffene Vergebung zueignet:

„Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben“ (Joh 3,16 LUT).

Diese Heilsgewissheit wird entweder als „Unverlierbarkeit des Heils“ („Beharren in der Gnade“) verstanden[1] oder als ein aktueller Zustand des Gerettetseins, der zukünftige negative – von Gott gegebenenfalls respektierte – Entscheidungen des Menschen nicht ausschließt.[2]

Grundlage der Heilsgewissheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der reformatorischen Theologie wird Heilsgewissheit (certitudo) von Heilssicherheit (securitas) unterschieden. Securitas bezeichnet die objektive Sicherheit, von Gott angenommen zu sein und aufgrund des Glaubens ewiges Leben zu haben:

„und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben“ (Joh 10,28 LUT).

Mit certitudo wird die subjektive, vom Heiligen Geist gewirkte Gewissheit ausgedrückt – wie Paulus sagte:

„Der Geist selbst gibt Zeugnis zusammen mit unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind“ (Röm 8,16 LUT).

Diese kann aber auch von persönlichen Gefühlen abhängig sein.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heilsgewissheit ist ein spezifisch protestantischer Begriff, da andere Konfessionen und Religionen in der Regel davon ausgehen, der Mensch könne durch gute Werke selbst zu seiner Erlösung beitragen. Da die eigenen Werke aber ein steter Unsicherheitsfaktor bleiben, kann daraus keine absolute Heilsgewissheit entstehen. Demgegenüber betont vor allem das Luthertum, „dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben“ (Röm 3,28 LUT). Gute Werke seien Frucht und Folge des Glaubens an Jesus Christus, könnten aber die „Gerechtigkeit“, also den Freispruch vor dem Gericht Gottes, nicht bewirken.

In der Kirchengeschichte haben sich besonders Paulus, Augustinus und Martin Luther mit dem Thema der Heilsgewissheit beschäftigt (siehe auch Evangelium (Glaube), Taufe und Abendmahl bzw. Eucharistie).

Die katholische Gnadenlehre misst der individuellen Heilsgewissheit geringere Bedeutung bei und vollzieht die Unterscheidung von securitas und certitudo nicht mit. Sie weist auf jene Christus- und Apostelworte hin, die das Endgericht nach den Werken verkünden, und sieht darin das unentbehrliche Korrektiv zu einem rein innerpsychischen Glaubensbegriff.

Calvinismus und Arminianismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Lehre Calvins vom „Beharren in der Gnade“ setzten sein Schüler Arminius und insbesondere dessen Nachfolger die Lehre entgegen, ein Gläubiger könne sein Heil auch verlieren. Arminianer begründen ihre Auffassung vor allem mit Bibelstellen wie Hebr 6,4–8 LUT oder Hebr 10,26–31 LUT. Von Vertretern der „Unverlierbarkeit des Heils“ werden diese Stellen anders ausgelegt.[2]

Die calvinistische Position zusammengefasst:

  • Alle, die gläubig geworden sind, können ihr Heil nicht verlieren.
  • Alle, die gläubig geworden sind, werden durch die Gnade Gottes bis zur letzten Stunde in einem Leben der guten Werke beharren.
  • Dieses Beharren ist ein Werk Gottes, mit dem der Gläubige kooperiert.
  • Wenn ein Gläubiger in Sünde fällt, wird das nur für eine bestimmte Zeit sein, und er wird daraufhin immer Buße tun.[3]

Die arminianische Position zusammengefasst:

  • Jeder Gläubige kann sein Heil verlieren.
  • Gläubige, die nicht in einem Leben der guten Werke beharren, gehen verloren.
  • Jeder Gläubige hat die Pflicht, heilig zu leben – das zu tun, steht jedoch in seiner eigenen Entscheidung und Verantwortung.
  • Wenn ein Gläubiger in Sünde fällt, ist es seine Verantwortung, noch zu Lebzeiten Buße zu tun.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Willkomm: Die Heilsgewißheit und ihre Bedeutung für das Christenleben. Evangelische Verlagsanstalt, Berlin 1955.
  • Jacob G. Fijnvandraat: Können Gläubige verlorengehen? Christliche Schriftenverbreitung, Hückeswagen 1986.
  • Erich Mauerhofer: Biblische Dogmatik. Überarbeitete Vorlesungen. VTR, Nürnberg und RVB, Hamburg 2011, 2 Bände, S. 330-347 (zur Verlierbarkeit des Heils).
  • Klaus Ritter (Hrsg.): Kann ein Christ verlorengehen? Eine biblisch-seelsorgerliche Frage und deren Auswirkungen im praktischen Christenleben. Schwengeler, Berneck 1986, ISBN 3-85666-128-X.
  • Michael Beintker (Hrsg.): Certitudo salutis. Die Existenz des Glaubens zwischen Gewissheit und Zweifel. Symposion aus Anlass des 75. Geburtstags von Hans Helmut Esser. Lit, Münster 1996, ISBN 3-8258-3137-X.
  • J. Matthew Pinson (Hrsg.): Four Views on Eternal Security. Zondervan, Grand Rapids (Michigan) 2002, ISBN 978-0-310-23439-5.
  • Thomas Zimmermanns: Unverlierbarkeit des Heils – was sagt die Bibel dazu? Lichtzeichen-Verlag, Lage 2008, ISBN 978-3-936850-80-2.
  • Erwin W. Lutzer: Wie kann ich wissen, dass ich in den Himmel komme? Christliche Verlagsgesellschaft, Dillenburg 2010, ISBN 978-3-89436-693-3.
  • Johannes Pflaum: Wirklich gerettet? Die Frage nach der Heilsgewissheit. Christlicher Mediendienst, Hünfeld 2011, ISBN 978-3-939833-33-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Helmut Burkhardt hält dies für ein Verbiegen der Lehre von der Heilsgewissheit (Evangelisches Lexikon für Theologie und Gemeinde, Bd. 2, S. 883).
  2. a b Charles C. Ryrie: Die Bibel verstehen, Christliche Verlagsgesellschaft, Dillenburg 42007, S. 371–377.
  3. Joseph C. Dillow: The Reign of the Servant Kings. A Study of Eternal Security and the Final Significance of Man, Schoettle, Hayesville (North Carolina) 1992, S. 19.