Soteriologie

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Soteriologie bezeichnet die Lehre von der Erlösung aller Menschen durch den stellvertretenden Sühnetod Jesu Christi am Kreuz.[1] Der Ausdruck kommt von griechisch σωτηρία sotēría „Rettung, Erlösung, Heil“ und λόγος lógos „Wort, Lehre“.

Konzepte[Bearbeiten]

Der Fisch ist ein Symbol für Jesus Christus. Die Buchstaben des griechischen Wortes ΙΧΘΥΣ Ichthýs (Fisch) bilden als Akrostichon das Glaubensbekenntnis Jesus Christus, Sohn Gottes, Erlöser.
Bleiglasfenster von Wilhelm Schmitz-Steinkrüger in der Kirche St. Johannes Baptist (Nideggen), um 1952.

Die Soteriologie ist kein eigenständiges, von anderen Bereichen unterscheidbares Teilgebiet der Dogmatik, sondern es haben sich im Laufe der Geschichte des Christentums eine Vielzahl soteriologischer Konzepte entwickelt. Hierbei entstanden enge Bezüge zur Gnadenlehre einschließlich ihrer Rechtfertigungstheologie sowie zur Eschatologie und Sündenlehre. In der Vielzahl liegt auch ein Grund für das beständige Erscheinen neuer Studien zu Einzelaspekten der Soteriologie in historischen Sichtweisen.[2]

In dieser Situation betont jedoch Karl Lehmann in einer im Jahr 1982 veröffentlichten Skizze zur inhaltlichen Bestimmung eines soteriologischen Kontinuums fünf verbindliche Elemente[3]:

  1. Ausgangsbasis: Sklaverei der Sünde
  2. Vollzugsform: Gottes Wirken in der Lebenshingabe Jesu Christi
  3. Wirkweise: "Für uns gekreuzigt"
  4. Ziel: Vergebung und Teilhabe an Gottes Leben
  5. Grund: Liebe und Erbarmen Gottes.

In einer ähnlichen Weise hatte Gustaf Aulén drei Motive hervorgehoben: Christus als Sieger über den Tod, als stellvertretend leidendes Opfer und als Beispiel für eine neue Lebensexistenz.[4]

Gisbert Greshake entwirft schließlich eine Typologie der Soteriologie mit ihrer zweitausendjährigen Geschichte in bislang drei Epochen, die jeweils diese Kennzeichen tragen[5][6]:

  1. In der Patristik dominierte eine christliche Paideia mit Jesus Christus als göttlichem Erzieher (Christus victor).
  2. Das Mittelalter kannte als eine zentrale Perspektive die Idee einer Erlösung als innere Begnadung des Einzelnen (Christus victima).
  3. Die Neuzeit, die vorerst letzte Epoche, wird geprägt durch den Leitgedanken einer Erlösung als inneres Moment neuzeitlicher Subjektivität (Christus exemplar).

Für die Gegenwart beobachtet Dorothea Sattler daher ein verstärktes Bemühen, zwischen der Biografieforschung und der Theologie einen Zusammenhang herzustellen, der die soteriologische und eschatologische Dimension eines Lebens betrachtet.[7]

Geschichte[Bearbeiten]

Jesus stellt im Erlösungsgeschehen jenes Verhältnis der Menschen zu Gott wieder her, das die Sünde zerstört hatte: Als Sündenloser nimmt er die Sünde durch den Kreuzestod auf sich – sie wird mit ihm begraben und mit seiner Auferstehung überwunden (Röm 8,3 EU; Röm 4,25 EU).[1]

Patristik[Bearbeiten]

Altartafel mit den vier lateinischen Kirchenvätern, Kloster Bordesholm

Die Patristik, die eine lange Tradition hat, beschreibt, erforscht und bewertet die literarisch-theologischen Leistungen der Kirchenväter.[8]

In den ersten Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung stand die Inkarnation Gottes in Jesus im Vordergrund soteriologischer Schriften und auch Auseinandersetzungen. Hierzu gehört vor allem der Arianische Streit, in dem sich Athanasius (um 298–373) für die Trinität einsetzte.[9][6]

Augustinus von Hippo (354–430) zufolge vermittelt die Taufe ein Heil, das anderweitig – etwa durch theoretisches Nachdenken und gute Lebensführung – nicht gleichermaßen erreichbar ist, da die menschliche Natur korrumpiert sei. Das ist ein mit dem theologischen Begriff der Erbsünde interpretierter Zustand.

Mittelalter[Bearbeiten]

Über eine breite Wirkungsgeschichte, die weiterhin anhält, verfügt die Satisfaktionslehre Anselms von Canterbury (um 1033–1109), die er in seiner Schrift Cur deus homo (Warum wurde Gott Mensch?) entfaltet hat: Gott wurde Mensch, um so die einzig mögliche (weil einzig vor der Vernunft vertretbare) Weise der Erlösung des Menschengeschlechts Wirklichkeit werden zu lassen.[10]

Denn durch menschliche Sünden ist ein Verlust des ewigen Heils entstanden. Und dieser Verlust ist nur aufhebbar, indem Gott selbst Mensch wurde und in Jesus Christus, seinem Sohn, der ein Sühnopfer erleidet und dadurch die menschliche Schuld sühnt.[10] Anselm spricht von einer äußeren Ehre Gottes (gloria dei externa) und nicht von seiner persönlichen Ehre: Gottes eigene Ehre kann durch nichts, insbesondere nicht durch menschlichen Makel, angetastet werden.

Neuzeit[Bearbeiten]

Karl Barths neuzeitlicher Offenbarungstheorie zufolge hat sich Gott durch den Tod Jesu Christi offenbart und damit den Menschen von der Erbsünde erlöst.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Soteriologie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Gerhard Ludwig Müller: Soteriologie. In: Wolfgang Beinert (Hrsg.): Lexikon der katholischen Dogmatik. Herder, Freiburg im Breisgau 1997, S. 469.
  2. Dorothea Sattler: Erlösung? Lehrbuch der Soteriologie. Herder, Freiburg im Breisgau 2011, S. 57f.
  3. Karl Lehmann: "Er wurde für uns gekreuzigt." Eine Skizze zur Neubesinnung in der Soteriologie. In: Theologische Quartalschrift Jg. 162 (1982), S. 303.
  4. Gustaf Aulén: Die drei Haupttypen des christlichen Versöhnungsgedankens. In: Zeitschrift für Systematische Theologie 8 (1931), S. 501–538
  5. Gisbert Greshake: Der Wandel der Erlösungsvorstellungen in der Theologie. In: Gisbert Greshake: Gottes Heil – Glück des Menschen. Theologische Perspektiven. Herder, Freiburg im Breisgau 1983, ISBN 3-451-19965-3, S. 52–78.
  6. a b Lothar Ullrich: Soteriologische Modelle. In: Wolfgang Beinert (Hrsg.): Lexikon der katholischen Dogmatik. Herder, Freiburg im Breisgau 1997, S. 475
  7. Dorothea Sattler: Erlösung? Lehrbuch der Soteriologie. Herder, Freiburg im Breisgau 2011, S. 55.
  8. Hans von Campenhausen: Griechische Kirchenväter. Kohlhammer, Stuttgart 1955; 3. Auflage 1961, S. 9.
  9. Dorothea Sattler: Erlösung? Lehrbuch der Soteriologie. Herder, Freiburg im Breisgau 2011, S. 63.
  10. a b Dorothea Sattler: Erlösung? Lehrbuch der Soteriologie. Herder, Freiburg im Breisgau 2011, S. 132f.