Heinrich von Struve

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Heinrich Christian Gottfried von Struve (* 10. Januar 1772 in Regensburg; † 9. Januar 1851 in Hamburg) war ein deutscher Diplomat und Mineraloge. Er ist der Onkel von Gustav von Struve, dem Führer der Revolutionsbewegung in Baden 1848.

Leben[Bearbeiten]

Heinrich von Struve war der Sohn des russischen Agenten und späteren russischen Gesandten in Regensburg Anton Sebastian von Struve (* 2. April 1729 in Kiel; † 7. April 1802 in Greiz), der seit dem 11. Mai 1756 mit Sophia Dorothea geb. Reimers († 21. April 1795) verheiratet war. Sie war die Tochter des ehemaligen herzoglich holsteinischen Legations-Sekretärs Reimers am Reichstag in Regensburg. Das Paar hatte insgesamt sieben Kinder, von denen auch Struves ältere Brüder Johann Gustav von Struve (* 26. September 1763 in Regensburg; † 6. Mai 1828 in Karlsruhe) und Johann Georg von Struve (* 11. November 1766 in Regensburg; † 1. September 1831 in Jena) bedeutende Diplomaten wurden.[1]

Struve besuchte das Gymnasium seiner Heimatstadt, studierte in Erlangen Staatswissenschaften und kam etwa Anfang 1789 nach Bonn, vermutlich, um dort seine Schwester Susanna Maria († März 1789 in Bonn) zu besuchen, die mit dem vorübergehend in Bonn tätigen Diplomaten Johann Ludwig Dörfeld (1744–1829) verheiratet war. Struve blieb auch nach dem Tod seiner Schwester in Bonn und gehörte dort bald zu den engsten Freunden des jungen Beethoven. Am 30. Oktober 1792 schrieb Struve in das Stammbuch des Komponisten, das dieser vor seiner Abreise nach Wien als Geschenk erhielt:

„Bestimmung des Menschen.
Wahrheit erkennen, Schönheit lieben,
Gutes wollen, das Beste thun.
Bonn den 30ten October 1792.
Denk, auch ferne, zuweilen Deines
wahren aufrichtigen Freundes
Heinr. Struve aus Regensbrg.
in Russisch Kaiserl. Diensten
Symbol[um] Nach der Blüthe der Jugend erndte im reifern Alter
die Früchte der Weisheit ein.“[2]
 

Mit den ersten drei Zeilen zitiert Struve den jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn. Seine Unterschrift deutet an, dass er zu dieser Zeit bereits im russischen Staatsdienst war – vermutlich als Gehilfe seines Vaters. Ende des Jahres 1796 begleitete er den russischen Staatsrat Friedrich Melchior Baron von Grimm auf dessen Posten als Gesandter beim niedersächsischen Kreis in Hamburg und später nach Braunschweig. Von 1813 bis 1850 war Struve russischer Geschäftsträger in den Hansestädten Bremen, Hamburg und Lübeck. Er war in Hamburg Mitglied der Freimaurerloge Absalom zu den drei Nesseln.

Struve legte eine umfangreiche Mineraliensammlung[3] an, die 1820 vom Naturwissenschaftlichen Verein in Bremen erworben[4] wurde und heute zu den Beständen der Universität Bremen gehört.[5] Weitere Teile von Struves Sammlung sind im Fersman-Museum in Moskau erhalten. Struve war Mitbegründer eines naturwissenschaftlichen Museums in Hamburg und wurde am 10. August 1843 aus Anlass seines 50-jährigen Dienstjubiläums zum Ehrenbürger von Hamburg ernannt.

Der Chemiker Georg Ludwig Ulex benannte das Mineral Struvit nach Struve.

Heinrich von Struve heiratete 1801 Elisabeth Wilhelmine Sidonie Gräfin Oexle von Friedenberg (1780–1837). Dieser Ehe entstammte die Tochter Therese, die 1804 in Stuttgart geboren wurde.

Werke[Bearbeiten]

  • Mineralogische Beiträge, vorzüglich in Hinsicht auf Würtemberg und den Schwarzwald, Gotha: Ettinger 1807
  • Beiträge zur Mineralogie und Geologie des nördlichen Amerika’s. Nach Amerikanischen Zeitschriften bearbeitet, Hamburg: Perthes & Besser 1822, (online), Bayerische Staatsbibliothek digital
  • Briefe über den Kaukasus und Georgien vom Jahre 1812, von Freygang. Aus dem Französischen übersetzt, Wien: Strauß 1826
  • Dem Andenken des Königl. dänischen Etatsraths und Ritters, Caspar Freiherrn von Voght, gewidmet von einem seiner Freunde, Hamburg: Perthes-Besser & Mauke 1839

Literatur[Bearbeiten]

  • Max Braubach, Von den Menschen und dem Leben in Bonn zur Zeit des jungen Beethoven und der Babette Koch-Belderbusch, in: Bonner Geschichtsblätter, Band 23 (1969), S. 51–121, hier S. 57f.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Genealogische Tafel zur Familie Struve
  2. Max Braubach, Die Stammbücher Beethovens und der Babette Koch, 2. Aufl., Bonn 1995, S. 23
  3. Karl Cäsar Ritter von Leonhard: Taschenbuch für die gesammte Mineralogie, Band 15, Joh. Christ. Hermannsche Buchhandlung, Frankfurt/ M., 1821, S. 384 ff. (online)
  4. Es sind Zweifel an der Richtigkeit dieser Aussage angebracht. Denn u.a. im Hamburger Adressbuch von 1830 (und Folgejahren) wird auf S. 636 auf "die große werthvolle, und durch die vortreffliche systematische Anordnung und Auswahl der Exemplare ungemein lehrreiche Mineralien-Sammlung" hingewiesen.
  5. Sammler und andere wichtige Personen (online) der Geowissenschaftliche Sammlung der Universität Bremen