Heinrich von Struve

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Heinrich Christian Gottfried von Struve (* 10. Januar 1772 in Regensburg; † 9. Januar 1851 in Hamburg) war ein deutscher Diplomat und Mineraloge. Er ist der Onkel von Gustav von Struve, dem Führer der Revolutionsbewegung in Baden 1848.

Leben[Bearbeiten]

Heinrich von Struve war der Sohn des russischen Agenten und späteren russischen Gesandten in Regensburg Anton Sebastian von Struve (* 2. April 1729 in Kiel; † 7. April 1802 in Greiz), der seit dem 11. Mai 1756 mit Sophia Dorothea geb. Reimers († 21. April 1795) verheiratet war. Sie war die Tochter des ehemaligen herzoglich holsteinischen Legations-Sekretärs Reimers am Reichstag in Regensburg. Das Paar hatte insgesamt sieben Kinder, von denen auch Struves ältere Brüder Johann Gustav von Struve (* 26. September 1763 in Regensburg; † 6. Mai 1828 in Karlsruhe) und Johann Georg von Struve (* 11. November 1766 in Regensburg; † 1. September 1831 in Jena) bedeutende Diplomaten wurden.[1]

Struve besuchte das Gymnasium seiner Heimatstadt, studierte in Erlangen Staatswissenschaften und kam etwa Anfang 1789 nach Bonn, vermutlich, um dort seine Schwester Susanna Maria († März 1789 in Bonn) zu besuchen, die mit dem vorübergehend in Bonn tätigen Diplomaten Johann Ludwig Dörfeld (1744–1829) verheiratet war. Struve blieb auch nach dem Tod seiner Schwester in Bonn und gehörte dort bald zu den engsten Freunden des jungen Beethoven. Am 30. Oktober 1792 schrieb Struve in das Stammbuch des Komponisten, das dieser vor seiner Abreise nach Wien als Geschenk erhielt:

„Bestimmung des Menschen.
Wahrheit erkennen, Schönheit lieben,
Gutes wollen, das Beste thun.
Bonn den 30ten October 1792.
Denk, auch ferne, zuweilen Deines
wahren aufrichtigen Freundes
Heinr. Struve aus Regensbrg.
in Russisch Kaiserl. Diensten
Symbol[um] Nach der Blüthe der Jugend erndte im reifern Alter
die Früchte der Weisheit ein.“[2]
 

Mit den ersten drei Zeilen zitiert Struve den jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn. Seine Unterschrift deutet an, dass er zu dieser Zeit bereits im russischen Staatsdienst war – vermutlich als Gehilfe seines Vaters. 1796 bis 1798 war er als Sekretär der russischen Gesandtschaft in Hamburg tätig und 1813 bis 1850 russischer Geschäftsträger in den Hansestädten Bremen, Hamburg und Lübeck. Er war in Hamburg Mitglied der Freimaurerloge Absalom zu den drei Nesseln.

Struve legte eine umfangreiche Mineraliensammlung an, die 1820 vom Naturwissenschaftlichen Verein in Bremen erworben wurde und heute zu den Beständen der Universität Bremen gehört.[3] Weitere Teile von Struves Sammlung sind im Fersman-Museum in Moskau erhalten. Struve gründete daneben ein naturwissenschaftliches Museum in Hamburg und wurde am 10. August 1843 aus Anlass seines 50-jährigen Dienstjubiläums zum Ehrenbürger von Hamburg ernannt.

Der Chemiker Georg Ludwig Ulex benannte das Mineral Struvit nach Struve.

Werke[Bearbeiten]

  • Mineralogische Beiträge, vorzüglich in Hinsicht auf Würtemberg und den Schwarzwald, Gotha: Ettinger 1807
  • Beiträge zur Mineralogie und Geologie des nördlichen Amerika’s. Nach Amerikanischen Zeitschriften bearbeitet, Hamburg: Perthes & Besser 1822
  • Briefe über den Kaukasus und Georgien vom Jahre 1812, von Freygang. Aus dem Französischen übersetzt, Wien: Strauß 1826
  • Dem Andenken des Königl. dänischen Etatsraths und Ritters, Caspar Freiherrn von Voght, gewidmet von einem seiner Freunde, Hamburg: Perthes-Besser & Mauke 1839

Literatur[Bearbeiten]

  • Max Braubach, Von den Menschen und dem Leben in Bonn zur Zeit des jungen Beethoven und der Babette Koch-Belderbusch, in: Bonner Geschichtsblätter, Band 23 (1969), S. 51–121, hier S. 57f.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Genealogische Tafel zur Familie Struve
  2. Max Braubach, Die Stammbücher Beethovens und der Babette Koch, 2. Aufl., Bonn 1995, S. 23
  3. http://www.geosammlung.uni-bremen.de/sammlung/geschich/personen.php3