Heinrich Pallenberg (Möbelmanufaktur)

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Porträt des Firmengründers Johann Heinrich Pallenberg vom Maler Wilhelm Leibl
Prunkbuffet aus Eichenholz um 1900 im MAKK
Detail zum Prunkbuffet
Einzig erhaltenes Fenster des Pallenberg-Saales des Kunstgewerbemuseums am Hansaring
Pallenberg-Werbeanzeige um 1895

Die Möbelmanufaktur Heinrich Pallenberg (auch H. Pallenberg oder Heinr. Pallenberg) in Cöln war eine Möbelschreinerei und ein Ausstatter für hochwertige neogotische und historistische sowie Jugendstil-Inneneinrichtungen. Die 1827 gegründete Firma war gegen Ende des 19. Jahrhunderts die bedeutendste Möbelfabrik Preußens und bestand bis 1959.[1][2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Firmengründer Johann Heinrich Pallenberg entstammte einer kinderreichen Handwerkerfamilie aus Köln. Er begann zunächst eine Lehre in einer Brauerei, wechselte aber bald in die Lehre zu einem Kölner Tischlermeister, der sein zeichnerisches Talent entdeckte und förderte. Ab 1819 führten ihn seine Wanderjahre sowohl für neun Monate nach Brüssel als auch für vier Jahre ins damalige künstlerische Zentrum des Möbelhandwerks, nach Paris. Neben seiner handwerklichen Ausbildung erhielt er in Paris Zeichenunterricht beim Hofarchitekten Jakob Ignaz Hittorff. Seinen Militärdienst leistete er als Regimentsschreiner in Köln ab, was ihm nebenbei die Möglichkeit gab, im väterlichen Betrieb eine kleine Tischlerwerkstatt mit vier Gesellen zu betreiben.

Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1827 wurde Pallenberg aus dem Militärdienst entlassen und konzentrierte sich auf seine kleine Tischlerei H. Pallenberg, die sich zunächst auf Treppen- und Möbelbau spezialisierte. 1830 erwarb er eine ursprünglich von seinem Vater betriebene Weinschenke samt Weinanbau Am alten Ufer 41 in Köln. Pallenberg betrieb dort eine durch eine Roßmühle angetriebene Furnierschneiderei, eine der ersten dieser Art in Deutschland. Als erster Kölner Gewerbebetrieb schaffte Pallenberg 1836 zwei Dampfmaschinen zum Antrieb von vier Sägen an. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte er 36 Tischler und zwei Drechsler. Pallenberg entwickelte auch selbst eigene Maschinen für Intarsienarbeiten.[1]

Seit 1843 führte sein Bruder Franz Jakob Pallenberg (1808–1895) die inzwischen abgetrennte Furnierschneiderei eigenständig weiter, sodass sich Johann Heinrich Pallenberg neben der Herstellung von Stilmöbeln auch dem Geschäftszweig des hochwertigen Innenausbaus und der Innenausstattung widmen konnte. Dazu beschäftigte Pallenberg auch Bildhauer, Dekorateure und Tapezierer. In den 1850er Jahren erweiterten die Brüder Pallenberg ihr Geschäft um eine Teppichniederlage, eine Möbelstoffhandlung sowie um ein Spiegellager.[3] Im Bereich der kunstvollen Holzinnenarbeiten avancierte die Möbelmanufaktur H. Pallenberg zu einer der führenden Häuser und zum königlich-preußischen Hoflieferanten sowie zum k.u.k. Hoflieferanten. Die Kundenliste verzeichnete zahlreiche deutsche Adelshäuser und enthielt Namen bedeutender Industrieller. Selbst während der Revolutionsjahre 1848/49 konnten Umsatzeinbrüche durch Bestellungen aus den USA ohne große Verluste kompensiert werden.[4]

1861 zog sich Johann Heinrich Pallenberg aus dem Unternehmen zurück und übertrug am 7. Februar 1872 die Geschäfte auf seine Söhne Jakob und Franz.[5] Beide Söhne erhielten zuvor eine vergleichbare Ausbildung im Möbelhandwerk wie ihr Vater, einschließlich eines längeren Aufenthaltes in Paris. Dank des Einsatzes modernster Maschinen blieb das Unternehmen als Manufaktur am Übergang zur industriellen Fertigung auf höchsten Niveau erfolgreich.

Nach dem Tod seines Bruders Franz (1882) führte Jakob Pallenberg die inzwischen mit über 150 Beschäftigten größte Möbelfabrik in Preußen alleine weiter. Wie sein Vater war Jakob Pallenberg ein großer Kunstmäzen und stiftete eine große Anzahl wertvoller Kunstgegenstände für Kölner Museen. Sein Engagement als Stifter galt insbesondere dem neuen Kunstgewerbe-Museum. Im Jahr 1898 beauftragte er den Berliner Künstler Melchior Lechter mit dem Entwurf eines Prunk-Saales für das neue Haus am Hansaring. Die Fertigstellung des „Pallenberg-Saales“ erlebte Jakob Pallenberg nicht mehr.

Jakob Pallenberg verstarb 1900 unverheiratet auf einer Reise in Kairo. In seinem Testament verfügte er die Verwendung seines Vermögens für den Ausbau und die Einrichtung des Pallenberg-Saales[6] und zur Errichtung und Erhaltung einer Arbeitersiedlung in Köln-Weidenpesch. Die „Jakob Pallenbergs Arbeiterheim“-Siedlung wurde 1906 durch die Architekten Hans Verbeek und Balduin Schilling in Form einer Wohnanlage von 19 Einzelhäusern mit Nutzgärten fertiggestellt.[7]

Nach dem Tode von Jakob Pallenberg führte Louis Ziegler, ein Freund Pallenbergs und Teilhaber des Unternehmens seit 1895, die Manufaktur bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs erfolgreich weiter. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts beschäftigte die Firma 300 Beschäftigte.[8] Neben dem Ausbau des kronprinzlichen Palais in Tokio 1903 war H. Pallenberg auch an der Innenausstattung und Fertigung des Mobiliars des Restaurants im Berliner Hotel Adlon und des Ehrenfremden-Appartements[9], des Jagd- und Billardzimmer[10] sowie der Bibliothek[11] auf Schloss Drachenburg beteiligt. Später übernahmen bis 1932 Kommerzienrat und Generalkonsul Theodor Wanner und Arthur Thürmer die Firma H. Pallenberg.[12]

In den Jahren des Ersten Weltkriegs und in der Nachkriegszeit begann der wirtschaftliche Niedergang des Unternehmens. Trotz prestigeträchtiger Arbeiten an der Innenausstattung des Luxuswagens (Salonwagen) des Rheingold-Zugs, des Luftschiffs Graf Zeppelin, des Luxusdampfers Bremen und der Villa Gerling geriet das Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten. 1931/32 konnte die Existenz des Unternehmens nur noch durch Liquidation und Übergang in eine Auffanggesellschaft gerettet werden. Der gesamte Warenbestand des Ausstellunghauses am Kaiser-Friedrich-Ufer 23 wurde versteigert.[13][14] Trotz aller Rettungsbemühungen und Überführung in eine G.m.b.H. 1933 zunächst unter Leitung von Arthur Thürmer, nach dessen Tod ab 1935 durch Clärmargot Thürmer und Fritz Falk[15] erholte sich die Firma H. Pallenberg nicht mehr. Nach 1945 wurde die Produktion gehobener Ausstattung, Möbel und Innenausbau als Heinr. Pallenberg G.m.b.H. wieder aufgenommen, doch konnte sich die Manufaktur am Markt nicht mehr behaupten. Zum einen wandte sich die Kundschaft billigeren, industriell gefertigten Produkten zu, und zum anderen ging beim Ausbau öffentlicher Einrichtungen der Holzanteil aus brandschutztechnischen Gründen stark zurück. 1959 musste das völlig überschuldete Unternehmen, das zuletzt in der Wilhelm-Mauser-Straße 47 in Köln-Bickendorf produzierte, Insolvenz anmelden.[1][2][16]

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Heinrich Pallenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Jürgen Weise: Pallenberg, Johann Heinrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 20, Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-00201-6, S. 16 f. (Digitalisat).
  2. a b Jürgen Weise: Pallenberg, Jakob. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 20, Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-00201-6, S. 16 f. (Digitalisat).
  3. Klara von Eyll: In Kölner Adressbüchern geblättert. Greven Verlag, Köln 1978, ISBN 3-7743-0160-3, S. 59
  4. Jürgen Weise: Heinr. Pallenberg Für exquisites Ambiente: Luxusmöbel aus Köln. in: Mario Kramp, Ulrich S. Soénius (Hrsg.): Made in Cologne – Marken für die Welt. J.P. Bachem-Verlag, Köln 2. Auflage 2015. ISBN 978-3-7616-2750-1, S. 141–143
  5. Deutscher Reichsanzeiger und Königlich preussischer Staatsanzeiger, 1872, S. 830
  6. Gerhard Dietrich: Museum für angewandte Kunst Köln - Chronik 1888–1988. Stadt Köln (Hrsg.), Köln 1988, S. 44f.
  7. Arbeitersiedlung mit Erkern und Türmchen. ksta.de; abgerufen am 8. August 2015
  8. Clara E. Laeis: Corporate Citizenship: unternehmerische Bürgerkompetenz im Dienste einer Erneuerung der sozialen Marktwirtschaft: ein Mittelstandskonzept. Schriften des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Band 53, Münster 2005, ISBN 978-3-8258-8630-1, S. 79
  9. Ehrenfremden-Appartement. (Memento des Originals vom 24. September 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.schloss-drachenburg.de schloss-drachenburg.de; abgerufen am 9. August 2015
  10. Jagd- und Billardzimmer (Memento des Originals vom 24. September 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.schloss-drachenburg.de schloss-drachenburg.de; abgerufen am 9. August 2015
  11. Bibliothek (Memento des Originals vom 21. Januar 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.schloss-drachenburg.de schloss-drachenburg.de; abgerufen am 9. August 2015
  12. Adressbuch für Köln 1931. Greven, Köln 1931 S. 780
  13. Waren-Bestände der altrenommierten Möbel- und Ausstattungs-Firma Heinr. Pallenberg, Köln, Kaiser-Friedrich-Ufer 23: wegen Aufgabe des Ausstellungshauses; Versteigerung: 27. bis 30. Januar 1931 (Katalog Nr. 314). uni-heidelberg.de; abgerufen am 9. August 2015
  14. Qualitäts-Mobiliar und gesamte Warenbestände der altrenommierten Möbel- und Ausstattungsfirma Heinr. Pallenberg Köln, Kaiser-Friedrich-Ufer 23: Versteigerung: 10. und 11. Juni (Katalog Nr. 52). uni-heidelberg.de; abgerufen am 9. August 2015
  15. Klara von Eyll: In Kölner Adressbüchern geblättert. Greven Verlag, Köln 1978, ISBN 3-7743-0160-3, S. 61
  16. Quelle des Monats – Juni 2013 (Memento des Originals vom 24. September 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ihk-koeln.de ihk-koeln.de; abgerufen am 8. August 2015
  17. Rede von Herrn Oberbürgermeister Jürgen Roters anlässlich des Festakts zum 125-jährigen Bestehen des Museums für Angewandte Kunst Köln am 10.Juni 2013, 19Uhr, MAKK. (PDF) stadt-koeln.de; abgerufen am 9. August 2015