Heinrich Scholl

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Heinrich Scholl (* Januar 1943[1]) ist ein ehemaliger deutscher Politiker. Er war in den Jahren von 1990 bis 2008 Bürgermeister von Ludwigsfelde bei Berlin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinrich Scholl wuchs als Sohn eines Zechenarbeiters und einer Verkäuferin in Ludwigsfelde auf.[2] Nach einer Lehre als Werkzeugmacher und einem Studium an der Ingenieurschule Riesa machte er zunächst Karriere als Ingenieur bei den Automobilwerken Ludwigsfelde. Nachdem er sich gegenüber einer schwedischen Zuliefererdelegation über die schlechte wirtschaftliche Lage in der DDR geäußert hatte, verlor er seine Stellung und hatte mit einer Kaderakte, die ihn als Saboteur von Verhandlungen mit dem nicht-sozialistischen Ausland auswies, zunächst Probleme, eine adäquate Weiterbeschäftigung zu finden. Schließlich kam er als Technischer Leiter beim Zirkuskombinat Berolina und nach einer Beförderung in der Generaldirektion des DDR-Staatszirkus in Berlin unter. 1989 zog es ihn zurück nach Ludwigsfelde, wo er bis zum Beginn seiner politischen Laufbahn als Techniker für Sportanlagen arbeitete.[3]

Im Dezember 1989 war Heinrich Scholl an der Neugründung eines SPD-Ortsvereins in Ludwigsfelde beteiligt und betätigte sich als dessen 1. Sprecher.[4] Bereits im Jahr darauf wurde er nach der Kommunalwahl im Mai 1990 Bürgermeister von Ludwigsfelde. Er engagierte sich als Bürgermeister für den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Ortes und wurde zweimal in Folge wiedergewählt.[5] Im Januar 2008 legte er das Bürgermeisteramt aus Altersgründen nieder.[6]

Heinrich Scholl war von 1964 bis zum Tod seiner Ehefrau 2011 in erster Ehe verheiratet. Er hat einen unehelichen leiblichen Sohn und einen Adoptivsohn.[7]

Strafprozess[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bundesweit bekannt wurde Heinrich Scholl im Zuge von polizeilichen Ermittlungen, denen zufolge er seine Ehefrau ermordet hat. Diese verschwand am 29. Dezember 2011 und wurde zwei Tage später erdrosselt in einem Waldstück nahe Ludwigsfelde aufgefunden. Nach einem von großem Medieninteresse begleiteten Indizienprozess wurde Scholl im Mai 2013 am Landgericht Potsdam wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Der Bundesgerichtshof verwarf seine Revision im Februar 2014 als unbegründet.[8]

Nach der Verurteilung trat Heinrich Scholl aus der SPD aus.[9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Amtsblatt für die Stadt Ludwigsfelde. 11. Jahrgang, 23. Januar 2002; MJ: 18.10.2012 – Heute startet der Mord-Prozess gegen Heinrich Scholl. ludwigsfelde.de
  2. Anja Reich: Der Fall Scholl. S. 25f.
  3. Anja Reich: Der Fall Scholl. S. 52ff.
  4. Chronik der SPD Ludwigsfelde Abgerufen am 14. Februar 2019
  5. Julia Jüttner: Getötete Ehefrau: Ein Bürgermeister unter Mordverdacht. In: Der Spiegel. 18. Oktober 2012
  6. Anja Reich: Der Fall Scholl. S. 108.
  7. Anja Reich: Der Fall Scholl. S. 38 ff.
  8. Ex-Bürgermeister-Scholl muss lebenslang in Haft Abgerufen am 14. Februar 2019
  9. Anja Reich: Der Fall Scholl. S. 188.