Heisenhof

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Hauptgebäude, Zustand 2014

Der Heisenhof ist ein ehemaliges landwirtschaftliches Gut in der Ortschaft Barme der Gemeinde Dörverden. Der Hof gehörte von 2003 bis Herbst 2011 der Wilhelm-Tietjen-Stiftung für Fertilisation Ltd., deren Gesellschafter der inzwischen verstorbene rechtsextreme Rechtsanwalt Jürgen Rieger war.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Heisenhof, eigentlich Drübberanlage genannt, war 1686 bis 1839 ehemaliges Rittergut der Familie von Ramdohr. Im Februar 1758 fanden in unmittelbarer Nähe des Ramdohrschen Anwesens[1] erbitterte Gefechte zwischen französischen Truppen des Generals Chabot und kurhannoverschen Einheiten unter Prinz Ferdinand, dem Sohn des Herzogs von Braunschweig, statt, die hier den Übergang über die Weser erzwangen und sodann nach Hoya vorrückten. Gutsverwalter im Jahre 1762 war Johann Jacob Neynaber.

Das Anwesen war seit den 1930er Jahren bis zum Kriegsende Teil eines ca. 380 ha umfassenden Geländes der sogenannten Anlage Weser der Eibia GmbH[2], einer Munitionsfabrik, in der Zwangsarbeiter vor allem aus Osteuropa arbeiten mussten. 1945 bis 1949 war das Gelände von Besatzungstruppen beschlagnahmt. Von 1957 bis 1996 wurde der Heisenhof als Teil der Niedersachsen-Kaserne der Bundeswehr genutzt, zuletzt als Offizierskasino und Standortverwaltung. Die Bundeswehr hatte das Gelände von der Industrieverwaltungsgesellschaft in Bonn gemietet, an welcher der Bund damals beteiligt war.

Gut Drübber, Postkarte 1914

Im Jahre 2003 wurden die ehemals zum Standort gehörenden Grundstücke zum Kauf angeboten. Den Heisenhof nebst 2,6 ha Land erwarb die Wilhelm-Tietjen-Stiftung für Fertilisation Ltd. in einer Versteigerung für 255.000 €.[3] Im August 2006 wurde die Limited wegen eines fehlenden Geschäftsberichtes im britischen Register gelöscht. Das Amtsgericht Jena setzte im März 2007 einen Nachtragsliquidator für das Vermögen der Gesellschaft in Deutschland ein. Die Restgesellschaft sollte abgewickelt und die Immobilie verkauft werden. Seit Anfang Mai 2008 ist die Gesellschaft wieder aktiv. Die Nachlassverwaltung ist seit Juli 2008 rechtskräftig aufgehoben.

Seit 2009 wurde seitens des Landkreises versucht, den Heisenhof abreißen zu lassen; ein Gerichtsurteil im April 2011 entschied, dass dies, ungeachtet der Bedenken wegen des von 1988 bis 2006 bestehenden Denkmalschutzes, rechtmäßig sei.[4]

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Im Oktober 2011 wurde das gesamte Areal von der Wilhelm-Tietjen-Stiftung an den Kaufmann Rüdiger Meyer aus Kirchlinteln verkauft. Dieser beabsichtigte, aus dem ehemaligen Rittergut mit Hilfe von Investoren aus dem Mittleren Osten für 10 Millionen Euro ein Erholungszentrum mit Spa, Wellness und Hotel zu machen[5], das den Namen Gut Ramdohr tragen soll. Er kämpfte um den Erhalt der zahlreichen historischen Gebäude und gegen die bestehende Abrissverfügung[6]. Nach Aussagen des Landrates Peter Bohlmann sollte 2012 mit dem Abriss begonnen werden[7]. Wenn die Gebäude für etwa 200.000 Euro abgerissen werden, liegt für das Land jedoch keine Baugenehmigung vor. Kritische Stimmen aus dem „Weser-Aller-Bündnis: Engagiert für Demokratie und Zivilcourage“ befürchten, dass der neue Eigentümer nur ein Strohmann sei, der den drohenden Abriss verhindern solle und das Gelände später wieder an die rechte Szene übergibt. Entsprechende Hinweise wurden auch an den Landkreis Verden herangetragen. Dörverdens Bürgermeisterin Karin Meyer sagte, man werde die Ausstellung einer Baugenehmigung nur prüfen, wenn die Wirtschaftskraft und der Nutzen für die Allgemeinheit nachgewiesen werden könne, was derzeit nicht der Fall sei.

Im Jahre 2018 wurde das 22.000 Quadratmeter große Anwesen für 500.000 Euro zum Verkauf angeboten. Für die Gebäude besteht weiterhin eine gerichtlich bestätigte Abrissverfügung.[8]

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Heisenhof wurde nach Abzug der Bundeswehr bis zum Verkauf nur begrenzt wohnlich genutzt. Nach Abtrennung zum ehemaligen Kasernengrundstück bestand keine Sicherung der Abwasserentsorgung mehr. Dieses nahm die Untere Bauaufsichtsbehörde des Landkreises Verden zum Anlass, die Nutzung des Heisenhofs durch die Eigentümerin und deren Mieter zu untersagen.[9] Aufgrund fehlender rechtswirksamer Baugenehmigungen und der ungeklärten Abwasserentsorgung ist die Nutzung der Immobilie nur sehr beschränkt möglich. Eine Sammlung von Wehrmachts- und anderen Militärfahrzeugen, die Rieger nach einem Brandanschlag hierher verbracht hatte, ließ der Nachlassliquidator entfernen. Gleichwohl diente der Heisenhof weiterhin als regionaler Treffpunkt der Neonazi-Szene.

Bürgerinitiative[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Demonstration gegen Rechtsextremismus vor dem Heisenhof

Nachdem bekannt wurde, dass Rieger hinter dem Erwerb des Heisenhofes durch die Wilhelm-Tietjen-Stiftung steht, bildete sich eine Bürgerinitiative. Die Initiatoren befürchteten den Aufbau eines bundesweiten Schulungszentrums für Rechtsextremisten. Demonstrationen zum Protest gegen die Rechtsextremisten fanden wiederholt statt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinrich Gade: Geschichte des Fleckens Hoya Kapitel III, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Niedersachsen, Jahrgang 1866, S. 185 ff., S.191 ff. Historischer Verein für Niedersachsen, Hahn'sche Hof-Buchhandlung Hannover 1867 Vorschau bei books.google.de
  2. Eibia GmbH-Anlage „Weser“, Munitionsfabrik, Beschreibung
  3. Sie marschieren wieder … : Der Heisenhof: Ein- und Aussichten, Herausgeber und Verlag: Bremer Tageszeitungen AG, 2005, ISBN 3-938795-00-X
  4. Rechtes Schulungszentrum in Niedersachsen: Der Heisenhof ist am Ende in taz.de, 22. April 2011; abgerufen 23. April 2011
  5. [1] Wellness und Freizeit auf dem Heisenhof, kreiszeitung.de 6. Oktober 2011
  6. http://www.gegendenabriss.de/
  7. http://www.weser-kurier.de/Artikel/Region/ACHIMER-KURIER/458649/Noch-keine-Investoren-fuer-den-Heisenhof.html
  8. Zu verkaufen: 500.000 Euro für den Heisenhof bei ndr.de vom 12. März 2018
  9. Nds. Oberverwaltungsgericht vom 11. Mai 2005

Koordinaten: 52° 48′ 57″ N, 9° 11′ 50″ O