Hellmuth Rössler

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Hellmuth Rössler (* 26. Januar 1910 in Dresden; † 21. August 1968 in Maria Rain (Kärnten)) war ein deutscher Historiker.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hellmuth Rössler studierte ab 1929 Rechts- und Staatswissenschaften sowie Geschichte an den Universitäten Erlangen, Wien und Leipzig. In Erlangen schloss er sich vier Semester lang dem Corps Baruthia im Kösener S.C. Verband an.[1] 1933 wurde er zum Dr. iur. promoviert mit einer Arbeit über die preußischen Grundpfandgesetzgebung im 17. und 18. Jahrhundert vor dem Jahre 1780. Nachdem er anfänglich eine Laufbahn im Staatsdienst geplant hatte, wandte er sich seit 1934 verstärkt historischen Studien zu.

Im Jahr 1933 wurde er Mitglied in dere SA. 1937 stellte er einen Antrag auf Aufnahme in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, wurde jedoch erst 1940 als Parteimitglied registriert. Er war zudem Mitglied im Nationalsozialistischen Altherrenbund und im Nationalsozialistischen Rechtswahrerbund[2] 1937 arbeitete er als Referent im Hauptamt für Nationalsozialistische Volkswohlfahrt. Seit 1941 gehörte er dem Beirat des Reichsinstituts für Geschichte des neuen Deutschlands an und publizierte in dessen Verlag das dreibändige Werk Österreichs Kampf um Deutschlands Befreiung. Nachdem er sich in Wien bei Heinrich von Srbik habilitiert hatte, war er ab 1942 Universitätsdozent an der Universität Wien. Ende 1943 wurde er außerordentlicher Professor für Neuere Geschichte an der Universität Innsbruck.

In der Nachkriegszeit in Deutschland arbeitete er zunächst als freier Schriftsteller in Erlangen. Später kehrte er in den Hochschuldienst zurück und war seit 1950 außerplanmäßiger Professor an der Universität Erlangen, bevor er 1955 auf den Lehrstuhl für Neuere Geschichte an der Technischen Universität Darmstadt berufen wurde. 1959 konnte er Wilhelm Schüßler an die TH Darmstadt binden.

Rössler erregte im Januar 1966 durch eine Vortragsäußerung bei einer Tagung der Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen Aufsehen, wonach Polen die deutschen Ostgebiete nicht benötigen würde, da im Zweiten Weltkrieg fünf Millionen Polen ums Leben gekommen seien. Trotz heftiger Kritik aus der Presse blieb diese Meinung folgenlos.

In seiner Eigenschaft als Geschichtsprofessor der TH Darmstadt wurde er auch Mitglied der Historische Kommission für Hessen.[3]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Soldat des Reiches Prinz Eugen. Stalling, Oldenburg u. a. 1934.
  • Österreichs Kampf um Deutschlands Befreiung. Die deutsche Politik der nationalen Führer Österreichs 1805–1815. 2 Bände. Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg 1940.
  • mit Günther Franz: Biographisches Wörterbuch zur deutschen Geschichte. Oldenbourg, München 1952.
  • Fränkischer Geist, deutsches Schicksal. Ideen, Kräfte, Gestalten in Franken. 1500–1800 (= Die Plassenburg. Bd. 4, ZDB-ID 504385-2). Baumann, Kulmbach 1953.
  • Größe und Tragik des Christlichen Europas. Europäische Gestalten und Kräfte der deutschen Geschichte vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart. Diesterweg, Frankfurt am Main u. a. 1955.
  • Europa im Zeitalter von Renaissance, Reformation und Gegenreformation, 1450–1650 (= Weltgeschichte in Einzeldarstellungen. Bd. 4, ZDB-ID 1173479-6). Bruckmann, München 1956.
  • mit Günther Franz: Sachwörterbuch zur deutschen Geschichte. Oldenbourg, München 1958.
  • Deutsche Geschichte. Schicksale des Volkes in Europas Mitte. Bertelsmann, Gütersloh 1961.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Fischer: Hellmuth Rössler †. In: Historische Zeitschrift, Bd. 209 (1969), S. 254–256 (online)
  • Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3-596-16048-8, S. 503.
  • Kristof Lukitsch: ‚Braune Anfänge‘: Die Darmstädter Geschichtswissenschaft der Nachkriegszeit. In: Christoph Dipper, Jens Ivo Engels (Hrsg.): Karl Otmar von Aretin. Historiker und Zeitgenosse. Peter Lang Edition, Frankfurt am Main 2015, ISBN 3-631-66614-4, S. 149–172.
  • Rößler, Hellmuth. In: Fritz Fellner, Doris A. Corradini: Österreichische Geschichtswissenschaft im 20. Jahrhundert. Ein biographisch-bibliographisches Lexikon (= Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs. Band 99). Böhlau, Wien 2006, ISBN 3-205-77476-0, S. 349.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kristof Lukitsch: ‚Braune Anfänge‘: Die Darmstädter Geschichtswissenschaft der Nachkriegszeit. In: Christoph Dipper, Jens Ivo Engels (Hrsg.): Karl Otmar von Aretin. Historiker und Zeitgenosse. Frankfurt am Main 2015, S. 149–172, hier: S. 156, Anm. 33.
  2. Kristof Lukitsch: ‚Braune Anfänge‘: Die Darmstädter Geschichtswissenschaft der Nachkriegszeit. In: Christoph Dipper, Jens Ivo Engels (Hrsg.): Karl Otmar von Aretin. Historiker und Zeitgenosse. Frankfurt am Main 2015, S. 149–172, hier: S. 155.
  3. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3-596-16048-8, S. 503.