Henning Ernst Müller

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Henning Ernst Müller (* 1961 in Leverkusen) ist ein deutscher Rechtswissenschaftler und Kriminologe. Er hat den Lehrstuhl für Strafrecht, Kriminologie, Jugendstrafrecht und Strafvollzug an der Universität Regensburg[1] inne.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Henning Ernst Müller besuchte das Leverkusener Carl-Duisberg-Gymnasium bis zum Abitur 1981. Er leistete Zivildienst und studierte von 1983 bis 1988 Rechtswissenschaft an der Freien Universität Berlin. Anschließend war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl von Ulrich Eisenberg. Von 1991 bis 1994 war er Referendar im Bezirk des Kammergerichts. 1992 promovierte Henning Ernst Müller an der Freien Universität Berlin mit der Dissertation "Behördliche Geheimhaltung und Entlastungsvorbringen des Angeklagten". [2]

Nach dem zweiten juristischen Staatsexamen war er wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl seines Doktorvaters Ulrich Eisenberg. Im Sommer 1999 habilitierte er sich an der FU mit der Schrift "Falsche Zeugenaussage und Beteiligungslehre".[3] Müller erhielt die venia legendi für Strafrecht, Strafprozessrecht, Kriminologie, Jugendstrafrecht und Strafvollzug.

Nach einer Lehrstuhlvertretung wurde Müller im Juli 2000 als Nachfolger von Klaus Rolinski auf den Lehrstuhl für Strafrecht, Kriminologie, Jugendstrafrecht und Strafvollzug an der Universität Regensburg berufen und zum Universitätsprofessor ernannt. Von 2004 bis 2006 war er Dekan der Juristischen Fakultät. Müller ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Wissenschaftliche Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2009 ist er Autor auf dem juristischen Beck-Blog und äußert sich zu bundesweit bekannt gewordenen Fällen, wie dem Fall Gustl Mollath,[4] dem Unglück bei der Loveparade 2010[5] und dem Brandanschlag von Altena.[6][7] Daneben publiziert er unter anderem auch in Telepolis, Legal Tribune Online und Carta.

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konsequenzen aus dem Fall Anis Amri[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der rechtspolitischen Diskussion nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche vertritt Müller die Position, dass keine neuen Gesetze zur Terrorbekämpfung notwendig seien. Vielmehr liege ein Vollzugsdefizit vor.[8] In einem Rechtsgutachten, das er im Januar 2017 als Gutachter im Auftrag der Landtagsfraktion der FDP Nordrhein-Westfalen verfasste, vertrat Müller die Meinung, es seien im Vorfeld des Anschlages nicht alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft worden, gegen den späteren Attentäter Anis Amri vorzugehen.[9] Er widersprach so der Aussage des nordrheinwestfälischen Innenministers Ralf Jäger, der gesagt hatte, die Gesetzeslage hätte keine weiteren Schritte gegen Amri erlaubt.[10]

Zu den §§ 113, 114 StGB[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 2017 äußerte Müller sich als Sachverständiger vor dem Bundestagsausschuss für Recht und Verbraucherschutz[11] zu der Frage, ob das Gesetz zum Schutz von Vollstreckungsbeamten und Rettungskräften verschärft werden solle.[12] Er verneinte diese Frage und sagte, er sehe kein kriminologisches Bedürfnis, das erst 2011 verschärfte Gesetz weiter zu verschärfen.[13]

"Hoffriedensbruch"[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Thema Einbruch in Tierställe kritisiert er die Vereinbarung im Koalitionsvertrag, den Einbruch in Tierställe als Straftatbestand zu ahnden.[14] Es sei nicht zu rechtfertigen, Tierställe besser zu schützen als Wohnungen. Zudem würde ein neuer Straftatbestand sich nicht auf Freisprüche, wie den vom Oberlandesgericht Naumburg bestätigten [15], auswirken, da der rechtfertigende Notstand (§ 34StGB) als allgemeine Vorschrift auch hier gelten werde.[16]

Zur Notwehr bei Schweigegelderpressung (Chantage)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

siehe sein gleichnamiger Aufsatz in NStZ 1993, S. 366–368.

Interview[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lehrstuhl für Strafrecht, Kriminologie, Jugendstrafrecht und Strafvollzugsrecht
  2. erschienen bei Mohr Siebeck Tübingen 1992
  3. erschienen bei Mohr Siebeck Tübingen 2000
  4. Der „Fall Mollath“ im beck-blog, veröffentlicht am 7. Juli 2014
  5. Loveparade Duisburg 2010 - Fahrlässigkeiten, 21 Tote, keine Hauptverhandlung? Diskussion über die juristische Aufarbeitung des Unglücks bei der Loveparade
  6. Hauptverhandlung zum Brandanschlag in Altena - immer noch kein politisches Motiv?, veröffentlicht am 9. Juli 2016
  7. Liste der Veröffentlichungen auf beck-blog
  8. Neue Gesetze gegen Terror?
  9. Gutachten
  10. SZ: NRW-Innenminister Jäger verteidigt Behörden im Fall Amri
  11. LTO, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte: Regierung beschließt umstrittene Reform
  12. Pressemitteilung 17. März 2017
  13. Stellungnahme (pdf, 18 Seiten)
  14. Markus Sehl, Stalleinbrüche von Tierschützern: Kommt neue Straftat "Hoffriedensbruch"?
  15. LTO: OLG bestätigt Freisprüche für Aktivisten, Tierschutz ist notstandsfähig
  16. Strafrechtsreform der GroKo auf Abwegen: "Stalleinbruch" als Sondertatbestand? veröffentlicht am 6. März 2018 auf Beck-Blog