Herbert Reischauer

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Herbert Reischauer (* 18. Mai 1909 in Erfurt; † Februar 1945 in Posen) war ein deutscher Jurist und SS-Führer.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reischauer als Teilnehmer der Besprechung am 6. März 1942

Reischauer absolvierte ein Studium der Rechtswissenschaft und promovierte später zum Dr. jur. Kurz vor der Machtübergabe an die Nationalsozialisten trat er 1932 der NSDAP (Mitgliedsnummer 1.215.234) und SS (SS-Nr. 31.653) bei. Nach dem Studium schlug er die höhere Beamtenlaufbahn ein und war zunächst Regierungsassessor. Ab 1933 leitete er die Abteilung Rechtspolitik im Gaurechtsamt Hessen-Nassau der NSDAP. Zudem war er Gaupresse- und Gaupropagandawart beim Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen (BNSDJ). 1936 wurde er Referent beim Stab des Stellvertreters des Führers. Zum Regierungsrat befördert wurde er im Januar 1938 Schulungsleiter der Reichsleitung der NSDAP und zwischenzeitlich im Zuge des „Anschlusses“ von Österreich von März bis Juli 1938 Referent beim „Reichskommissar für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Reich“ Josef Bürckel. Zum Oberregierungsrat befördert war er ab 1940 im Braunen Haus, der NSDAP-Parteizentrale, in München tätig. Im März und Oktober 1942 nahm er in dieser Funktion an den Folgekonferenzen der Wannseekonferenz zur „Endlösung der Judenfrage“ im Eichmann-Referat teil. Mitte Juli 1942 wurde er zum SS-Obersturmbannführer befördert, dem höchsten Rang, den er innerhalb der SS erreichte.[1]

Im Dezember 1943 wechselte er zur Reichsstatthalterei im Reichsgau Wartheland, wo er als Nachfolger Herbert Mehlhorns die Abteilung I (Allgemeine, innere und finanzielle Angelegenheiten) leitete und für die Judenpolitik im Warthegau zuständig war. Reischauer „koordinierte die logistische Betreuung der zweiten Phase des Vernichtungslagers Kulmhof im Frühjahr und Sommer 1944.“[2] Er wurde 1944 zum leitenden Regierungsdirektor befördert.[3] Während der Schlacht um Posen befand er sich in der Festung Posen und wurde seit Februar 1945 vermisst.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main 2007, S. 490
  2. Michael Alberti: Die Verfolgung und Vernichtung der Juden im Reichsgau Wartheland 1939–1945; Wiesbaden: Harrassowitz, 2006, ISBN 978-3-447-05167-5, S. 59
  3. Andrea Loew: Deutsches Reich und Protektorat September 1939 – September 1941 (= Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945 Bd. 3). Oldenbourg, München 2012, ISBN 978-3-486-58524-7, S. 501, Anmerkung 4