Herbert Schoner

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Herbert Schoner (* 1939; † 22. Dezember 1971 in Kaiserslautern) war ein deutscher Polizeibeamter, der bei einem Banküberfall von Terroristen der Rote Armee Fraktion (RAF) erschossen wurde. Er war nach dem Polizisten Norbert Schmid das zweite Mordopfer der RAF.

Schoner hatte den Dienstgrad eines Polizeiobermeisters. Im Jahr 1968 war er Staffelführer einer Polizei-Hundestaffel im Polizeibezirk Kaiserslautern.[1]

Am 22. Dezember 1971 unternahmen sieben RAF-Mitglieder einen Überfall auf die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank in Kaiserslautern, Fackelstraße 29[2][3] und erbeuteten 134.000 DM. Der damals 32-jährige Schoner wurde vor der Bankfiliale auf einen roten Kleinbus aufmerksam, der im Haltverbot stand. Als er den Fahrer kontrollieren wollte, schoss dieser sofort. Der Polizist schaffte es, sich verletzt zur Eingangstür zu schleppen. Dort traf er auf die hinausstürzenden Terroristen, die ihn erschossen.[4]

Am Tag nach dem Überfall, als die Täterschaft noch nicht geklärt war, brachte die Zeitung Bild die Schlagzeile „Baader-Meinhof-Bande mordet weiter“. Dies nahm der deutsche Schriftsteller Heinrich Böll zum Anlass für den kritischen Artikel Will Ulrike Gnade oder freies Geleit? im Magazin Der Spiegel, in dem er die Bild-Schlagzeile über den Mord an Schoner als „Aufforderung zur Lynchjustiz“ bezeichnete, da die Polizei zu jenem Zeitpunkt lediglich vorsichtige Vermutungen über eine Täterschaft der RAF angestellt hatte.[5] Nach Abschluss der Ermittlungen konnte lediglich Klaus Jünschke die Beteiligung am Überfall nachgewiesen werden. Wegen gemeinschaftlichen Mordes und anderer Verbrechen wurde er 1977 zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt.

Schoner hinterließ eine Frau und zwei Kinder.[6] Er wurde am 24. Dezember 1971 in Weilerbach bei Kaiserslautern beigesetzt. An seinem Begräbnis nahmen zirka 1000 Menschen teil, darunter 400 Polizisten. Heinz Schwarz, der damalige Innenminister von Rheinland-Pfalz, versprach in seiner Rede an Schoners Grab einen besseren Schutz für Polizisten.[7]

Der Banküberfall und die Ermordung Schoners werden im Spielfilm „Baader“ aus dem Jahr 2002 dargestellt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geschichte der Hundestaffel Kaiserslautern (Memento vom 7. September 2012 im Webarchiv archive.is)
  2. KRIMINALITÄT: Mao im Paß. In: Der Spiegel. Nr. 4, 1972 (online).
  3. http://www.polizei.rlp.de/internet/nav/9a8/9a8509c6-071a-9001-be59-2680a525fe06%26_ic_uCon%3D31f2005a-0493-1101-44b9-4615af5711f8%26conPage%3D1%26conPageSize%3D50.htm (Memento vom 6. Februar 2007 im Internet Archive)
  4. Splitter in den Seelen, Magazin Focus v. 13. Oktober 1997, S. 68
  5. Andreas Musolff: Terrorismus im öffentlichen Sprachgebrauch: seine Umdeutung zum Kriegsgeschehen und die Folgen@1@2Vorlage:Toter Link/www.dur.ac.uk (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF; 76 kB), Beitrag zur Konferenz "Terrorismus und innere Sicherheit in der Bundesrepublik der 1970er Jahre", Universität Bielefeld im Oktober 2004, Seite 7
  6. Von den Opfern redet keiner, Stuttgarter Zeitung v. 7. Februar 2007, S. 29.
  7. Meldung der dpa v. 24. Dezember 1971