Herbert Steffen

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Herbert Steffen (* 18. Oktober 1934 in Mastershausen im Hunsrück) ist Gründer und Vorsitzender der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) und ehemaliger Möbelfabrikant.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1947 bis 1957 besuchte Steffen neun Jahre das bischöfliche Internat Albertinum in Gerolstein in der Eifel.[1] Er entschied sich trotz Anmeldung zum Priesterseminar[2] für ein Studium der Betriebswirtschaft an der Universität Köln, was er als Diplom-Kaufmann abschloss.

1969 übernahm er die Geschäftsführung der Firma Steffen Möbel in Mastershausen und spezialisierte diese auf Schlafraummöbel. 1973 führte er in dem Unternehmen die betriebliche Gewinnbeteiligung für die Mitarbeiter ein. 1990 erfolgte der Gang an die Börse mit der Steffen AG. In der Spitze hatte die Steffen-Gruppe 2000 Mitarbeiter. Steffen war mehrere Jahre Vorsitzender des Verbandes der Holz- und Kunststoffverarbeitenden Industrie Rheinland-Pfalz und Mitglied in verschiedenen Ausschüssen des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie sowie des Messebeirats der kölnmesse. Von 1985 bis 1986 war er Mitglied des Verwaltungsrates der Stiftung wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung. Ende der 1990er Jahre schied Steffen aus der Steffen AG aus. Sie wurde 2009 von den Rauch Möbelwerken mit dem Produktionsstandort Mastershausen übernommen.[3]

Er ist mit Ingrid Steffen-Binot verheiratet und hat erwachsene Kinder.

Gesellschaftliches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herbert Steffen ist ehemaliges Mitglied des Diözesanrates der Diözese Trier. Mitte der 1980er Jahre trat er aus der Kirche aus. Im Zuge der Aufdeckung des katholischen Missbrauchssystems äußerte sich Steffen zu den Verhältnissen im Internat Albertinum des Bistums Trier,[1] unterstützte deutschlandweite Strafanzeigen gegen Sexualstraftäter der Kirche, förderte Gerichtsverfahren von Missbrauchsopfern[4] und sorgte für Unterstützung bei den Forderungen nach Schadensersatz und Aufklärung.[5][6] Der Focus schrieb, dass sich Steffen heute so weit von der katholischen Kirche entfernt habe, wie es nur möglich scheint.[7] Zu seinem Kirchenaustritt sagte er in der Rückschau, dass sein Leben enorm an Qualität gewonnen habe, seitdem er "diesen Seelenballast von Sünde, Schuld und Strafe über Bord geworfen" habe. Er sei eigentlich erst Mensch geworden, als er erkannt habe, dass "meine Konfliktsituation künstlich herbeigezaubert worden war von der Kirche. Das hat mich plötzlich frei gemacht."[8]

Nachdem er das kirchenkritische Werk Karlheinz Deschners entdeckt hatte, engagierte er sich als dessen Mäzen.[9] Seit dem im Jahr 1994 erschienenen vierten Band dankte ihm Deschner in jedem der nachfolgenden Bände der zehnbändigen Kriminalgeschichte des Christentums für seinen "selbstlosen Beistand". Steffen beschrieb seine Zusammenarbeit mit Deschner wie folgt: "Wir denken gemeinsam darüber nach, was er delegieren kann, um sich ganz auf die kreative Seite zu konzentrieren. Was ich tun kann, was er mich tun lässt, um ihm die große Arbeit möglichst zu erleichtern, das tue ich."[10] Steffen tritt darüber hinaus philanthropisch für einen breiten Kreis von humanistisch und säkular orientierten Personen und Organisationen in Erscheinung.

2004 gründete er mit Michael Schmidt-Salomon die evolutionär-humanistische Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) als "Denkfabrik für Humanismus und Aufklärung" – zunächst mit Sitz in Mastershausen, ab 2011 im Haus Weitblick in Oberwesel.[11] Steffen sagte zu der Motivation seines Engagements:[12]

"Es reicht nicht aus, bloß zu kritisieren, was falsch läuft, du musst zeigen, wie es besser laufen könnte."

In den folgenden Jahren förderte und begleitete er mit der gbs die Gründungen der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid), des Humanistischen Pressedienstes (hpd), des Zentralrats der Ex-Muslime, des Instituts für Weltanschauungsrecht (ifw), der Säkularen Flüchtlingshilfe und des Hans-Albert-Instituts (HAI).

Varia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Spiegel bezeichnete 2007 das Haus von Herbert Steffen als das "Hauptquartier der deutschen Ungläubigen".[13]

Im Magazin diesseits sagte er 2014: „Die Kraft, die ich früher in meine Liebe zum Gott der Bibel investiert habe, investiere ich heute in Menschen.“[14]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Christian Altmayer: Kriminalität: Tatort Albertinum: Mehr Fälle, mehr Opfer. Volksfreund Trier, 2018, abgerufen am 18. Mai 2020.
  2. Hermann Gieselbusch: Die Freuden der Aufklärung. (Interview) Interview mit dem deutschen Unternehmer Herbert Steffen. In: Karlheinz Deschner. Leben, Werke, Resonanz. Herrmann Gieselbusch, 1994, abgerufen am 18. Oktober 2015.
  3. Möbelwerke_Mastershausen. Abgerufen am 18. Mai 2020.
  4. Chronik: Vorbereitungsteam. weltanschauungsrecht.de, 2017, abgerufen am 18. Mai 2020.
  5. "Sorgen Sie endlich für Transparenz und Gerechtigkeit!" giordano-bruno-stiftung.de, 13. März 2020, abgerufen am 18. Mai 2020.
  6. Bild v.l. Herbert Steffen, Christian Pfeiffer, Jacqueline Neumann, Michael Schmidt-Salomon. https://www.giordano-bruno-stiftung.de/, 2020, abgerufen am 18. Mai 2020.
  7. FOCUS Online: Gerolstein: Missbrauch im Internat Albertinum: Mehr Fälle, mehr Opfer. 26. September 2018, abgerufen am 18. Mai 2020.
  8. Aufklärung im 21. Jahrhundert: Herbert Steffen (1934). Abgerufen am 18. Mai 2020.
  9. Frank Nicolai: Zum 80. Geburtstag von Herbert Steffen. hpd, 18. Oktober 2014, abgerufen am 18. Mai 2020.
  10. Die Freuden der Aufklärung. Interview mit dem deutschen Unternehmer Herbert Steffen. In: Gieselbusch, Herrmann (Hrsg.): Karlheinz Deschner. Leben, Werke, Resonanz. Rowohlt-Verlag, Reinbek 1994; S. 20–27.
  11. Neuer Stiftungssitz in Oberwesel. giordano-bruno-stiftung.de, 2011, abgerufen am 18. Mai 2020.
  12. bruno. Das Jahresmagazin der Giordano-Bruno-Stiftung 2019 (PDF; 7,8 MB), S. 14.
  13. Ansbert Kneip: „Beten verboten!“ In: DER SPIEGEL 22/2007. 26. Mai 2007, abgerufen am 18. Mai 2020.
  14. Arik Platzek: Das Herz des evolutionären Humanismus. In: Diesseits. HVD, 2014, abgerufen am 18. Mai 2020.