Giordano-Bruno-Stiftung

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Giordano-Bruno-Stiftung

(gbs)

Logo der Giordano-Bruno-Stiftung
Rechtsform: Stiftung des bürgerlichen Rechts
Zweck: Förderung des evolutionären Humanismus
Vorsitz: Herbert Steffen
(1. Vorsitzender)
Michael Schmidt-Salomon
(Vorstandssprecher)
Bestehen: seit 30. März 2004
Stifter: Herbert Steffen
Sitz: Oberwesel
Website: www.giordano-bruno-stiftung.de

Die Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) ist eine gemeinnützige Stiftung des bürgerlichen Rechts, die sich die Förderung des evolutionären Humanismus zum Ziel gesetzt hat. Sie wurde 2004 vom Unternehmer Herbert Steffen gegründet. Vorstandssprecher der Stiftung ist Michael Schmidt-Salomon, der in ihrem Auftrag das Manifest des evolutionären Humanismus geschrieben hat. Von Beginn an war die Stiftung insbesondere dem Werk des Religions- und Kirchenkritikers Karlheinz Deschner verpflichtet. Sie ist nach dem ehemaligen Dominikanermönch Giordano Bruno benannt. Sitz der Stiftung ist seit September 2011 Oberwesel in Rheinland-Pfalz.

Ziele und Stiftungszweck[Bearbeiten]

Die Giordano-Bruno-Stiftung hat eine naturalistische, humanistische und religionskritische Ausrichtung und vertritt die Ansicht, dass Religionen „die kulturelle Evolution der Menschheit bis heute auf unheilvolle Weise beeinflussen“. Sie fordert eine „Leitkultur Humanismus und Aufklärung“, um sowohl den Überlegungen einer „deutschen (christlichen) Leitkultur“ als auch einem politisch indifferenten Multikulturalismus entgegenzutreten.[1] Die Stiftung sammelt Erkenntnisse der Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften, um ihre Bedeutung für das humanistische Anliegen eines „friedlichen und gleichberechtigten Zusammenlebens der Menschen im Diesseits“ herauszuarbeiten. Auf diese Weise sollen die „Grundzüge einer säkularen, evolutionär-humanistischen Ethik“ entwickelt und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.[2][3]

Name der Stiftung[Bearbeiten]

Die Stiftung ist nach dem Dominikanermönch Giordano Bruno benannt, der im Jahre 1600 von der Heiligen Inquisition als Ketzer verurteilt und auf dem Scheiterhaufen hingerichtet wurde. Bruno hatte die Richtigkeit des geozentrischen Weltbildes bezweifelt und sich zum heliozentrischen Weltbild bekannt. Außerdem hatte er für die Hypothese eines „unendlichen Universums“ und einer „Vielheit der Welten“ argumentiert und eine Weltanschauung vertreten, die als pantheistisch und naturalistisch zu charakterisieren ist.

Die Gründer der Stiftung entschieden sich für Bruno als Namensgeber, da er eine damals „unzeitgemäße Philosophie“ vertreten habe, in der sich bereits „Grundzüge einer nicht-dualistischen, naturalistischen Welterkenntnis“, „Überlegungen zur biologischen Abstammungslehre“ und Elemente einer „evolutionär-humanistischen Ethik“ finden, welche auch „die Rechte nichtmenschlicher Organismen einschließen“. Zudem seien von Bruno „wesentliche Impulse für die Entwicklung der modernen Religionskritik“ ausgegangen.[4]

Leitbild der Stiftung[Bearbeiten]

Die Philosophie, welcher sich die Stiftung unter dem Begriff des evolutionären Humanismus verschrieben sieht, kann auf den britischen Biologen Julian Huxley, den ersten Generalsekretär der UNESCO und Mitbegründer der Internationalen Humanistischen und Ethischen Union, zurückgeführt werden. Huxley prägte den Begriff Anfang der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts, als er sich für eine neue Religion aussprach, die mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen kompatibel ist. Er verstand darunter eine philosophische Sichtweise, die einerseits auf das Wohl aller Menschen ausgerichtet ist, andererseits aber nicht den Fehler mache, sich den traditionellen Illusionen über das Menschsein hinzugeben.[5] Julian Huxley teilte auch nicht den Glauben an die Existenz einer separierten und übernatürlichen Sphäre, welcher im Zentrum traditioneller Religionen wie des Christentums oder des Islam steht. Alle Phänomene verstand Huxley als Teil eines natürlichen Prozesses der Evolution, weshalb er sich für eine Distanzierung von traditionellen religiösen und gottzentrierten Denkmustern und für eine Perspektive aussprach, in deren Mittelpunkt evolutionäre Denkmuster und eine naturalistische Sichtweise stehen. Huxley plädierte dafür, dass ein Ersatz für die ausgemusterten Gotteshypothesen konstruiert werden müsse.[6]

Michael Schmidt-Salomon stellt sich mit seiner Arbeit und seinen Schriften, unter anderem mit dem im Auftrag der Stiftung verfassten Manifest des evolutionären Humanismus, in die Tradition von Huxleys Gedanken, um die aus seiner Sicht unhaltbare Fixierung auf ältere Humanismus-Verständnisse zu überwinden. Man habe heute gesehen, „dass einige traditionelle Ideale des Humanismus der wissenschaftlichen Entzauberung nicht standhalten konnten“. Trotzdem müssten die gemeinsamen Utopien nicht aufgegeben werden, sondern das heute vorliegende Wissen im Sinne dieser humanistischen Utopien produktiv verarbeitet werden. Er plädiert daher für einen evolutionären Humanismus mit klarem naturalistischen Profil, mit dessen Entwicklung anstelle eines „blauäugigen“ Humanismus man sich einer größeren Erfolg versprechenden Lösung von Problemen der Menschheit zuwenden könne. „Es ist sicherlich eine der härtesten Anforderungen an den evolutionären Humanismus, dieses Spannungsverhältnis von realistischer Prognose und utopischer Zukunftsvision richtig auszubalancieren. Selbstverständlich dürfen wir dabei weder die zerstörerischen noch die biophilen Potentiale von Homo sapiens unterschätzen. Wenn evolutionäre Humanisten den schmalen Grat zwischen Blauäugigkeit und Zynismus meistern wollen, müssen sie sich illusionslos, aber unverzagt, den Fakten stellen – und das heißt, dass sie das alles andere als unwahrscheinliche Scheitern ihrer Bemühungen von vornherein einkalkulieren müssen.“[7]

Das von Michael Schmidt-Salomon verfasste und 2005 veröffentlichte Manifest des evolutionären Humanismus – Plädoyer für eine zeitgemäße Leitkultur enthält schließlich eine komprimierte und relativ leicht verständliche Zusammenfassung grundlegender Problemstellungen sowie eine Skizze von möglichen oder auch notwendigen Konsequenzen, denen sich das Denken von Gesellschaft und Politik in der Gegenwart stellen müssten. Die Schrift wurde entworfen, um von einem breiteren sowie philosophisch oder wissenschaftlich nicht intensiv vorgebildeten Publikum gelesen und verstanden zu werden. Unter anderem stellte Schmidt-Salomon darin neben den von Sigmund Freud aufgezeichneten fundamentalen Kränkungen der Menschheit ein Dutzend weitere Kränkungen in einer Zusammenfassung dar, mit denen sich der aufgeklärte Mensch heute abfinden müsse. Da auch „manche traditionellen humanistischen Vorstellungen in Konflikt mit unserem erweiterten Wissen über Mensch und Natur geraten sind“, solle das von Julian Huxley geprägte Ideensystem zur Versöhnung von Humanismus und Wissenschaft aufgegriffen werden.[8]

Aktivitäten[Bearbeiten]

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Durch das Anbieten von kostenlosen Informationen zum „evolutionären Humanismus“ und durch die Bestrebung, an jeder Hochschule einen „Studentischen Vertreter“ zu gewinnen, versucht die Stiftung, das Gedankengut des „evolutionären Humanismus“ zu verbreiten. Ferner haben sich Regionalgruppen gebildet, die formal Mitglied im Förderkreis der Stiftung sind.

Die Giordano-Bruno-Stiftung unterstützte den deutschen Islamwissenschaftler Muhammad Sven Kalisch in dem Konflikt, der mit dem Verlust des ersten Lehrstuhls für die Ausbildung islamischer Religionslehrer endete,[9] ferner die Atheist Bus Campaign, eine Werbekampagne, die das Bewusstsein für den Atheismus fördern soll.[10][11] Im Rahmen des Darwinjahres 2009 stellte die Stiftung die Evolutionstheorie und ihre weltanschaulichen Konsequenzen in den Vordergrund.[12]

2013 war die Giordano-Bruno-Stiftung Mitausrichter des Deutschen Humanistentages in Hamburg.

Regionalgruppen[Bearbeiten]

Etwa 30 Regionalgruppen der gbs, die sich unter ehrenamtlicher Leitung befinden, organisieren regelmäßig Stammtische und andere Veranstaltungen.[13]

In Österreich gibt es eine Regionalgruppe des Förderkreises der Giordano-Bruno-Stiftung, die als gbs Österreich auftritt.[14] Sprecher der Giordano-Bruno-Stiftung Österreich ist Niko Alm.

Österreichische Beiratsmitglieder sind:[15]

Geförderte Projekte[Bearbeiten]

Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland[Bearbeiten]

Hauptartikel: fowid

Die Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland, die von der Giordano-Bruno-Stiftung bei ihrer Gründung maßgeblich gefördert wurde, hat sich zum Ziel gesetzt, wissenschaftlich erfassbare Informationen zu verschiedenen Weltanschauungen zu erheben, auszuwerten, zusammenzufassen und zu veröffentlichen.

Koordinierungsrat säkularer Organisationen[Bearbeiten]

Hauptartikel: KORSO

Der Koordinierungsrat säkularer Organisationen, in dem die gbs Mitglied ist und zu dessen Gründung sie beigetragen hat, bezeichnet sich als Interessenvertretung von konfessionsfreien Menschen in Deutschland. Der KORSO setzt sich gegen die Diskriminierung konfessionsfreier und nichtreligiöser Gruppen und Individuen sowie für die Gleichstellung von Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften sowie für die Trennung von Staat und Kirche ein.[16]

Humanistischer Pressedienst[Bearbeiten]

Der Humanistische Pressedienst (hpd) versteht sich als säkular-humanistisch geprägter Pressedienst im Internet, er ging auf Initiative des Humanistischen Verbandes Deutschlands (HVD) und der gbs im August 2006 online. Chefredakteur ist seit dem 25. Oktober 2013 Frank Nicolai[17], der den Politologen und Publizisten Carsten Frerk ablöste.[18] Als weitere Redakteure werden unter anderem Michael Schmidt-Salomon und der Verleger des Alibri Verlags Gunnar Schedel genannt.[19] Nach einer Satzungsänderung im Jahr 2009 schied der HVD aus dem Trägerverein aus. Die Redaktion des Pressedienstes besteht heute zum Großteil aus Mitgliedern der gbs und anderer atheistischer Organisationen wie des IBKA oder des Bundes für Geistesfreiheit. Der Pressedienst will konfessions- und religionsfreien Menschen mit humanistischen Weltbildern oder Lebensauffassungen eine Stimme und Plattform geben: „Er versteht sich zudem als Plattform für das breite Spektrum säkularer Bestrebungen im gesamten deutschsprachigen Raum.“[19] Der hpd veröffentlicht seine Beiträge regelmäßig auf seiner Internetpräsenz mit einem Newsticker. Dabei handelt es sich überwiegend um Nachrichten, die säkular-humanistisch geprägte Weltbilder betreffen, und um Kommentare zu aktuellen Ereignissen auf nationaler oder internationaler Ebene sowie um Hintergrundberichte oder Porträts von Humanisten verschiedenster Richtungen und Religionskritikern. Neben den eigenen Artikeln berichtet der hpd auch über Artikel anderer Pressedienste, die Religion, Ethik, Fundamentalismus und Ähnliches betreffen.

Great Ape Project[Bearbeiten]

Hauptartikel: Great Ape Project

Die Giordano-Bruno-Stiftung initiierte nach der Verleihung ihres ersten Ethik-Preises an Paola Cavalieri und Peter Singer im Juni 2011 einen Neustart des Great Ape Project im deutschsprachigen Raum. Dabei wurde ein deutschsprachiges Internetportal veröffentlicht.[20] Die Initiative der Stiftung und Kampagne Grundrechte für Menschenaffen wird von Colin Goldner geleitet. Unterstützer sind bisher sechs deutsche Tierschutz- bzw. Tierrechtsorganisationen, darunter die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt und der Verein Menschen für Tierrechte.

Zentralrat der Ex-Muslime[Bearbeiten]

Hauptartikel: Zentralrat der Ex-Muslime

Im Jahre 2007 wurde der Zentralrat der Ex-Muslime gegründet, welcher es sich zum Ziel gesetzt hat, eine „politische Vertretung der Interessen all jener Menschen“ zu sein, die sich „vom muslimischen Glauben abgewandt haben oder diesem niemals angehörten, obwohl sie einem so genannten ‚muslimischen Herkunftsland‘ entstammten“. Die Gründung des Zentralrates wurde von der gbs mitinitiiert, welche das Projekt auch weiterhin unterstützt.[21]

So organisierte die gbs im Jahre 2008 zusammen mit dem Zentralrat der Ex-Muslime unter dem Motto „Aufklären statt verschleiern“ die „Kritische Islamkonferenz“, welche als kritische Gegenveranstaltung zur Deutschen Islamkonferenz angelegt ist. Der Zentralrat und die gbs bemängeln, dass sich die Deutsche Islamkonferenz einseitig auf strenggläubige Muslime und „verbandsislamische Kräfte“ fixiere. Dadurch würden insbesondere die Interessen jener Migranten aus islamischen Ländern negiert, die gerade wegen der islamischen Repression und der religiösen Vorschriften in ihren Heimatländern nach Deutschland gekommen seien. Diese Migranten würden durch eine politisch erzwungene „Muslimisierung“ entmündigt und ausgegrenzt. Als Bestandteile einer solchen Muslimisierung sehen die gbs und der Zentralrat den Bau von Moscheen, die Einführung eines Islamunterrichts an Schulen und eine „islamkonforme Berichterstattung“. All dies fördere nicht die Integration, sondern unterstütze die Verfestigung einer Parallelgesellschaft. Ziel der Kritischen Islamkonferenz solle es hingegen sein, „integrationswidrige Verhaltensweisen“ wie den Kopftuchzwang oder Zwangsheiraten zu bekämpfen und die sprachliche und berufliche Integration der Migranten voranzutreiben.[22][23]

Preise der Stiftung[Bearbeiten]

Deschner-Preis[Bearbeiten]

Zum 80. Geburtstag des Schriftstellers Karlheinz Deschner im Jahre 2004 gab der Vorsitzende der Stiftung die Einrichtung des Deschner-Preises bekannt. Die Stiftung beschloss, ab 2006/7, dem Jahr der Herausgabe von Deschners neuntem Band der Kriminalgeschichte des Christentums, alle zwei Jahre den mit 10.000 Euro dotierten Förderpreis zu vergeben. Mit dem Preis sollen Personen oder Organisationen ausgezeichnet werden, „die in besonderem Maße zur Stärkung des säkularen, wissenschaftlichen und humanistischen Denkens und Handelns beitragen“.[24] Als erster Preisträger des „Deschner-Preises“ wurde am 12. Oktober 2007 Richard Dawkins ausgezeichnet.[25][26][27]

Ethik-Preis[Bearbeiten]

Als weitere Auszeichnung wird der Ethik-Preis der Giordano-Bruno-Stiftung verliehen. Dieser ist ebenfalls mit 10.000 Euro dotiert und steht nach Aussage der Stiftung „für die Entwicklung positiver Alternativen im Sinne des evolutionären Humanismus“.[24] Der Preis wurde erstmals am 3. Juni 2011 in Frankfurt am Main verliehen und ging an den australischen Philosophen Peter Singer und die italienische Philosophin Paola Cavalieri.[28][29][30] Beide wurden für ihr Eintreten für Tierrechte und für die Initiierung des Great Ape Project ausgezeichnet.

Blasphemie-Kunstpreis[Bearbeiten]

Gefördert wird von der Stiftung der alle zwei Jahre vergebene Blasphemie-Kunstpreis "Der freche Mario", mit dem drei literarische Kunstpreise ausgezeichnet werden, die humorvoll und intelligent übernatürliche Vorstellungen auf die Schippe nehmen und somit zur Aufklärung und Freiheit der Gesellschaft beitragen sollen. Der Preis wird seit einem Karikaturenstreit im Jahr 2006 verliehen, der zu einer weltweiten Diskussion um Religions-, Presse-, Kunst- und Meinungsfreiheit führte.[31][32][33][34]

Organe der Stiftung[Bearbeiten]

Organe der Stiftung sind der Vorstand, das Kuratorium und der wissenschaftliche Beirat.

Der Vorstand besteht derzeit (Stand: 2013) aus Herbert Steffen und Michael Schmidt-Salomon, das Kuratorium aus der ehemaligen Unternehmerin Bibi Binot, dem Mathematiker Robert Maier, dem Ingenieur und ehemaligen Manager Shiro Sonada sowie dem Psychologen und ehemaligen Unternehmer Wolf Steinberger.[35]

Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats sind u.a.:

Die Mitglieder der Stiftungsorgane, derzeit ungefähr 60 Personen (überwiegend Professoren, einige Schriftsteller und Künstler), üben ihre Tätigkeit ehrenamtlich aus. Dem „Freundes- und Förderkreis“ der Stiftung gehören zurzeit über 5000 Personen aus 30 Ländern an.[39]

Im Jahr 2007 richtete die Stiftung ein internes Forum ein, um die Kommunikation zwischen den Vorstands-, Beirats- und Fördermitgliedern der Stiftung zu erleichtern.[40]

Im Jahr 2008 hatte die Stiftung einen Etat von rund 116.000 Euro, wobei infolge der Finanzkrise erstmals keine Erträge aus dem Stiftungsvermögen flossen. Stattdessen handelte es sich ausschließlich um Spenden, hauptsächlich seitens des Förderkreises und des Vorstands.[41] Über die Höhe des Stiftungsvermögens selbst erteilt die gbs keine Auskunft.

Kritik und Entgegnungen der gbs[Bearbeiten]

Die Benennung der Stiftung nach Giordano Bruno wurde gelegentlich in der Presse kritisiert; dieser sei kein Atheist, sondern Pantheist – und Dominikanermönch – gewesen.[42][43] So stehe Giordano Brunos Weltanschauung laut dem Philosophen Wilhelm Schmidt-Biggemann eher für Religion und Metaphysik als für Aufklärung und Positivismus.[42] Dem entgegnet die Stiftung, sie vertrete keine atheistische, sondern vielmehr eine naturalistische Position, die mit Brunos Pantheismus kompatibel sei. Aus diesem Grund habe die Stiftung an einem Gott, der mit den Naturgesetzen in Einklang stehe, nichts zu kritisieren.[44]

Der Stiftung wurde vom FAZ-Journalisten Thomas Thiel vorgeworfen, sie vertrete einen „platten Naturalismus“ oder „Szientismus“.[42] In diesem Zusammenhang werden auch die Angriffe des Biologen und Mitglieds im Beirat der gbs Ulrich Kutschera gegen die Geisteswissenschaften kritisiert, die durch den Humanistischen Pressedienst verteidigt wurden, dass nichts in den Geisteswissenschaften Sinn mache außer im Licht der Biologie.[45]

Ende 2011 trat der Philosoph Norbert Hoerster aus dem Beirat der Stiftung aus. Hoerster erklärte in einem Kommentar in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, er lehne die von ihrem Sprecher Schmidt-Salomon vertretenen Inhalte, die Kampagnen und den Argumentationsstil ab. Wenig überzeugend finde er zudem den „Neuen Atheismus“ des Biologen Richard Dawkins, den auch die Stiftung vertrete. „Ich sehe nicht, wieso ausgerechnet die Evolutionstheorie den Gottesglauben widerlegen, ja ersetzen kann“, schrieb Hoerster.[46] Dem hielt der Blogger Harald Stücker entgegen, dass die Aufgabe der Evolutionstheorie nicht die Widerlegung oder der Ersatz des Gottesglaubens sei, sondern die Erklärung der Natur.[47] Der Anwendung des wissenschaftlichen Sparsamkeitsprinzips entsprechend sei eine Konsequenz der Evolutionstheorie, dass die Gotteshypothese zur Erklärung der Entstehung und Entwicklung der Arten unnötig werde. Zudem sehe sich die Stiftung keinem „neuen Atheismus“, sondern dem evolutionären Humanismus verpflichtet.[48] Zum Kommentar in der FAZ erklärte Schmidt-Salomon, zwei Hauptdissens-Punkte seien von Hoerster gut markiert worden. Der eine betreffe die philosophische Herangehensweise, der andere die mediale Strategie. Laut Schmidt-Salomon würde Hoerster die Ansicht vertreten, man könne philosophische Probleme lösen, indem man „fast ausschließlich philosophisch argumentiert“. Die Stiftung ginge jedoch von einer „Einheit des Wissens“ aus, wobei die Philosophie mit Natur- und Sozialwissenschaften verknüpft werden solle.[49]

Verbindungen[Bearbeiten]

Die Stiftung unterhält teils enge Beziehungen zu weiteren atheistischen, humanistischen oder laizistischen Organisationen in Deutschland. Zu diesen gehören der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten, der Humanistische Verband Deutschlands, der Bund für Geistesfreiheit Bayern. Unter anderem anlässlich verschiedener Kampagnen zur Förderung von Kirchenaustritten,[50] während des Papstbesuchs in Deutschland 2011 oder der Kampagne gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz[51] gab es Kooperationen mit den genannten Organisationen.

Werke der Stiftungsmitglieder (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Karlheinz Deschner: Kriminalgeschichte des Christentums und Abermals krähte der Hahn
  • Michael Schmidt-Salomon: Jenseits von Gut und Böse und Keine Macht den Doofen
  • Hamed Abdel-Samad: Der Untergang der islamischen Welt und Krieg oder Frieden
  • Hans Albert: In Kontroversen verstrickt. Vom Kulturpessimismus zum kritischen Rationalismus und Kritik des theologischen Denkens
  • Carsten Frerk: Violettbuch Kirchenfinanzen und Gottes Werk und unser Beitrag
  • Holm Putzke: Die strafrechtliche Relevanz der Beschneidung von Knaben
  • Heinz Oberhummer: Gedankenlesen durch Schneckenstreicheln und Wer nichts weiß, muss alles glauben
  • Dieter Birnbacher: Schopenhauer und Negative Kausalität
  • Ulrich Kutschera: Design-Fehler in der Natur und Kreationismus in Deutschland
  • Ralf König: Archetyp und Wozu brauche ich einen Gott
  • Philipp Möller: Isch geh Schulhof und Bin isch Freak, oda was?!

Literatur[Bearbeiten]

Selbstdarstellung

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Michael Schmidt-Salomon: Jenseits von Fundamentalismus und Beliebigkeit. In: politik-poker.de. 18. Januar 2006, abgerufen am 3. Juni 2011.
  2. Website der gbs: "Aktivitäten", abgerufen am 28. Januar 2012
  3. Stiftungssatzung der gbs, Version vom 30. März 2004, S. 1.
  4. Website der gbs: "Leitbild" / "Der Stiftungsname", abgerufen am 19. Februar 2012
  5. Huxley, Julian (1964): Die Grundgedanken des evolutionären Humanismus. In: Julian Huxley (Hrsg.): Der evolutionäre Humanismus. München, S. 26.
  6. Julian Huxley: The New Divinity in Essays of a Humanist. Penguin, London 1969.
  7. Website des gbs-Vorstandssprechers Schmidt-Salomon: Hoffnung jenseits der Illusionen? Die Perspektive des evolutionären Humanismus, vom Mai 2002
  8. Michael Schmidt-Salomon: Manifest des evolutionären Humanismus. Alibri Verlag, Aschaffenburg 2005, S. 11 ff.
  9. gbs unterstützt Kalisch: Deutschlands erster Professor für Islamkunde ist ein Mann der Aufklärung! Giordano-Bruno-Stiftung, 20. November 2008, abgerufen am 1. September 2011.
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatJens Lubbadeh: Werbung für ein Leben ohne Gott. In: Spiegel Online. Abgerufen am 23. April 2009.
  11. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatClaudia Wangerin: Atheistische Buskampagne unerwünscht. In: junge Welt. Abgerufen am 23. April 2009.
  12. „Happy Birthday, Charly!” - Festakt zu Darwins 200. Geburtstag in der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt. In: giordano-bruno-stiftung.de. 15. Januar 2009.
  13. Regionalgruppen. In: giordano-bruno-stiftung.de. abgerufen am 16. November 2012.
  14. Über uns. In: giordano-bruno-stiftung.at. abgerufen am 12. August 2013.
  15. Beirat. In: giordano-bruno-stiftung.at. abgerufen am 12. August 2013.
  16. hpd: "KORSO fordert “Konfessionsfreien-Konferenz“", vom 17. November 2008
  17. Weitergabe des Hutes. 25. Oktober 2013, abgerufen am 1. März 2014 (deutsch).
  18. hpd, Impressum. Abgerufen am 1. September 2011.
  19. a b Der Humanistische Pressedienst. Abgerufen am 1. September 2011.
  20. Deutschsprachiges Portal zum Great Ape Project. Abgerufen am 1. Oktober 2011.
  21. Interview mit Michael Schmidt-Salomon im Humanistischen Pressedienst.
  22. Website der gbs: "Aktivitäten / Aufklären statt verschleiern", abgerufen am 29. Januar 2012
  23. ZdE fordert die Auflösung der Islamkonferenz. In: ex-muslime.de. 30. April 2007.
  24. a b Die Preise der Stiftung. In: giordano-bruno-stiftung.de.
  25. „Deschner-Preis an Richard Dawkins“ hpd, 28. Mai 2007.
  26. „I would go for the Deschner Prize“ hpd, 15. Oktober 2007.
  27. Richard Dawkins erhält Deschner-Preis Presseportal, 1. Oktober 2007.
  28. hpd: "Festakt zur Verleihung des Ethik-Preises", vom 8. Juni 2011
  29. Stephan Schleim: Wie man in Deutschland nicht mehr mundtot gemacht wird. In: Heise online, 10. Juni 2011.
  30. Website der gbs: "Ethik-Preis für Paola Cavalieri und Peter Singer", vom 13. Mai 2011
  31. Verleihung des Blasphemie-Kunstpreises Der freche Mario, giordano-bruno-stiftung.de, Meldung vom 1. Februar 2013.
  32. Kunstforum International, Oktober 2010. Band 204. Seite 27
  33. Universität der Künste Berlin, Wettbewerbe 2014, abgerufen am 13. März 2014
  34. Leo Lukas erhält Blasphemie-Preis verliehen, auf kulturwoche.at, abgerufen am 13. März 2014
  35. Website der gbs: "Kuratorium", abgerufen am 4. Oktober 2012
  36. Website der gbs: "Funktionsträger der Stiftung", abgerufen am 28. Januar 2012
  37. Ralf König ist neues GBS-Mitglied. In: hpd-online.de. 25. September 2007.
  38. Vatikan holt sich Religionskritiker als Berater. In: pro, 15. Dezember 2011.
  39. gbs: Denkfabrik für Humanismus und Aufklärung, abgerufen am 18. Januar 2014
  40. Tätigkeitsbericht der gbs über das Jahr 2008 (PDF; 1,7 MB)
  41. Tätigkeitsbericht der gbs über das Jahr 2008 (PDF; 1,7 MB), S. 15.
  42. a b c Auch der Atheismus pflegt seine Heiligen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung via Max-Planck-Gesellschaft, 5. März 2008 (PDF, 97 kB).
  43. Elmar Klevers: Das "Manifest des Evolutionären Humanismus" und die Konfessionslosen. In: Neue Rheinische Zeitung, 7. März 2006.
  44. Imagebroschüre der Giordano-Bruno-Stiftung (PDF; 2,8 MB)
  45. Alexander Kissler: Angriff auf den "Verbalwissenschaftler". In: Süddeutsche Zeitung. 17. Mai 2010.
  46. Claudia Knepper: Giordano Bruno Stiftung. Austritt mit Öffentlichkeitswirkung. In: Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen.
  47. wissenrockt.de „Dabei kann Norbert Hoerster helfen“, vom 11. Dezember 2011
  48. Website der gbs: „Evolutionärer Humanismus“, abgerufen am 28. Januar 2012
  49. Website der gbs: „Hamed Abdel-Samad neues Stiftungsmitglied“, vom 28. November 2011
  50. Kampagne Kirchenaustrittsjahr
  51. Webseite der Kampagne gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz. Abgerufen am 10. März 2012.
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