Hercule Poirots Weihnachten

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Hercule Poirots Weihnachten (Originaltitel Hercule Poirot’s Christmas) ist der 24. Kriminalroman von Agatha Christie. Er erschien zuerst im Vereinigten Königreich am 19. Dezember 1938 im Collins Crime Club[1] (obwohl das Copyright der Erstausgabe auf 1939 datiert).[2] In den USA erschien der Roman bei Dodd, Mead and Company im Februar 1939 unter dem Titel Murder for Christmas.[3] Die deutsche Erstausgabe wurde 1961 im Scherz Verlag in der veröffentlicht.[4] Im Atlantik Verlag erschien 2015 die heute verwendete Neuübersetzung von Michael Mundhenk.[5]

Es ermittelt Hercule Poirot zu einem Mordfall in einem „verschlossenen Raum“. Der Handlungszeitrahmen ist festgelegt vom 22. bis 28. Dezember.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der alte Simeon Lee, der mit seinem Sohn Alfred und dessen Frau Lydia in Gorston Hall, einem großen Haus in England wohnt, lädt zu Weihnachten seine gesamte Familie zu sich ein, inklusive „verschollener“ Familienmitglieder. Das sind im Einzelnen sein Sohn David, der seinen Vater für den Tod seiner Mutter verantwortlich macht, mit seiner Frau Hilda, Simeons tot geglaubter Sohn Harry, der einen langjährigen heftigen Streit mit Alfred hat, sein geldgieriger Sohn George und dessen verschwenderische Frau Magdalene sowie die verlorene Enkelin aus Spanien, Pilar Estravados.

Simeon bekommt außerdem Besuch von Stephen Farr, dem Sohn seines ehemaligen Geschäftspartners in Südafrika, und lädt diesen über Weihnachten in sein Haus ein. An Heiligabend verkündet Simeon bei einem Telefonat mit seinem Anwalt und in Anwesenheit aller Familienmitglieder, dass er sein Testament ändern werde. Alle sind sich sicher, Pilar und Harry werden die Begünstigten sein. Dem Butler Tressilian, der schon nicht mehr so gut sieht, fällt die Ähnlichkeit zwischen Stephen Farr und Harry Lee auf. Als er wieder eine ähnliche Person sieht, zweifelt er an seinem Verstand; aber es ist nur ein Polizeibeamter der Grafschaft. Als Horbury, der Diener von Simeon Lee, erfährt, dass ein Polizist da ist, lässt er vor Schreck eine Tasse aus dem Familienporzellan fallen. Inspektor Sugden möchte aber nur Spenden für die Polizeiwohlfahrt sammeln und geht nach einem kurzen Gespräch mit Simeon wieder. Simeon wünscht danach, nicht mehr gestört zu werden. Spät am Abend hört man einen markerschütternden Schrei und die offenbar in einem Kampf umfallenden Möbel und alle rennen nach oben zu Simeon Lees Zimmer. Die Tür ist von innen verschlossen und wird von Harry und Stephen aufgebrochen. Simeon Lee liegt mit aufgeschlitzter Kehle in einer Blutlache. Möbel wurden umgestoßen und überall ist Blut zu sehen. Viel zu viel Blut, wozu Lydia Lee flüsternd aus Macbeth zitiert: „Wer konnte denken, dass der alte Mann noch so viel Blut in sich gehabt ...?“ Ein Zitat, das später Hercule Poirot wiederholen würde. Just in diesem Augenblick trifft Inspektor Sugden ein.

Nachdem er einen Fall in der Grafschaft gelöst hat, ist der belgische Meisterdetektiv Hercule Poirot bei dem Polizeichef Colonel Johnson zu Besuch, der von Inspektor Sugden zu den Lees gerufen wird. Poirot begleitet ihn. Inspektor Sugden erklärt ihnen nun die Wahrheit. Er sammelte kein Geld, sondern war von Simeon selbst gerufen worden. Diesem wurden ein paar wertvolle Diamanten gestohlen, woraufhin er zwei Personen verdächtigte. Er bat den Inspektor später wiederzukommen, da er dann wisse, wer die Diamanten gestohlen habe. Als er wie vereinbart um halb acht zurückkam, war gerade der Mord entdeckt worden.

Tressilian erzählte von Horburys seltsamem Verhalten. Dieser war jedoch im Kino, was von seiner Freundin und dem Platzanweiser bestätigt wird. Alfred scheint der einzige zu sein, der um seinen Vater trauert. Er war nach dem Abendessen mit Harry im Speisezimmer geblieben und dort haben sie sich gestritten. Lydia war im Wohnzimmer und schaute aus dem Fenster, was wiederum von Tressilian bestätigt wird. Die Verwechslungen von Harry und Stephen zeigen aber, dass man sich auf seine Augen nicht gerade verlassen kann. Hilda und David wollen im Musikzimmer gewesen sein. David hat Klavier gespielt, was von Lydia, Alfred und Harry gehört wurde. Es hätte sich aber auch nur eine Person im Musikzimmer aufhalten können. Stephen war im Tanzzimmer, wo er auf Pilar wartete, die angeblich auf ihrem Zimmer war, und spielte Platten ab, was von den Dienstboten die ganze Zeit gehört wurde. George will in Alfreds Arbeitszimmer telefoniert haben. Genau dies gibt aber auch Magdalene an. Keiner jedoch will den Anderen gesehen haben. Aus den Aussagen erfährt Poirot, dass Pilar im Mordzimmer etwas vom Boden aufheben wollte, der Inspektor ihr aber zuvorkam. Es handelt sich um einen Holznagel und ein kleines Stück Gummi, welches aus Simeons Toilettentasche geschnitten wurde, denen Sugden und Johnson jedoch keine Bedeutung beimessen.

Alfred beauftragt Poirot schließlich, den Mörder seines Vaters zu schnappen. Pilar und Harry sind die einzigen, die durch Simeons Tod einen Nachteil hatten, da Simeon ihnen wahrscheinlich etwas vermachen wollte. Bei der Testamentseröffnung erfährt man jedoch, dass Harry nie enterbt wurde. Nur Pilar geht leer aus. Lydia schlägt vor ihr etwas zu überschreiben, da ihre Mutter ja eigentlich geerbt hätte. Außer George und Magdalene sind alle einverstanden.

Wie sich herausstellt, war Pilar nicht auf dem Zimmer, sondern versteckte sich in einer Nische zwischen Statuen, von wo aus sie eine Frau vor dem Mordzimmer stehen sah. George telefonierte zwar, aber nur etwa fünf Minuten und durchsuchte danach den Schreibtisch. Magdalene versteckte sich in der Besenkammer, weil sie Angst hatte, man würde sie an der Treppe sehen und denken, sie hätte den Mord begangen. Am Tag bemerkt Tressilian plötzlich, dass eine Zier-Kanonenkugel aus dem Garten verschwunden ist. Die Diamanten fanden sich bereits in dem von Lydia angelegten Steingarten. Stephen und Pilar scheinen sich ineinander zu verlieben. Sie waren sich auch schon vor Weihnachten in einem Zug begegnet. Als die beiden mit Ballons spielen, von denen einer an einer Stechpalme zerplatzt, sagt Pilar beiläufig, sie habe so etwas Ähnliches in Simeons Zimmer gefunden. Wenig später wird sie fast von der Kanonenkugel, die man auf ihrer Zimmertür anbrachte, erschlagen.

Nun löst Poirot auf: Für ihn waren lediglich Alfred und Hilda verdächtig. Er merkte jedoch bald, dass er sich täuschte. Stephen Farr Name ist eigentlich Stephen Grant und er ist in Wirklichkeit einer von Simeon Lees unehelichen Söhnen. Pilar ist auch nicht seine Enkelin, sondern nur eine Freundin der echten Pilar, die im Krieg starb. Der Mörder war Inspektor Sugden. Auch er war ein unehelicher Sohn Simeons. Simeon hatte ihn nie gerufen. Er brachte ihn bereits nach seinem ersten Besuch im Haus um. Danach stahl er die Diamanten, um den Verdacht auf Raubmord fallen zu lassen, stapelte die Möbel aufeinander, befestigte einen laut quietschenden Luftballon daran, band alles an ein Seil, das er aus dem Fenster hängen ließ, und zog später am Abend daran (was den „Schrei“ und den Lärm der umfallenden Möbel auslöste). Als er das Haus zum ersten Mal verließ, verschloss er die Zimmertür, indem er von außen mit einer Pinzette den innen steckenden Schlüssel drehte. Pech für ihn, dass Pilar den geplatzten Ballon fand, weswegen er versuchte sie zu töten, und dass Tressilian die Ähnlichkeit zwischen ihm, Stephen und Harry auffiel. „Pilar“, deren Name Conchita Lopez ist, und Stephen heiraten schließlich und gehen nach Südafrika. Colonel Johnson ist mal wieder verblüfft, wie Poirot diesen Fall gelöst hat.

Personen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hercule Poirot, der belgische Meisterdetektiv
  • Colonel Johnson, der Polizeichef der Grafschaft
  • Inspektor Sugden, Johnsons bester Mitarbeiter
  • Simeon Lee, alter reicher Mann
  • Alfred Lee, sein Sohn
  • Lydia Lee, Alfreds Frau
  • Tressilian, der Butler
  • Horbury, Simeons Diener
  • David Lee, Simeons Sohn
  • Hilda Lee, Davids Frau
  • George Lee, Simeons Sohn, Parlamentsabgeordneter
  • Magdalene Lee, Georges Frau
  • Harry Lee, Simeons Sohn
  • Pilar Estravados, angebliche Enkelin von Simeon, in Wirklichkeit aber Conchita Lopez, deren Freundin
  • Stephen Farr, Sohn von Simeons ehemaligem Freund und Geschäftspartner, in Wirklichkeit aber Stephen Grant und Simeons unehelicher Sohn

Bezüge zu anderen Werken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Fall, den Poirot zuvor in der Grafschaft löste, und der gelegentlich erwähnt wird, ist Nikotin. Auch Sir Charles Cartwright und Sir Bartholomew Strange aus Nikotin werden erwähnt.

Verfilmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hörbücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2006 Hercule Poirots Weihnachten (6 CDs): einzige ungekürzte Lesung. Sprecher: Martin Maria Schwarz. Regie: Hans Eckardt. Verlag und Studio für Hörbuchproduktionen Marburg[6]
  • 2009 Hercule Poirots Weihnachten (3 CDs): gekürzte Lesung. Gelesen von Klaus Dittmann. Regie: Guido A. Schick. Der Hörverlag München[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The Times Literary Supplement December 17, 1938 (Page 805)
  2. Chris Peers, Ralph Spurrier and Jamie Sturgeon. Collins Crime Club – A checklist of First Editions. Dragonby Press (Second Edition) March 1999 (Page 15)
  3. American Tribute to Agatha Christie
  4. Deutsche Erstausgabe im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  5. Deutsche Erstausgabe der Neuübersetzung im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  6. Hörbuch (vollst.) im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  7. Hörbuch (gek.) im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek