Hermann Biow

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Hermann Biow (* 1804 vermutlich in Breslau, andere Quellen geben 1810/1811 an; † 20. Februar 1850[1] in Dresden) war ein bedeutender deutscher Daguerreotypist in der Frühzeit der Fotografie.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hermann Biow: Porträt Alexander von Humboldts, 1847
Die Zerstörungen des Hamburger Brandes von 1842 an Jungfernstieg und Kleiner Alster. Blick vom Dach der Börse Richtung Lombardsbrücke.

Biow, der vermutlich der Sohn des Malers Raphael Biow (1771–1836) war,[2] arbeitete zunächst als Maler[3][4] und Schriftsteller[5]. Er „ … wollte keine biografischen Nachschriften von sich mittheilen.“, so zu lesen im „Lexikon der hamburgischen Schriftsteller“. Biow hatte vermutlich schon eine Weile in Hamburg gelebt, bevor er sich der Daguerreotypie zuwandte. So hatte er 1838 eine biografische Skizze über den Geiger Ole Bull in Altona veröffentlicht.[6] Zwei weitere Texte wurden im gleichen Jahr von der „Herold‘schen Buchhandlung“ herausgebracht, deren Inhaber wie Biow aus Breslau stammten.[7] Biow schrieb ebenso anonyme Theaterkritiken in den „Orginalien“. Es war die letzten Jahre des über die Grenzen Hamburgs hinaus bekannten Friedrich Ludwig Schmidt als Theaterdirektor am Stadt-Theater. Der vollständige Titel der Zeitschrift lautete „Originalien aus dem Gebiete der Wahrheit, Kunst, Laune und Phantasie“. Sie wurde von 1817 bis 1849 von Hans Georg Lotz in Hamburg herausgegeben.

Einen Monat nach der Veröffentlichung des Patentes von Daguerre im August 1839 wurde in den Ausgaben Nr. 29 des Allgemeinen Poytechnischen Journals vom 14. September[8] und Nr. 30 vom 21. September 1839[9] in einem Artikel unter dem Titel: „Das Daguerrotyp und Liepmann’s Oelbilderdruck“ das Verfahren ausführlich dargestellt. Herausgeber und Hauptredakteur war der in Hamburg lebende Johannes Andreas Romberg (1806–1868), der 1835 einen Entwurf für eine polytechnische Schule vorgelegt hatte. Romberg ließ bei Ludwig Wilhelm Anthes in Hamburg drucken. Bereits zwei Monate später im Oktober 1839 gelang es in Hamburg dem Mechaniker Rudolph Koppel[10] Daguerreotypien herzustellen. Interessanterweise stellte Wilhelm Weimar in seinem Aufsatz „Die Daguerreotypie in Hamburg“ keinerlei Überlegungen oder Vermutungen an, wo und wie Hermann Biow mit der Handhabung der Daguerreotypie vertraut gemacht wurde.[11] Gegen Ende des Jahres 1839 werden in der Kunsthandlung der Gebrüder Spiro in der Bleichenbrücke und bei dem Optiker Edmund Gabory Daguerreotypien aus Paris ausgestellt.

Hermann Biow eröffnete am 15. September 1841 sein Atelier in Altona.[12] Ab Mai 1843 war Biows Atelier im Neuen Wall 24 (später 52).[13] In dem Bericht von Wilhelm Weimar über Hermann Biow sind nur sehr spärliche Informationen zu den Räumlichkeiten seines Ateliers im Neuen Wall/Ecke Bleichenbrücke zu entdecken. Weimar erwähnte zwar Biows Anzeige vom 12. Mai 1843 von der Eröffnung „meines neuerbauten Daguerreotyp-Ateliers“,[14] machte aber keine Ausführungen, welche baulichen Maßnahmen vorgenommen worden waren. Rüdiger Articus verwies auf eine zeitgenössische Lithographie von Charles Fuchs, die das neuerrichtete vier geschossige Gebäude mit einem flachen Dach abbildete.[15] Auch die Örtlichkeit, an der die Aufnahmen durchgeführt werden sollten, wurde von Weimar an keiner Stelle beschrieben. Eine gelungene Daguerreotypie setzte voraus, dass hinreichend viel Tageslicht von konstanter Intensität über eine Dauer von ca. 3 min zur Verfügung stand. Derartige Verhältnisse konnte man auf dem Dach eines Hauses oder im Freien (Garten) am ehesten finden. Articus vermutete, es handele sich dem Aussehen nach um ein „Glas- und Gewächshaus“. Der Hinweis in einer Anzeige, „an kälteren Nebeltagen sei die Lichtwirkung besser als klarer Sonnenschein“, kann darauf hindeuten, dass auf dem Dach daguerreotypisiert wurde. Als Dekoration reichten ein Vorhang als Hintergrund und ein Stuhl mit Tisch aus. Mit dem Begriff „Atelier“ könnten daher zunächst die Räumlichkeiten benannt worden sein, in denen alle weiteren notwendigen Arbeiten stattgefunden hatten (Zitat: „Das Atelier ist unverändert;… über dem optischen Laden der Herren Campbell’s Nachfolger.“)

Von 1842 bis 1843 arbeitete Biow mit dem Fotografen Carl Ferdinand Stelzner zusammen.[16] Ab 1845 lernte er seine Schwester Jenny Bossard-Biow als Daguerreotypistin an. Ab 1846 begab er sich auf Deutschlandreise. Während seiner Abwesenheit übernahm seine Schwester die Leitung des Ateliers.[17] 1849 gründete er ein neues Atelier in Dresden. 1850 starb Hermann Biow im Alter von 40 oder 45 Jahren in Dresden an einem Leberleiden, das möglicherweise auf das Einatmen von Quecksilberdämpfen bei der Herstellung der Daguerreotypien zurückzuführen ist.[18]

Nach dem Tod Hermann Biows reklamierte laut Adressbucheintrag der „Daguerreotypist“ Peter Wilhelm Drenckhahn „Biow's Nachfolger“ zu sein. Es blieb bei einem Eintrag. Im Oktober 1852 hatte der ehemalige Offizier der schleswig-holsteinischen Armee August Mencke die Räumlichkeiten übernommen und zeigte als „Photographisches Institut“ an.[19] 1856 übernahm der ehemalige Hauptmann Carl von Zeska für einige Jahre das Atelier. Bis zum Jahr 1898 lassen sich durchgehend Fotografen unter der Anschrift „Neuer Wall 52“ nachweisen.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Biow wurde zu Lebzeiten durch seine Porträtfotografie bekannt. Er porträtierte Politiker, Prominente und wohlhabende Bürger, unter anderem Franz Liszt, Alexander von Humboldt und Friedrich Wilhelm IV.[20] Auch für seine Parlamentarierporträts der ersten deutschen Nationalversammlung in der Paulskirche in Frankfurt 1848/49 ist er bekannt.[21]

Heute wird Biow vor allem als Begründer der deutschen Dokumentarfotografie angesehen. Nach dem großen Hamburger Brand hatte er im Mai 1842 eine Reihe von Daguerreotypien von den Brandruinen angefertigt.[22] Er bot sie dem Verein für Hamburgische Geschichte zum Kauf an, der allerdings die Kosten für zu hoch hielt. Bis auf drei Platten in Hamburger Museen ist der Verbleib heute unbekannt.[18]

Anders als viele Zeitgenossen experimentierte Biow auch mit großformatigen Bildern (bis zu 32×26 cm).

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hermann Biow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Abbildungen
  • Daguerreotypien bei Zeno.org
  • Matthias Gretzschel: Das erste Photo von Hamburg, (Hamburger Abendblatt vom 24. Dezember 2002, Ansicht kostenpflichtig).
  • Hamburger Zeitreise: Das Bild der Katastrophe, (online), (Hamburger Abendblatt vom 4. November 2013, Ansicht kostenpflichtig).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Meldung (Dresden, 21. Febr.) im Deutsches Kunstblatt, Leipzig, (Ausgabe von) Montag, den 4. März 1850, S. 70
  2. 202. Rafael Biow, in: Neuer Nekrolog der Deutschen, Band 14, zweiter Theil, B.F. Voigt, Weimar 1838, S. 627
  3. Vermutlich erste Erwähnung („Herr Biow d. Sohn“), in Kunstausstellung in Breslau, in: Morgenblatt für gebildete Leser, Nr. 70 (Montag, den 1. September 1823), S. 279, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3DsOsIAQAAIAAJ~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3DPA836-IA3~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D
  4. Nachweis der Tätigkeit als Maler durch Ausmalung der Synagoge in Kinsberg für den Kaufmann Silberstein: Johann Gustav Gottlieb Büsching: Die Kinsburg in ihrem gegenwärtigen Zustande, Grüson, Breslau 1827, S. 13, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3DztsAAAAAcAAJ~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3DPA13~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D, und Moritz Vogt: Breslau und seine Umgebung, Crone, Breslau [1841], S. 66, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D_4FgAAAAcAAJ~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3DPA66~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D
  5. Literarisches (Schriftsteller in Hamburg), in: Adolf Bäuerle (Hg.): Allgemeine Theaterzeitung, 35. Jg., Wien 1842, S. 479 (Freitag, den 6. Mai 1842), Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3DeCd-6Oh3VO4C~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3DPA479~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D
  6. Ole Bull, eine biografische Skizze. J.C.H. Witt Hamburg (o. J.), (Verfasser und Zeichner: H. Biow, Digitalisat).
  7. 1567. Herold (Johann Heinrich), in: Hans Schröder (Hg.): Lexikon der hamburgischen Schriftsteller bis zur Gegenwart, Bd. 3, S. 207
  8. Das Daguerrotyp und Liepmann’s Oelbilderdruck, in Johannes Andreas Romberg (Hg.): Romberg’s Allgemeines Polytechnisches Journal, 14. September 1839, S. 239 ff, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D2z0zAQAAMAAJ~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3DPA239~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D
  9. Das Daguerrotyp und Liepmann’s Oelbilderdruck, in Johannes Andreas Romberg (Hg.): Romberg’s Allgemeines Polytechnisches Journal, 21. September 1839, S. 247 ff, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D2z0zAQAAMAAJ~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3DPA247~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D
  10. Jürgen Sielemann: Koppel, Rudolph. In: Das Jüdische Hamburg. Institut für die Geschichte der deutschen Juden, abgerufen am 13. Juni 2018.
  11. Ein Fotograf „H. Romberg“ übernahm 1862 das Atelier von Carl Ferdinand Stelzner. Es ist nicht bekannt, ob es Verbindungen zu Johannes Andreas Romberg gegeben hat.
  12. Altonaisches Address-Buch für 1842 (Eintrag im Personenverzeichnis): „Biow, Hermann, Portraitmaler, heliographische Portraits, Königstr. 27“; für 1843: „Portraitmaler, heliographische Portraits, Königstr. 27, dessen Atelier auf dem Belvedere des Baumhauses in Hamburg“.
  13. Weimar, S. 19/20
  14. Weimar, S. 20
  15. Blatt 11. Neuer Wall Blatt 6. Federlithographie von L. Stammel, ca.17,0 x 35,0 cm. Zeigt die Häuser mit den Hausnummern 50 bis 60 (alte Nummerierung) mit folgenden Firmen: (Tonhalle), Tavernier (Gaststätte), Navigation Warehouse Campbel & Co. (Successors), Gebr. Bing & Co., Buch- und Landkartenhandlung v. H. Gobert, H.M. Polack. In: Hamburgs Neubau. „Sammlung sämmtlicher Facaden der Gebäude an den neubebauten Strassen (u.) Details der Facaden von den vorzüglichsten Gebäuden aus Hamburgs Neubau“ als Anschluss und Erläuterung des Werks „Hamburgs Neubau Sammlung sämmtlicher Facaden etc.“ für Architecten, Bauhandwerker etc., so wie für alle welche sich für den Wiederaufbau Hamburg's (nach dem großen Brand von 1842) und den herrschenden Geschmack in den verschiedenen Baustylen interessiren. 2 Teile in 1 Bd, Hamburg, Verlag des Lithographischen Instituts und der Kunsthandlung v. Charles Fuchs, (1844–1848)
  16. Hamburgisches Adress-Buch für 1843 (Eintrag im Personenverzeichnis): Stelzner, C.F., Portraitmaler u. Dagurreotypie-Atellier Caffamacherreihe 32.
  17. Weimar, S. 21
  18. a b Matthias Gretzschel: Das erste Foto von Hamburg. Hamburger Abendblatt, 24. Dezember 2002, abgerufen am 29. März 2017.
  19. Weimar, S. 44.
  20. Sammlung MKG, Hamburg.
  21. Ausstellung in Koch's Hof am Markte in Frankfurt/M. im Oktober 1848; Anzeige „Ausstellung“ H. Biow's Album deutscher Volksvertreter und Zeitgenossen: Deutsche Allgemeine Zeitung, Nr. 285 vom 11. Oktober 1848, S. 3744, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D-CRJAAAAcAAJ~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3DPA3744~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D, Anzeiger, Ausstellung von Herrn Biow's Album deutscher Zeitgenossen, in: Dresdner Journal und Anzeiger, Nr. 102 vom 12. April 1849, S. 810, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3DVr9dAAAAcAAJ~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3DPA810~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D und Herrn Biows photographische Bildnisse deutscher Zeitgenossen, Nr. 109 vom 19. April 1849, S. 866, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3DVr9dAAAAcAAJ~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3DPA866~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D
  22. Aufstellung der Aufnahmen: Weimar, S. 16–17.