Hermann Biow

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Hermann Biow (* 1804 vermutlich in Breslau, andere Quellen geben 1810/1811 an; † 20. Februar 1850 in Dresden) war ein bedeutender deutscher Daguerreotypist in der Frühzeit der Fotografie.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hermann Biow: Porträt Alexander von Humboldts, 1847
Die Zerstörungen des Hamburger Brandes von 1842 an Jungfernstieg und Kleiner Alster. Blick vom Dach der Börse Richtung Lombardsbrücke.

Biow, der vermutlich der Sohn des Malers Raphael Biow (1771–1836) war, arbeitete zunächst als Maler und Schriftsteller, bis er am 15. September 1841 sein Atelier in Altona eröffnete.[1] Ob er sich von Louis Daguerre persönlich in der Daguerreotypie hatte unterweisen lassen oder auf welchem Wege er sie erlernte, ist nicht bekannt.

Von 1842 bis 1843 arbeitete Biow mit dem Fotografen Carl Ferdinand Stelzner zusammen.[2] Ab 1845 lernte er seine Schwester Jenny Bossard-Biow als Daguerreotypistin an. Ab 1846 begab er sich auf Deutschlandreise, 1848 übernahm seine Schwester das Altonaer Atelier. 1849 gründete er ein neues Atelier in Dresden. 1850 starb Hermann Biow im Alter von 40 oder 45 Jahren in Dresden an einem Leberleiden, das möglicherweise auf das Einatmen von Quecksilberdämpfen beim Entwickeln zurückzuführen ist.[3]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Biow wurde zu Lebzeiten durch seine Porträtfotografie bekannt. Er porträtierte Politiker, Prominente und wohlhabende Bürger, unter anderem Franz Liszt, Alexander von Humboldt und Friedrich Wilhelm IV.[4] Auch für seine Parlamentarierportraits der ersten deutschen Nationalversammlung in der Paulskirche in Frankfurt 1848/49 ist er bekannt.

Heute wird Biow vor allem als Begründer der deutschen Dokumentarfotografie angesehen. Nach dem großen Hamburger Brand hatte er im Mai 1842 eine Reihe von Daguerreotypien von den Brandruinen angefertigt. Er bot sie dem Verein für Hamburgische Geschichte zum Kauf an, der allerdings die Kosten für zu hoch hielt. Bis auf drei Platten in Hamburger Museen ist der Verbleib heute unbekannt.[3]

Anders als viele Zeitgenossen experimentierte Biow auch mit großformatigen Bildern (bis zu 32×26 cm).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rüdiger Articus: Aus der Frühgeschichte der Photographie in Altona, in Schriften der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek, Bd. 18, Heide/Holst. 1994. S. 43−48, (online, SUB Hamburg).
  • Bodo von Dewitz, Reinhard Matz: Silber und Salz Zur Frühzeit der Photographie im deutschen Sprachraum 1839–1860, (Hrsg. Agfa Foto Historama), Edition Braus, Köln, 1989, ISBN 3-925835-65-2.(Enthält u.a. ein Kapitel über die daguerreotypisierten Männer der Frankfurter Paulskirche).
  • Fritz Kempe: Vor der Camera. Zur Geschichte der Photographie in Hamburg, Christians Verlag, Hamburg, 1976
  • Wilhelm Weimar, Die Daguerreotypie in Hamburg: (1. Beiheft zum Jahrbuch der Hamburgischen Wissenschaftlichen Anstalten, XXXII, 1914,) Verlag Otto Meissner, Hamburg, 1915 (mit Abbildungen im hinteren Teil des Buches), S. 19ff., (online)
  • Guido Dieckmann, Herrin über Licht und Schatten. Rowohlt, Reinbek 2011, ISBN 978-3-499-25590-8. Ein historischer Roman über Hermann Biow und seine Schwester Jenny Bossard-Biow.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hermann Biow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Abbildungen
  • Daguerreotypien bei Zeno.org
  • Matthias Gretzschel: Das erste Photo von Hamburg, (Hamburger Abendblatt vom 24. Dezember 2002).
  • Hamburger Zeitreise: Das Bild der Katastrophe, (Hamburger Abendblatt vom 4. November 2013, (online, Ansicht kostenpflichtig)).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Altonaisches Address-Buch für 1842 (Eintrag im Personenverzeichnis): Biow, Hermann, Portraitmaler, heliographische Portraits, Königstr. 27; für 1843: Portraitmaler, heliographische Portraits, Königstr. 27, dessen Atelier auf dem Belvedere des Baumhauses in Hamburg; für 1844: Portraitmaler, Neuer Wall 24.
  2. Hamburgisches Adress-Buch für 1843 (Eintrag im Personenverzeichnis): Stelzner, C.F., Portraitmaler u. Dagurreotypie-Atellier Caffamacherreihe 32.
  3. a b Matthias Gretzschel: Das erste Foto von Hamburg. Hamburger Abendblatt, 24. Dezember 2002; abgerufen am 29. März 2017.
  4. Sammlung MKG, Hamburg.