Hermann Detering

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Hermann Detering (* 1953 in Oldenburg) ist ein deutscher evangelischer Theologe und Buchautor. Er vertritt die These, alle Paulusbriefe seien Pseudepigraphen und Jesus von Nazaret sei keine historische Figur, sondern ein nachträglich von Christen historisierter Jesus-Mythos.

Nach dem Abitur studierte Detering Germanistik, Altphilologie und evangelische Theologie in Berlin. Von 1982 bis 2009 arbeitete er dort als Pfarrer. 1991 promovierte er bei Walter Schmithals mit einer Arbeit über die niederländische Radikalkritik.[1]

In seinen Werken Paulusbriefe ohne Paulus? (1992) und Der gefälschte Paulus (1995) übernahm Detering die Thesen von deren Hauptvertretern Abraham Dirk Loman (1823–1897), Willem Christiaan van Manen (1842–1905) und Gustaaf Adolf van den Bergh van Eysinga (1874–1957): Alle Paulusbriefe seien erst im 2. Jahrhundert entstanden und somit Paulus nur zugeschrieben worden.[2] Frühe Erwähnungen einiger Paulusbriefe im ersten Clemensbrief und in den Ignatiusbriefen seien ihrerseits spätere Fälschungen. Eine nur in Notizen einiger Kirchenväter überlieferte Kurzfassung der Paulusbriefe von Marcion (um 150) sei ursprünglich. Die Großkirche habe diese Vorlage durch Textzusätze erweitert. Auf diese verschiedenen Autoren seien innere Widersprüche in den Paulusbriefen zurückzuführen. Die Figur des Paulus sei legendarisch. Marcion habe sie nach dem Vorbild des Simon Magus gezeichnet, den die Kirche zum Urbild der Gnosis und aller Häretiker erklärt habe.

Deterings Thesen sind wissenschaftlich nicht anerkannt. Die Mehrzahl der Neutestamentler weist sie zurück.[3] Jürgen Becker betrachtet Deterings Umgang mit den Quellen hinsichtlich seiner Identifikation des Paulus mit Simon Magus als „sehr fantasievoll“. Detering müsse der Apostelgeschichte des Lukas jeden Geschichtswert absprechen, den ersten Clemensbrief und die Ignatiusbriefe zu Fälschungen erklären, weil sie Paulusbriefe vor Marcion bezeugten. Dass die Großkirche die angeblichen Marcionprodukte überarbeitet habe, um sie in ihren NT-Kanon aufzunehmen, sei eine „bizarre Vermutung“.[4]

In seinem Werk Falsche Zeugen (2011) bestreitet Detering die Aussagekraft außerchristlicher antiker Erwähnungen Jesu.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paulusbriefe ohne Paulus? Die Paulusbriefe in der holländischen Radikalkritik. 1992.
  • Der gefälschte Paulus. Das Urchristentum im Zwielicht. (1995) Patmos, Wuppertal 2012
    • Englische Ausgabe: Darrell J. Doughty (Übersetzer und Hrsg.): The Falsified Paul: Early Christianity in the Twilight. In: The Journal of Higher Criticism 10/Nr. 2 (2003), S. 2–199
  • Falsche Zeugen: Außerchristliche Jesuszeugnisse auf dem Prüfstand. 2011.
  • Die Lust der Welt und die Kunst der Entsagung. 2013.
  • O du lieber Augustin - Falsche Bekenntnisse? 2014.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. hermann-detering.de: Vita
  2. Reimund Bieringer: The Corinthian correspondence. Peeters, 1996, ISBN 90-6831-774-1, S. 428.
  3. Eduard Lohse: Paulus. Eine Biographie. 2. Auflage. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-58584-5, S. 279; Frank Holzbrecher: Paulus und der historische Jesus: Darstellung und Analyse der bisherigen Forschungsgeschichte. A. Francke, 2007, ISBN 978-3-7720-8242-9, S. 70.
  4. Jürgen Becker: Der Völkerapostel Paulus im Spiegel seiner neuesten Interpreten. In: Theologische Literaturzeitung Nr. 11 / 122. Jahrgang, November 1997, Spalte 977–978.