Hermann Heinrich Gossen

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Hermann Heinrich Gossen (* 7. September 1810 in Düren; † 13. Februar 1858 in Köln) war ein preußischer Jurist, Königlich preußischer Regierungs-Assessor, der mit seinem Buch Entwickelung der Gesetze des menschlichen Verkehrs, und der daraus fließenden Regeln für menschliches Handeln den Begriffen Wert, Preis und Nutzen eine revolutionär neue Bedeutung gab. Er ist der wichtigste Vorläufer der Grenznutzenschule, welche die klassische Ökonomik in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ablöste.

Leben[Bearbeiten]

Gossen war Sohn des Steuereinnehmers Georg Joseph Gossen (* 15. Dezember 1780 in Düren; † 7. Oktober 1847 in Köln) und dessen Ehefrau Maria Anna Mechthildis geborene Scholl (* 22. Februar 1768 in Aachen; † 29. Juni 1833 in Muffendorf) geboren. Düren stand zu diesem Zeitpunkt unter französischer Besatzung. Die Eltern verzogen 1824 nach Muffendorf bei Bonn, um dort das Gut Muffendorf, den heutigen Siegburger Hof, zu bewirtschaften. Gossen versuchte sich zunächst mit dem Verkauf von Versicherungen. Nach einem Studium in Bonn war er einige Jahre als Beamter im preußischen Staatsdienst tätig und setzte sich 1847 zur Ruhe. Seit dieser Zeit lebte er bis an sein Lebensende in Köln.

In seinem Buch Entwickelung der Gesetze des menschlichen Verkehrs, und der daraus fließenden Regeln für menschliches Handeln, das 1854 in Braunschweig erschien, legte er mit mathematischen Methoden seine Theorien zum Grenznutzen dar und formulierte die zwei Gossenschen Gesetze, mit denen er zu einem bedeutenden Vorläufer der Grenznutzenschule in der Ökonomie wurde und damit für die Neoklassik überhaupt.

Es ist erwähnenswert, dass zu damaliger Zeit eine mathematische Betrachtung ökonomischer Zusammenhänge wenig üblich war. Wohl wegen seiner Komplexität fand sein Buch zu seinen Lebzeiten keine Anhängerschaft und galt nach seinem Tod lange als verschollen. Es ist heute in nur wenigen Exemplaren erhalten. Dennoch muss Gossen um die Bedeutung seiner Idee gewusst haben; er verglich sie sogar mit den kopernikanischen Himmelsgesetzen.

Nach 1870 erschienen fast zeitgleich Werke von Léon Walras, Carl Menger und William Stanley Jevons, die ebenfalls die Grenznutzentheorie vorstellten. Während man sich noch darum stritt, wer sie zuerst entdeckt hatte, gelang es einem Kollegen von Jevons herauszufinden, dass tatsächlich Gossen der erste gewesen war. Man erkannte Gossens Leistung an und machte sie durch eine geringere Mathematisierung verständlicher. Dadurch bedingt, dass die Leistungen Gossens erst Jahrzehnte nach dessen Tod bekannt wurden, war über seine Lebensgeschichte zunächst wenig bekannt. Léon Walras fand in Gossens Neffen, Hermann Kortum, den nächsten noch lebenden Verwandten und veröffentlichte dessen Angaben 1885 im Journal des économistes. Der diesbezügliche Schriftwechsel wurde 1965 von William Jaffé publiziert. Eine detaillierte Auswertung von primären Quellen wurde erst 1931 von Robert Blum vorgenommen.

Die Stadt Düren brachte zur Erinnerung an Gossen an der Stelle seines kriegszerstörten Geburtshauses am Haus Steinweg 9 eine Gedenktafel an. 1970 wurde eine Straße nach ihm benannt. Siehe Plaketten und Denkmäler an Häusern in Düren.

Schriften[Bearbeiten]

  • Entwickelung der Gesetze des menschlichen Verkehrs, und der daraus fließenden Regeln für menschliches Handeln. Friedrich Vieweg & Sohn, Braunschweig 1854 (Digitalisat)

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Fritz Behrens: Hermann Heinrich Gossen oder die Geburt der „Wissenschaftlichen Apologetik“ des Kapitalismus. Bibliographisches Institut, Leipzig 1949
  • Karl Robert Blum: Hermann Heinrich Gossen – Eine Untersuchung über die Entstehung seiner Lehre. Gießen 1931
  • Klaus Hagendorf: A Critique of Gossen’s Fundamental Theorem of the Theory of Pleasure.
  •  William Jaffé (Hrsg.): Correspondence of Léon Walras and related papers. 3 Bände, North-Holland Publishing Company, Amsterdam 1965 (Veröffentlichung von Walras’ Autobiographie und Korrespondenz).
  • Oskar KrausGossen, Hermann Heinrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 55, Duncker & Humblot, Leipzig 1910, S. 483–488.
  • Heinz D. Kurz: Wer war Hermann Heinrich Gossen (1810–1858), Namensgeber eines der Preise des Vereins für Socialpolitik? In: Schmollers Jahrbuch, 129, 2009, 3.
  • Heinz Kurz: Ökonomik als wahre Religion. In: FAZ, 25. Oktober 2010, S. 10
  • Walter Laufenberg: Die Berechnung des Glücks – Das Leben des Hermann Heinrich Gossen. München 2012
  • Alexander Mahr: Gossen, Hermann Heinrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 6, Duncker & Humblot, Berlin 1964, ISBN 3-428-00187-7, S. 649 f. (Digitalisat).
  • Hermann Riedle: Hermann Heinrich Gossen: 1810–1858. Ein Wegbereiter der modernen ökonomischen Theorie. Winterthur 1953
  • Léon Walras: Un économiste inconnu: Hermann-Henri Gossen. In: Journal des économistes, Vol. 30, Nr. 4/1885, S. 68–90 (Digitalisat)

Weblinks[Bearbeiten]