Hermann Jacobsohn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Unterschrift von Hermann Jacobsohn in einem Brief vom 22. Oktober 1932 an Albert Bachmann

Hermann Jacobsohn (* 30. August 1879 in Lüneburg; † 27. April 1933 in Marburg[1]) war ein deutscher Sprachwissenschaftler und Universitätsprofessor jüdischer Herkunft. Er war Sohn des Bankiers Moritz Jacobsohn.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stolperstein in der Schückingstraße 24 in Marburg

Nach Abitur, Studium der Altphilologie und Indogermanistik in Freiburg im Breisgau, Berlin und Göttingen promovierte Jacobsohn und habilitierte sich in München. 1911 trat er eine Stelle als außerordentlicher Professor für vergleichende Sprachwissenschaft in Marburg an.

Am Ersten Weltkrieg nahm Jacobsohn als Dolmetscher teil; seine Tätigkeit brachte ihn in Kontakt mit russischen Kriegsgefangenen, deren Sprachen (u. a. Russisch, Karelisch, Estnisch) er studierte. Darüber hinaus widmete er sich in Vorträgen Fragen der russischen und ukrainischen Geschichte und Politik. In der Weimarer Republik war er Mitglied der DDP.

1922 wurde Jacobsohn zum ordentlichen Professor berufen. 1928 hielt er Vorträge an der Akademie der Wissenschaften in Helsinki und wurde im selben Jahr Dekan seiner Fakultät. Ein Jahr später wurde ihm kommissarisch die Leitung des Deutschen Sprachatlas übertragen.

Am 25. April 1933 wurde Jacobsohn auf Grund der Bestimmungen des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums, die Juden vom Staatsdienst ausschlossen, entlassen. Zwei Tage später warf er sich am Marburger Südbahnhof vor einen Zug.

Zwei seiner Schwestern wurden Opfer des Holocaust. Sein Sohn Helmuth Jacobsohn (1906–1994) begründete an der Marburger Universität die Ägyptologie.

Würdigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ihm zu Ehren benannte Hermann-Jacobsohn-Weg in Marburg ist eine Seitenstraße der Weintrautstraße.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Altitalische Inschriften, 1910
  • Russlands Entwicklung und die ukrainische Frage, 1916
  • Arier und Ugrofinnen, 1922

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ruth Verroen et al. (Hrsg.): Leben Sie? Die Geschichte der deutsch-jüdischen Familie Jacobsohn. Marburg 2000 ISBN 3-8185-0292-7.
  • Ruth Verroen: Leben Sie? Die Geschichte einer jüdischen Familie in Deutschland (1845–1953). Marburg 2015 (Jonas Verlag), ISBN 978-3-89445-506-4.
  • Die Philipps-Universität im Nationalsozialismus Veranstaltungen der Universität zum 50. Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai 1995. Hrsg. vom Konvent der Philipps-Universität Marburg, 1996 (darin: Harald Maier-Metz: Hermann Jacobsohn. Sein Leben. Michael Job: Hermann Jacobsohn. Sein Werk).
  • Lexikon deutsch-jüdischer Autoren. Band 12. Saur, München 2005, S. 340–343.
  • Utz Maas: Verfolgung und Auswanderung deutschsprachiger Sprachforscher 1933–1945. Eintrag zu Hermann Jacobsohn (abgerufen: 13. April 2018)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hermann Jacobsohn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]