Hessisches Staatsarchiv Marburg

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Hessisches Staatsarchiv Marburg
– HStAM –
Wappen von Hessen
Staatliche Ebene Land Hessen
Stellung Staatsarchiv
Rechtsform Behörde
Aufsichtsbehörde Hessisches Landesarchiv
Gründung 1869
Hauptsitz Marburg
Behördenleitung Andreas Hedwig
Bedienstete 1112012[1]
Website [1]

Das Hessische Staatsarchiv Marburg (HStAM) ist einer der drei Standorte des Hessischen Landesarchivs und hat seinen Sitz in Marburg.[2] Es dient neben dem Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden und dem Hessischen Staatsarchiv Darmstadt als Regionalarchiv. Das Hessische Staatsarchiv Marburg ist zuständig für Nord- und Teile Mittelhessens. Es wurde 1869 durch das Königreich Preußen zunächst mit kurhessischen Altbeständen gegründet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das hessische Staatsarchiv Marburg wurde nach der Annexion des Kurfürstentums Hessen durch Preußen nach dem Deutschen Krieg und der Eingliederung in die Provinz Hessen-Nassau gegründet. 1869 und Mitte der 1870er Jahre vereinigte Preußen die ehemaligen kurhessischen Archive in Kassel, Hanau, Marburg und Fulda zu einem Staatsarchiv mit Sitz in der Universitätsstadt Marburg. Dort war das Archiv zunächst in dem vorher als Zuchthaus genutzten Landgrafenschloss untergebracht.[3] Das Staatsarchiv war hinsichtlich der Neuzugänge für die Behörden der Provinz Hessen-Nassau und alle staatlichen Behörden des Regierungsbezirks Kassel zuständig. 1938 erhielt es sein heutiges Archivzweckgebäude am Friedrichsplatz. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in dem aus Kriegsgründen evakuierten Gebäude für ein Jahr die erste Kunstsammelstelle der Amerikaner in Deutschland, der Marburg Central Collecting Point, eingerichtet. Nach der Auflösung dieser Einrichtung im August 1946 ging das Gebäude wieder in die Hand des Landes Hessen über.

Im Bundesland Hessen ist das Archiv seit Ende 1946 für das Schriftgut des Regierungsbezirks Kassel, Teile des Regierungsbezirks Gießen sowie für die staatlichen Mittel- und Unterbehörden, Gerichte und Körperschaften des öffentlichen Rechts in der kreisfreien Stadt Kassel, in den Landkreisen Fulda, Hersfeld-Rotenburg, Kassel, Marburg-Biedenkopf und Waldeck-Frankenberg, im Schwalm-Eder-Kreis und im Werra-Meißner-Kreis zuständig.

Direktoren des Archivs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hessisches Staatsarchiv Marburg

Bestände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Umfang seiner Bestände her ist das Hessische Staatsarchiv Marburg das mit Abstand größte Archiv in Hessen. Der zeitliche Rahmen der Überlieferung erstreckt sich vom Jahr 760 bis in die Gegenwart. Mehr als

machen das Archiv zu einem der bedeutendsten im deutschsprachigen Raum. Die hohen Besucher- und Nutzerzahlen entsprechen dem (797 Nutzer und Nutzerinnen mit 3.608 Benutzertagen im Jahr 2014).[4]

Die ältesten Dokumente stammen aus den Reichsabteien Fulda und Hersfeld. Die Bestände der Landgrafen von Hessen setzen im 13. Jahrhundert ein.

Historische Bestände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siegelmarke

Verlorene Zuständigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Modernes Verwaltungsschriftgut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der preußischen Zeit ab 1866 bis 1945 sind die Akten der in Kassel ansässigen Organe und Behörden der Provinz Hessen-Nassau und des Regierungsbezirks Kassel sowie der dort tätigen Unterbehörden archiviert, nach 1945 der staatlichen Stellen der Kreis- und Kommunalarchive.

Empfindliche Überlieferungslücken bestehen für die Zeit des Nationalsozialismus, weil der Luftangriff auf Kassel am 22. Oktober 1943 Akten der preußischen Provinzialverwaltung zerstörte.

Eine Herausforderung stellt das quantitativ umfangreiche Archivgut der Mittel- und Unterbehörden des Landes Hessen dar. Bewertung und Übernahme solcher Unterlagen erfordert vor allem auch im Hinblick auf die in Hessen bevorstehende Einführung eines elektronischen Dokumentenmanagement und der elektronischen Sachbearbeitung eine zwischen den Staatsarchiven hessenweit abgestimmte Vorgehensweise bei Bewertung und Übernahme von Archivgut.

Deposita[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Staatsarchiv verwahrt nicht nur staatliche Überlieferung, sondern in großem Umfang auch Deponiertes:

Das bis dahin im Staatsarchiv Marburg verwahrte Archiv vom Verband der Baltischen Ritterschaften wurde im Mai 2006 an das Herder-Institut (Marburg) abgegeben.

Projekte des Staatsarchivs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hessische Staatsarchiv Marburg betreut unter anderen die Online-Edition der Urkunden des Stiftsarchivs der Reichsabtei Hersfeld und die Online-Urkundenedition des Stiftsarchivs der Reichsabtei Fulda (751–1837). Es erschließt die Adelsarchive der Schencken zu Schweinsberg und der Familie v. Berlepsch (14.–19. Jahrhundert) und nimmt die Retrokonversion der archivischen Findmittel der Bestände „Politisches Archiv Philipps des Großmütigen“ und „Hanauer Regierung“ vor.

Angegliederte Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2004 besitzt das Staatsarchiv mit dem Archiv der deutschen Jugendbewegung auf Burg Ludwigstein (Witzenhausen) eine Außenstelle, die mit ihrem reichhaltigen Bestand an Nachlässen und ihren bedeutenden Sammlungen einen Kristallisationspunkt für einschlägige Forschungen darstellt. Es sammelt und sichert die Dokumente der deutschen Jugendbewegung und deutscher Jugendverbände seit etwa 1890 bis heute. 2005 wurde außerdem eine Außenstelle in Neustadt (Hessen) eingerichtet, in der das Grundbucharchiv (mit ca. 11 Regalkilometern (2010)) und das Personenstandsarchiv (mit ca. 500 Metern (2011)) der drei hessischen Staatsarchive aufbewahrt werden.[5] Seit 2006 ist das Archiv der Philipps-Universität Marburg institutionell selbständig. Es ist im Hessischen Staatsarchiv Marburg untergebracht, das auch die Archivalien den Nutzern vorlegt.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Archivnachrichten aus Hessen, Marburg, Wiesbaden, Darmstadt 2001ff.
  • Hessisches Staatsarchiv Marburg. In: Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen (Hrsg.): Alte Documente... sind uns so lieb als Gold. Kostbarkeiten aus hessischen Archiven. Frankfurt am Main 2000.
  • Carl Knetsch: Das Staatsarchiv zu Marburg. In: Archivalische Zeitschrift 39 (1930).
  • Wolfgang Leesch: Die deutschen Archivare 1500-1945. Bd. 1: Verzeichnis nach ihren Wirkungsstätten. Saur Verlag, München 1985.
  • K. Leiskau: Der Neubau des Staatsarchivs in Marburg 1935-1938 (= Schriften des Hessischen Staatsarchivs Marburg 12). Marburg 1999.
  • Gerhard Menk/Gustav Könnecke: Ein Leben für das Archivwesen und die Kulturgeschichte. In: Schriften des Hessischen Staatsarchivs Marburg, 2004.
  • Katharina Schaal/St. Arndt: Kostbarkeiten aus der Geschichte der Philipps-Universität Marburg in Archiv Bibliothek und Museum. Marburg 2009.
  • Tätigkeitsberichte der Hessischen Staatsarchive, Marburg, Wiesbaden, Darmstadt 2007ff.
  • Fritz Wolff: Das Hessische Staatsarchiv in Marburg. In: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 27 (1977) (mit weiteren Literaturhinweisen)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hessisches Staatsarchiv Marburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hessisches Hauptstaatsarchiv et al.: Tätigkeitsbericht der Hessischen Staatsarchive 2012. Juni 2013, S. 42. (Einschließlich Auszubildende)
  2. Gesetz zur Neuregelung des Archivwesens und des Pflichtexemplarrechts. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. Nr. 24, 2012, ISSN 0342-3557, S. 458–463 (Digitalisat).
  3. Johannes Burkardt: Die Historischen Hilfswissenschaften in Marburg (17.–19. Jahrhundert), Institut für Historische Hilfswissenschaften, Marburg 1997, ISBN 978-3-81850238-6, S. 86.
  4. Tätigkeitsbericht der Hessischen Staatsarchive 2014, S. 36 ff.
  5. Nicola Wurthmann/ Mareike Hoff: Eine neue Servicestelle für die hessische Justiz. Das Grundbucharchiv der hessischen Staatsarchive. In: Archivnachrichten aus Hessen 10/2 (2010), S. 4–6.
  6. Katharina Schaal: Das Archiv der Philipps-Universität Marburg. In: Archivnachrichten aus Hessen 7/2 (2007), S. 30–32.

Koordinaten: 50° 48′ 12″ N, 8° 45′ 48″ O