Hermann Joachim Pagels

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Hermann Joachim Pagels
Pagels’sches Familiengrab
Detail

Hermann Joachim Heinrich Pagels (* 11. September 1876 in Lübeck; † 1. Juli 1959 in Berlin) war ein deutscher Bildhauer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hermann Joachim Heinrich Pagels war ein Sohn von Heinrich Pagels, dem Seniorchef der seinerzeit deutschlandweit bedeutenden Firma Heinr. Pagels in der Breiten Straße zu Lübeck, einem Porzellan- und Haushaltswarengeschäft. Er war Mitschüler von Thomas Mann auf dem Katharineum zu Lübeck. Mit Fritz Behn und Hans Schwegerle bildet er eine Gruppe von fast gleichaltrigen Lübeckern, die erfolgreiche Bildhauer wurden und deren Realismus dem Zeitgeschmack entsprach.[1] Er studierte von 1894 bis 1900 an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin und war dort Schüler von Otto Brausewetter, Peter Breuer und Ernst Herter und war von 1901 bis 1904 in deren Ateliers tätig. 1896 gewann er den 1. Preis der Akademie für Komposition einer Zeichnung und 1900 für Komposition einer Statue.

Zeit nach 1900[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1904 war mit drei Skulpturen auf der Internationalen Kunstausstellung in Düsseldorf vertreten. Im gleichen Jahr erhielt er eine Bronzemedaille auf der Weltausstellung in St. Louis, wo er mit den Bronzen Pessimist und Schlange vertreten war. 1905 eröffnete er ein eigenes Atelier und erhielt für seine Kindergruppe eine ehrende Erwähnung der Gesellschaft für Berliner Kunst. Ab 1907 machte er Studienreisen nach Frankreich und Italien und arbeitete 18 Monate in Florenz.[2] Nach seiner Rückkehr hatte er sein Atelier im Atelierhaus Siegmunds Hof 11 im Hansaviertel; seine politische Einstellung zu dieser Zeit beschrieb sein Wer ist’s?-Eintrag von 1908 als sozial-liberal.[3]

1911 schuf er den Entwurf zu einer Porzellanfigur der KPM, einer Porträtstatuette von Prinz Wilhelm von Preußen, dem ältesten Sohn des Kronprinzen Wilhelm.[4] Zu seinen bekannteren frühen Werken gehört der Hühnerdieb-Brunnen auf dem Aachener Rathausplatz (1913). Dieser wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1953 durch einen Neuguss ersetzt. Abgüsse des Hühnerdiebs, von dem es auch eine verkleinerte Version gab, befinden sich im Schlossgarten von Berlin-Köpenick und in der Sammlung des Behnhauses in Lübeck. Die Porzellanmanufaktur Allach vertrieb als Modell Nr. 126 eine 27 cm hohe Porzellan-Version.[5]

Erster Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 2. August 1914 zog er als Vizefeldwebel mit dem Garde-Schützen-Bataillon zu Lichterfelde ins Feld, erhielt als erster von ihnen im November das Eiserne Kreuz. Als Offiziersstellvertreter beim Landwehr-Regiment 12 wurde er zum Leutnant befördert.[6] Im November 1915 kämpfte er mit dem 3. Jäger-Regiment zu Pferde. 1917 fiel sein damals 21-jähriger Verwandter Hermann Pagels in Frankreich. Er wurde in dem 1908 von Hermann Joachim Pagels künstlerisch gestalteten Familiengrab auf dem Burgtorfriedhof in Lübeck beigesetzt.

Militärische Auszeichnungen

Auf dem Burgtorfriedhof schuf Pagels 1921 das Mausoleum für Emil Possehl. Auch auf Berliner Friedhöfen war er mit Grabmalkunst vertreten, insbesondere auf dem Parkfriedhof Lichterfelde[8] und auf dem Frankfurter Hauptfriedhof schmückte eine von ihm entworfene Christusfigur das Grabmal Kremsky.

Zeit der Weimarer Republik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Vermittlung des aus Lübeck stammenden Gartenbaudirektors Erwin Barth erhielt er 1925 den Auftrag zu einer Figurengruppe, die den Eingang zum Jungfernheidepark schmücken und zugleich den Gedanken des Volksparks symbolisieren sollte. Von der zweiteiligen Gruppe ist nur einer der beiden Bären mit spielenden Kindern nach dem Zweiten Weltkrieg erhalten geblieben. 2011 erfolgte die Aufstellung einer originalgetreuen Nachbildung des zweiten Bären auf dem Bärenplatz im Volkspark Jungfernheide.[9]

NS-Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde Pagels durch seine Adolf-Hitler-Büsten bekannt.[10] Hitler erwarb von Pagels das Werk Schwimmerin[11] für 8000 Reichsmark. Pagels Werke wurden zur NS-Zeit auch 1936 auf der Großen Münchner Kunstausstellung gezeigt, wo er mit Marmor- und Bronzebüsten von Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel, Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt und Generaloberst Walther von Brauchitsch vertreten war. Im Haus der Deutschen Kunst in München waren 1940 unter anderem seine Bronzebüsten von Rudolf Heß, Joseph Goebbels und Benito Mussolini ausgestellt.[12]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hermann Joachim Pagels – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ida Boy-Ed: Ich selbst?
  2. Peter Bloch: Ethos und Pathos. Die Berliner Bildhauerschule 1786–1914, mit Kurzbiographien Berliner Bildhauer. Gebr. Mann, Berlin 1990, ISBN 3-7861-1599-0, S. 530 (Band 2).
  3. Herrmann A. L. Degener (Hrsg.): Wer ist’s? 3. Ausgabe, Degener, Leipzig 1908, S. 1010.
  4. Irene von Treskow: Die Jugendstil-Porzellane der KPM (= Materialien zur Kunst des 19. Jahrhunderts, Bd. 5). Prestel, München 1971, S. 260.
  5. Hühnerdieb, Allach-Porzellan
  6. Lübecker General-Anzeiger vom 24. November 1914, Rubrik: Beförderungen
  7. Lübecker Stadtarchiv in Sachen Senatsakten: Verzeichnis der Inhaber des Lübeckischen Hanseatenkreuzes, Signatur 1093.
  8. Uta Lehnert: Den Toten eine Stimme: der Parkfriedhof Lichterfelde. Edition Hentrich, Berlin 1996, ISBN 3-89468-204-3, S. 46. (= Deutsche Vergangenheit, Band 124.)
  9. Der zweite Bär ist wieder da, Birgitt Eltzel, Berliner Zeitung, 7./8. Mai 2011.
  10. Adolf Hitler-Büste (Memento des Originals vom 12. Juni 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.thirdreicharts.com bei thirdreichart.com (englisch)
  11. Schwimmerin im Haus der Deutschen Kunst
  12. Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 404.
  13. Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen in der Königlichen National-Galerie zu Berlin. Mittler, Berlin 1908, S. 168 (Nr. 229).
  14. Ekkehard Mai, Hans Pohl, Stephan Waetzoldt: Kunstpolitik und Kunstförderung im Kaiserreich. Kunst im Wandel der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Gebr. Mann, Berlin 1982, ISBN 3-7861-1322-X, S. 68. (= Kunst, Kultur und Politik im Deutschen Kaiserreich, Band 2.)