Hermann Wollheim

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Hermann Wollheim (* 1817 in Breslau; † 16. September 1855 in Breslau) war ein deutscher Arzt, Schriftsteller und Politiker.

Hermann Wollheim

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wollheim war der Sohn eines jüdischen Wollmaklers in Breslau.[1] Nach der Schulzeit in Breslau studierte er (vermutlich ab 1836) Medizin in Berlin. Zusammen mit anderen Studenten gründete er am 7. Juni 1837 das Bier-Königreich Flandern und Brabant.[2] Anfang 1838 trat er mit ungefähr 10 anderen Studenten wieder aus und gründete das Bierherzogtum Lothringen. Aus diesem wiederum entstand am 3. August 1838 unter Beteiligung Wollheims das Corps Pomerania II.[3] Nach dem medizinischen Staatsexamen und der Promotion zum Dr. med. kehrte Wollheim 1840 nach Breslau zurück. Dort hatte er intensiven Kontakt zu Mitgliedern des mit der Berliner Pomerania befreundeten Corps Silesia Breslau. Vor 1848 zog Wollheim nach Dyhernfurth im Kreis Wohlau. Als die Märzrevolution 1848 den schlesischen Landkreis Wohlau erreichte, setzte Wollheim sich für eine friedlich und gewaltfreie Vorgehensweise ein.[4] Am 8. Mai 1848 wurde Wollheim als stellvertretender Abgeordneter für den Kreis Wohlau in die preußische Nationalversammlung in Berlin gewählt.[5] Ende Mai 1848 und wieder im September und Oktober 1848 war Wollheim in Berlin, weil der Hauptabgeordnete des Kreises aus familiären Gründen nach Schlesien reisen musste [6]. Ende Januar 1849 wurde Wollheim in die Zweite Kammer des preußischen Parlaments gewählt.[7] Das Corps Silesia in Breslau, zu welchem Wollheim den Kontakt nie verloren hatte, nahm ihn 1852 als Mitglied auf. Im gleichen Jahr verfasste und komponierte er für einen Hoftag dieser Studentenverbindung eine Parodie auf Richard Wagners Oper Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg. Das zunächst 1854 unter dem Titel Tannhäuser oder die Prügelei auf der Wartburg erschienene Werk Wollheims wurde in veränderter Fassung 1856 als Tannhäuser oder die Keilerei auf der Wartburg in größerer Auflage gedruckt. Diese letzte Fassung nahm Johann Nestroy unter teilweise wörtlicher Übernahme ganzer Passagen zur Vorlage für seine Wagner-Parodie Tannhäuser, welche 1857 in Wien uraufgeführt wurde.[8] Wollheim dichtete außerdem unter anderem das Studentenlied Sind wir nicht zur Herrlichkeit geboren. Wollheim starb 1855 an der Cholera.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • De vulnerum faciei suturis, Dissertation, 1840 (veröffentlicht unter dem Vornamen Arminius)
  • Versuch einer medicinischen Topographie und Statistik von Berlin, Berlin 1844 Digitalisat hier:
  • Tannhäuser, oder, die Keilerei auf der Wartburg. Grosse sittlich-germanische Oper mit Gesang und Musik in vier Aufzügen, Hoyerswerda 1856
  • Lehrbuch für Heildiener; ein Leitfaden für die bei Ausübung der Heilkunst erforderlichen Hülfsverrichtungen und für die Krankenpflege.: Ein Leitfaden für die bei Ausübung der Heilkunst erforderlichen Hülfsverrichtungen und für die Krankenpflege, 1853 Digitalisat

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ralph und Oe: Biographische Notizen über Hermann Wollheim, in: Schlesische Provinzialblätter, Neue Folge, 5. Jahrg., 1866, S. 549-551
  • Erich Bauer: Zum Aufsatz Dr. Röhlkes: die Bierkönigreiche der Marchia zu Berlin, in: Einst und Jetzt (Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung), 13 (1968) S. 176 ff. (enthält Biographie von Wollheim)
  • Jürgen Herrlein, Silvia Amella Mai: Hermann Wollheim (1817 - 1855) und seine literarischen Werke, Hilden: WJK-Verlag 2012, ISBN 978-3-944052-04-5
  • Curt Meyer: Hermann Wollheims Bierspiel „Tannhäuser oder die Keilerei auf der Wartburg“ (1852), in: Einst und Jetzt, 16 (1971) S. 67 ff.
  • Walter Schmidt: Hermann Wollheim (1817-1855). Ein jüdischer Arzt, Achtundvierziger Demokrat und Schriftsteller aus Schlesien, in: Jahrbuch der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Breslau, Band 45/46 (2004/2005), S. 345
  • Bernd Haunfelder: Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus 1849–1867, 1994, S. 272.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Maywald: Gesamt-Mitgliederverzeichnis des Corps Silesia 1821-1961, I. Teil: 1821 - WS 1895/96, S. 20, lfd. Nr. 312
  2. Erich Röhlke: Die Bierkönigreiche bei Marchia Berlin, in: Einst und Jetzt (Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung), 9 (1964) S. 153 ff., hier: S. 155
  3. Erich Bauer: Ein Nachwort der Schriftleitung zu Erich Röhlke: Die Bierkönigreiche bei Marchia Berlin, in: Einst und Jetzt (Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung), 9 (1964) S. 164 ff., hier: S. 165
  4. Bericht in: Schlesischer Kreisbote. Ein Blatt für Leser aller Stände, 13. Jahrg. (1848), Nr. 28 vom 5. April 1848
  5. Bericht in: Schlesischer Kreisbote. Ein Blatt für Leser aller Stände, 13. Jahrg. (1848), Nr. 37 vom 10. Mai 1848
  6. Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin, Akte (des Hauptabgeordneten) Friedrich Wilhelm Müller, I. HA, Rep. 169, B 4, Spec. Nr. 22, Blatt 166 f.
  7. Walter Schmidt, Friedrich Wilhelm Müller (1801-1868). Ein Burschenschafter, protestantischer Geistlicher und achtundvierziger Demokrat aus Schlesien, Berlin 2003, S. 29
  8. Curt Meyer: Hermann Wollheims Bierspiel „Tannhäuser oder die Keilerei auf der Wartburg“ (1852), in: Einst und Jetzt, 16 (1971) S. 67 ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]