Heylshof

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Der Heylshof in Worms

Der Heylshof (auch Museum Kunsthaus Heylshof oder Stiftung Kunsthaus Heylshof) ist ein unter Denkmalschutz stehendes Museum mit einer großzügig gestalteten Gartenanlage in der rheinland-pfälzischen Stadt Worms.[1]

Planung und Erstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der repräsentative Bau wurde zwischen 1881 und 1884 von dem Schweizer Architekten Alfred Friedrich Bluntschli, der ein Schüler Sempers war, im Stil des Neobarock erschaffen und diente Cornelius Wilhelm Heyl, seiner Ehefrau Sophie von Heyl zu Herrnsheim (geborene Stein) und ihren Kindern als Palais, nachdem das zuvor als Wohnhaus genutzte Gebäude, das Heyls-Schlößchen, zu klein geworden war.[2]

Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und Wiederaufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude wurde im Frühjahr 1945 bei einem Luftangriff teilzerstört und, fortan eingeschossig, mit Walmdach wiederhergestellt. Seit 1961 ist es wieder öffentlich als „Kunsthaus Stiftung Heylshof“ zugänglich.[3]

Stiftung an die Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heylsbüste im Garten des Heylshofs

Cornelius Wilhelm von Heyl vermachte mit seiner Ehefrau, der Freifrau Sophie von Heyl, das Gebäude und den dazugehörigen Garten an die Stadt Worms. In einem auf den 15. Mai 1920 datierten Stiftungsbrief heißt es:

„Der von meinen Vorfahren vor mehr als 100 Jahren in Worms in der Umgebung des Domes erworbene und von meiner lieben Frau und mir ausgebaute Grundbesitz hat durch die enge Verknüpfung dieser Stelle mit den großen Ereignissen von weltgeschichtlicher Bedeutung, die sich in dem alten Bischofspalast, der in dem Garten stand, abgespielt haben, für alle Zeit eine besondere historische Bedeutung. Durch die Ausgestaltung dieses Besitzes in der heutigen Form ist zugleich eine würdige und feierliche Umgebung des altehrwürdigen Domes geschaffen worden. Ich habe mich deshalb, um meiner Vaterstadt einen erneuten Beweis meiner Liebe und Anhänglichkeit zu geben, entschlossen, diesen Besitz, der den Heylshof und den Heylschen Garten umfaßt, und der mein alleiniges, frei verfügbares Eigentum ist, einer gemeinnützigen Stiftung zu übereignen.“

Cornelius Wilhelm von Heyl: Stiftungsbrief[2]

Architektonische Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gartenansicht

Erwähnens- und sehenswert sind der schmiedeeiserne Zaun mit Tor und das am Gebäude befindliche Portal mit geschnitzten hölzernen Türflügeln des Bildhauers Lorenz Gedon sowie der im Innern befindliche Treppenaufgang.

Auf dem zugehörigen Gartengelände existiert ein (heute vergitteter) Kellereingang zum Dom aus dem Jahr 1719. Des Weiteren sind Fragmente von Skulpturen erhalten, wie auch ein Teilstück der aus dem Mittelalter stammenden Stadtbefestigung an der nordwestlichen Seite mit dem Herkulesbrunnen.[1]

Ausstellungsinhalte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1925 befindet sich im Inneren die Kunstsammlung der Familie von Heyl, die unter anderem aus deutscher, französischer und niederländischer Malerei, Porzellan und Keramik besteht, welche, durch rechtzeitige Verbringung an sichere Orte, die Kriegsschäden überstand.[4]

Heutige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Heylshof ist heute in erster Linie ein Museum der Stadt Worms, erfüllt aber auch andere Zwecke, wie beispielsweise bei den Nibelungenfestspielen, wenn sein Areal als Theaterfoyer genutzt wird.[5] Des Weiteren befinden sich regelmäßig Wechselausstellungen verschiedener, auch zeitgenössischer Künstler.[6]

Der 2017 errichtete Gedenkort Die Großen Schuhe Luthers befindet sich am östlichen Ende des zugehörigen Gartengeländes.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler. Kreisfreie Stadt Worms. In: denkmallisten.gdke-rlp.de. S. 17, abgerufen am 2. Mai 2017 (pdf).
  2. a b Georg Illert: Worms - so wie es war. Droste, Düsseldorf 1976, S. 71.
  3. Bernd Altmann: Mein Motto fürs Leben bleibt Renaissance - Der Architekt Alfred Friedrich Bluntschli. In: Dissertation Universität Trier. 20. September 2000, abgerufen am 25. November 2006.
  4. Irene Spille/Otto Böcher: Geschichte der Stadt Worms – Worms im 19. und 20. Jahrhundert bis 1945. Hrsg.: Gerold Bönnen. 2. Auflage. Theiss, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-8062-3158-8, S. 777.
  5. Gerold Bönnen: Geschichte der Stadt Worms – Worms im 19. und 20. Jahrhundert bis 1945. Hrsg.: Gerold Bönnen. 2. Auflage. Theiss, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-8062-3158-8, S. 859.
  6. Gerold Bönnen: Geschichte der Stadt Worms – Worms im 19. und 20. Jahrhundert bis 1945. Hrsg.: Gerold Bönnen. 2. Auflage. Theiss, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-8062-3158-8, S. 862.

Koordinaten: 49° 37′ 53″ N, 8° 21′ 35″ O