Wormser Dom

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Dom St. Peter zu Worms, Blick auf Ostabschluss, Vierungsturm und Nordarm des Querschiffs
Südseite mit Nikolauskapelle
Ansicht von Westen
Die Stadt Worms mit ihrem Dom um 1900

Der Dom St. Peter zu Worms ist der kleinste der drei rheinischen Kaiserdome. Der Wormser Dom ist steiler und schlanker konzipiert und etwa hundert Jahre jünger als die Dome in Speyer und Mainz. Er wurde im Wesentlichen von 1130 bis 1181 erbaut.

Stellenwert des Wormser Doms[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wormser Dom vor 1901

Der Wormser Dom, auf dem höchsten Punkt der Wormser Innenstadt gelegen, ist das bedeutendste Bauwerk der Wormser Romanik und eng mit dem Namen Bischof Burchards und der Blütezeit der Wormser Stadtgeschichte während des 12. und 13. Jahrhunderts verbunden.

Große Ereignisse, die im Zusammenhang mit dem Dom standen, waren unter Anderem die Papstnominierung Leos IX. im Jahr 1048, das Wormser Konkordat im Jahr 1122, mit dem der Investiturstreit beendet wurde; die Hochzeit Kaiser Friedrichs II. 1235 mit Isabella von England und der Reichstag zu Worms 1521, während dessen sich Martin Luther vor Kaiser Karl V. verantworten musste, was den Bruch in der abendländischen Kirche zur Folge hatte.

Bis zur Säkularisation von Hochstift und Bistum Worms (1801/02) war der Dom St. Peter die Kathedrale des Bischofs von Worms. Seit 1802 ist der Wormser Dom eine katholische Pfarrkirche, die in Erinnerung an ihre frühere Bedeutung als Bischofskirche im Jahre 1862 von Papst Pius IX. zur Propsteikirche und 1925 durch Papst Pius XI. zur „Basilica minor“ erhoben wurde. Dieser päpstliche Ehrentitel, der Ehrenrechte für den Propst und das Gotteshaus einschließt, soll die Bedeutung einer Kirche für das Umland hervorheben.

Der Dom wurde 1130 bis 1181 erbaut, wobei parallel zum Neubau der Abriss einer frühromanischen Basilika aus dem ersten Viertel des 11. Jahrhunderts erfolgte. Nach neuesten Forschungen begann der Bau möglicherweise schon 1105 mit Sanktuarium und Querschiff.[1].

Die Hauptsynagoge in Straßburg, 1896–98 von Ludwig Levy errichtet, wurde 1940–41 zerstört. Sie war in ihrer Gestaltung dem Wormser Dom nachempfunden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte des Doms[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wormser Dom steht auf dem höchsten Hügel der Stadt. Da dieser Hügel vor Hochwassern sicher war, ließen sich dort seit dem dritten vorchristlichen Jahrtausend Menschen nieder. Auf die Kelten folgte der germanische Stamm der Vangionen. An sie erinnert noch der Name Wonnegau für den Wormser Raum. Sie wurden bald von den Römern unterworfen, die auf dem Hügel ein Verwaltungszentrum und einen Tempelbezirk errichteten. Der Niedergang des römischen Reiches erfasste im Jahr 401 auch Worms, als die römischen Garnisonstruppen abzogen. Zwölf Jahre später ließen sich die Burgunden in Worms nieder, sie wurden von den Römern angesiedelt mit der Aufgabe, die Grenzen des Reiches zu sichern. Als sie jedoch versuchten, die römische Oberherrschaft abzuschütteln, wurden sie 435 in einer Schlacht von den Römern geschlagen. Ein Jahr später brachen die Hunnen in die Rheinebene ein und vernichteten den größten Teil des burgundischen Volkes.

Erster Kirchenbau unter Brunichildis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern drängten die Franken in die Rheinebene und übernahmen die Macht im Wormser Raum. Gleichzeitig breitete sich das Christentum aus. Als das Frankenreich der Merowinger in drei Teile zerfiel, gehörte Worms zu Austrasien. Nachdem die Herrscher von Austrasien und Neustrien Schwestern geheiratet hatten, brach ein Familienkrieg aus, dem die beiden Könige und eine der beiden Schwestern zum Opfer fielen. Die überlebende austrasische Königswitwe Brunichildis residierte um 600 in Worms. Sie und ihr Nachfolger Dagobert I. ließen nach mittelalterlichen Quellen eine Kirche auf den Grundmauern des römischen Forums errichten. Diese Kirche gilt als der Vorläufer des Doms. Archäologische Belege für diese Überlieferung gibt es nicht. Die Anfang des 20. Jahrhunderts durchgeführten Grabungen unter dem Dom suggerieren vielmehr einen größeren, den Dimensionen nach wohl karolingischen Vorgängerbau. Ob dieser jedoch eine Erweiterung einer merowingischen Anlage war, ist aufgrund der geringen Befundlage nicht mehr zu klären.

Dombau unter Bischof Burchard von Worms[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berthulf war 614 der erste überlieferte Wormser Bischof. Grundlegend neu gebaut in den heutigen Größenmaßen wurde der Dom unter Bischof Burchard von Worms ab dem Beginn des 11. Jahrhunderts, denn Burchard I. wurde im Jahr 1000 Bischof von Worms und begann unverzüglich mit der kirchlichen Neuordnung der Stadt. Ihm gelang es, die Salier zur Aufgabe ihrer Burg zu bewegen, an deren Stelle ab 1002/1003 das Paulusstift errichtet wurde. Die alte Hauptkirche ließ er ebenfalls niederlegen und den Dom beginnen, der wohl noch heute die Konturen der Planung des 11. Jahrhunderts trägt: Eine kreuzförmige Basilika mit zwei halbrunden Chören, die in Ost-West-Richtung errichtet wurde. Bereits im Jahr 1018 konnte der Dom in Anwesenheit des Kaisers geweiht werden, doch stürzte der westliche Baukörper bereits zwei Jahre später ein und musste erneuert werden. Der Kirchenraum hatte eine flache Holzdecke. Nach Burchards Lebensbeschreibung aus der Zeit um 1030/1040 war der Wormser Dom prunkvoll ausgestattet. So ist von Säulen mit vergoldeten Kapitellen die Rede, die jedoch kaum die Hauptstützen der Kirche gewesen sein können. Vielmehr war der Burchard-Dom aller Wahrscheinlichkeit nach eine Pfeilerbasilika, denn nirgends wurden Reste von (ohnehin im 11. Jahrhundert schwerer zu beschaffenden) Säulen gefunden.

Erhalten blieben bei den folgenden Umbauten lediglich die Untergeschosse der Westtürme sowie die nördlich des Chores liegende Schatzkammer, die vermutlich vom Ende des 11. Jahrhunderts stammt.

Im Jahr 1110 wurde der Dom zum zweiten Mal geweiht. Möglicherweise waren größere Schäden aufgetreten. Deren Beseitigung wurde mit einer erneuten Weihe abgeschlossen.

Dombau unter Bischof Burchard II. von Worms[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Epitaphinschrift Burchard II., im Außenbereich des Domes

Der Neubau im 12. Jahrhundert entspricht im Wesentlichen dem heutigen Dom. Um 1130 begann Bischof Burchard II. – vermutlich wegen schwerer Bauschäden – den unter seinem Vorgänger Burchard I. gebauten Dom abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. So entstand unter ihm bis ca. 1144 der gesamte Ostbau mit Flankentürmen und achteckigem Vierungsturm, wie wir ihn heute kennen. Langhaus und Westbau wurden zwischen 1160 und 1181 unter seinen Nachfolgern Konrad I. und Konrad II. errichtet; letzterer weihte ihn am 2. Mai 1181.[2] Der Dom zeigt spätromanischen Baustil, er ist vollkommen gewölbt und unter burgundisch-zisterziensischem Einfluss reich verziert. Viele Sakralbauten der Umgebung erhielten nach seinem Vorbild ähnliche Zierformen, so dass man von einer "Wormser Bauschule" sprach. Außerdem ist der jochweise leicht variierte Aufriss des Langhauses von dem der Kaiserdome in Speyer und Mainz abgeleitet. Der allmähliche Fortschritt des Neubaus ist durch dendrochronologische Untersuchung im Mauerwerk verbliebener Rüsthölzer zu verfolgen. 1172 wurden Lampen für den Westchor gestiftet und 1192 Bischof Konrad II. dort bestattet. In jener Zeit entstand auf der Südseite des Domes auch die um 1812 abgerissene Johanneskirche, die als Pfarr- und Taufkirche der Kathedrale diente.

Erweiterungsbauten unter Johannes von Dalberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etwa hundert Jahre nach der dritten Weihe wurde mit dem Neubau der Nikolauskapelle begonnen. Ein neues Südportal wurde eingebaut, östlich davon im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts zwei weitere Kapellen, die St.-Annen- und die St.-Georgskapelle. Als im Jahr 1429 ein Teil des Nordwestturmes einstürzte, wurde er – im Detail zwar spätgotisch, in seinen Formen aber streng rekonstruierend – bis 1472 wieder aufgebaut, ein äußerst früher Fall von denkmalpflegerischer Ergänzung. An den östlichen Teil des nördlichen Seitenschiffes wurde 1480/85 die Ägidienkapelle (heute: Marienkapelle) angebaut.

Gotische Reliefs aus dem abgebrochenen Kreuzgang

Gegen Ende des Jahrhunderts wurde unter Bischof Johannes von Dalberg der ursprünglich romanische Kreuzgang (westlich der Nikolauskapelle) erneuert, aus dem die heute im nördlichen Seitenschiff des Domes aufgestellten monumentalen fünf spätgotischen Reliefs zum Leben Jesu stammen: Wurzel Jesse (1488),[3] Verkündigung (1487), Geburt Christi (1515), Grablegung (um 1490) und Auferstehung (um 1490). Ein ursprünglich vorhandenes sechstes Relief, das die Kreuzigungsszene zeigte, wurde wohl Opfer der Zerstörungen von 1689. Im Stadtmuseum Worms befinden sich vier große (88 cm Durchmesser), runde Wappen-Gewölbeschlusssteine, die aus dem Kreuzgang stammen und von Bischof Ruprecht II. von Regensburg sowie von den Domherren Philipp von Flersheim, Erpho von Gemmingen und Wilhelm von Stockheim gestiftet wurden. Ein weiterer Kreuzgang-Schlussstein des Kölner Erzbischofs und früheren Wormser Domscholasters Hermann von Hessen ist heute über dem Eingang der Abteikirche von Stift Neuburg in Heidelberg eingemauert.[4]

Reformation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bedeutung des Bistums und des Doms zu Worms nahm zur Zeit des Reichstags von Worms im Jahr 1521 ständig ab. Kurz nach dem Reichstag traten einige Wormser Kirchengemeinden zu der Lehre Martin Luthers über. Im Jahr 1556 folgten alle Pfarreien auf kurpfälzischem Boden.

Dreißigjähriger Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Dreißigjährigen Kriegs hielten schwedische Truppen die Stadt von 1632 bis 1635 besetzt, und im Dom hielt ein protestantischer Prediger Gottesdienste ab.

Pfälzischer Erbfolgekrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Pfälzischen Erbfolgekrieg verwüsteten auf Befehl des französischen Königs Ludwig XIV. dessen Truppen Heidelberg, Mannheim, Speyer und Worms. Kirchen wurden geplündert, doch die Versuche, den Dom zu sprengen, misslangen, allerdings brannte er völlig aus. Bischof Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg ließ den Dom 1698 wiederherstellen. Dadurch kamen einige barocke Elemente hinzu wie die Fenster der Silberkammer oder der Hochaltar von Balthasar Neumann.

Französische Revolution[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wormser Dom, 1824

Der Wiederaufbau des Doms wurde von den Truppen der französischen Revolution zunichtegemacht. Ende des Jahres 1792 wurden Speyer, Worms, Mainz und Frankfurt von den Revolutionstruppen erobert. Der Dom diente nunmehr als Pferdestall und Lagerhalle. Zwischen 1818 und 1830 wurde der Kreuzgang abgerissen, seine Steine wurden versteigert.

Renovierung 1886 bis 1935[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dackelfigur am Südportal, 1920
Das Südportal

Erst im Jahr 1886 begann eine gründliche Renovierung des Wormser Doms. Der Westchor musste wegen statischer Mängel und der beim Dombrand 1689 erlittenen erheblichen Schädigung der inneren Mauerschale von den Grundmauern auf neu errichtet werden. Dabei wurde großer Wert darauf gelegt, möglichst viele originale Steine wiederzuverwenden. Bei der äußeren Mauerschale war dies in so großem Umfang möglich, dass auch heute noch bis auf einen kleinen Teil die alten Steine an ihren ursprünglichen Stellen sitzen. Auf der Innenseite mussten dagegen großflächig Steine ausgewechselt und originalgetreu rekonstruiert werden. Der kühne gekröpfte Dienstverlauf um das zentrale Rosettenfenster herum wurde allerdings nicht erneuert, da man ihn für die statischen Probleme mitverantwortlich machte. Heute verlaufen die Dienste senkrecht am Rand der Rosette und beschneiden diese deutlich. Die umfangreiche Renovierung, die auch die Neuerrichtung der Nikolauskapelle, die Sanierung des gesamten Fußbodens und die Einrichtung einer völlig neuen Krypta für die Saliergräber unter dem Hochchor umfasste, war erst im Jahr 1935 abgeschlossen.

Im Zuge der Renovierungsarbeiten stand 1920 der damalige Dombaumeister Philipp Brand auf dem Gerüst, wo sein Dackel ihn ansprang und versuchte, ihn ins Bein zu beißen. Er schritt zur Seite und entging somit einem Gesteinsbrocken, der sich weiter oben gelöst hatte. Wendet man den Blick am Südportal nach links oben, sieht man an der zulaufenden Spitze des Fensters in der linken Ecke das Bildnis des Dackels: Philipp Brand hat hier seinem kleinen Retter ein Denkmal gesetzt.

Zweiter Weltkrieg, 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den verheerenden Bombenangriffen am 21. Februar und 18. März 1945 wurde der Dom durch einen Fliegerangriff erheblich beschädigt, wobei die Innenausstattung allerdings nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde: zwar brannten die Dächer ab, die Gewölbe blieben jedoch intakt.

Der Grundstein des Kreuzgangs aus dem Jahr 1484, der als verschollen galt, wurde Ende Februar 2014 beim Aufräumen im Domlapidarium wieder aufgefunden.[5]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wormser Dom ist eine doppelchörige Pfeilerbasilika im gebundenen System mit einem Querschiff. Ein Zentralturm befindet sich auf der Vierung, ein weiterer auf dem westlichen Chor. Beide Choranlagen sind flankiert von je zwei runden Treppentürmen. Das Langhaus ist verschieden eingewölbt. Im Hauptschiff befindet sich ein Kreuzrippengewölbe, in den Seitenschiffen ein Kreuzgratgewölbe. Die Apsis am westlichen Chor hat die Form eines Achtecks und ist mit verschiedenen Rosettenfenstern versehen.

Glasfenster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den mittelalterlichen Glasfenstern ist durch die Explosion des Oppauer Stickstoffwerkes vom 21. September 1921 keines mehr erhalten geblieben.[6]

Die zeitgenössische Verglasung des Domes ist recht vielfältig. Neben einfacher klarer oder Milchglasverglasung in den Querschiffen wurden besonders in den Kapellen anspruchsvolle moderne Bildfenster geschaffen, so die farbigen Glasfenster von Heinz Hindorf in der Marienkapelle, die das Marienleben und die 14 Nothelfer zum Thema haben (1986 – 1988), oder das Geschichtsfenster (1992) in der Georgskapelle. In 20 Szenen wird hier die Wormser Bistumsgeschichte dargestellt vom ersten angenommenen Bischof Victor 345 bis zur Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg. Eine ungewöhnliche politische Stellungnahme findet sich mit der Darstellung des Kernkraftwerks Biblis als „Turmbau zu Bablis“ in einer Reihe von Beispielen menschlicher Sündhaftigkeit.[7]

Der Dom als Grablege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sarkophage in der Gruft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vier Saliergräber waren bereits im Altarraum des fränkischen Domes vorhanden und wurden überbaut; fünf weitere folgten bis zum Jahre 1046. Es handelt sich um Vorfahren und Angehörige von Kaiser Konrad II.:

Saliergruft, linke Seite
  1. Konrad der Rote, Herzog von Lothringen (Urgroßvater) † 955,
  2. Judith, Herzogin von Kärnten (Großmutter) † 991,
  3. Heinrich, Graf im Wormsgau (Vater) † 990/991,
  4. Judith (Schwester) † 998,
  5. Konrad I., Herzog von Kärnten (Onkel) † 1011
  6. dessen Gemahlin Mathilde † 1031/32,
  7. Mathilde (Tochter) † 1034 (1046 nach Worms überführt),
  8. Konrad II., Herzog von Kärnten (Cousin, Sohn von Konrad I.) † 1039,
  9. Bischof Azecho, Nachfolger Bischof Burchards, † 1044.

Die Sarkophage stehen seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts in einer eigens dafür geschaffenen, zugänglichen Gruft.

Weil das Fußbodenniveau des Querhauses und des Ostchores über sechs Meter aus dem Erdreich herausragt, muss man annehmen, dass eine Krypta vorhanden war.

Epitaphien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grabmal des Domherrn Eberhard von Heppenheim genannt vom Saal († 1559)

Im Dom befindet sich eine Vielzahl von Grabdenkmälern, Epitaphien und Grabplatten. Sie stammen u.a. von:

(im Außenbereich beim ehemaligen Kreuzgang)

  • Burchard II., auch Bucco oder Buggo († 1149), Bischof von Worms und Erbauer des Dom-Ostwerks

Nikolauskapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nikolauskapelle von außen
Taufstein in der Nikolauskapelle

Im Zuge des dritten Dombaues wurde an ihn eine frühromanische Kapelle zu Ehren des Hl. Nikolaus von Myra angefügt und 1058 geweiht. Ihre Weiheinschrift und das Tympanon des ehemaligen Zuganges vom Dom aus, mit einer der ältesten bekannten Darstellungen des Hl. Nikolaus, sind erhalten.[8][9] Offenbar diente sie als Aufbewahrungs- und Verehrungsort einer Reliquie des Heiligen, die der Dom – laut Überlieferung – von Kaiserin Theophanu aus Byzanz, anlässlich ihrer Hochzeit mit Kaiser Otto II. im Jahre 972 erhielt.

An gleicher Stelle baute man zwischen 1280 und 1315 im gotischen Stil, die heutige, größere und zweischiffige Nikolauskapelle unmittelbar westlich des Hauptportales an das südliche Seitenschiff des Domes an. In dieser Zeit, als St. Nikolaus noch in Myra ruhte, verbreitete sich sein Kult im ganzen Abendland; er war hochverehrt als Patron diverser Berufsgruppen und Helfer in vielerlei Anliegen. Dies könnte die ungewöhnliche Größe der Kapelle und ihre Qualität erklären. Der Jesuit und Bollandist Daniel Papebroch (1628–1714) hat die ursprüngliche Wormser Nikolausreliquie 1660 noch selbst gesehen. Er beschreibt sie als „Fingerknochen“ des Heiligen, die zu seiner Zeit in der Domsakristei aufbewahrt wurde, früher jedoch in ihrer eigenen Kapelle verwahrt worden sei. Außerdem bezeugt er, dass die Wormser Reliquie stets etwas Öl absonderte, wie dies beim Leib des Hl. Nikolaus in Bari noch heute geschieht.[10] Papebroch belegt auch ein damals hier noch vorhandenes, kostbares Weihegeschenk der Königin Konstanze von Sizilien († 1198) an den Hl. Nikolaus.[11] Die alte Nikolausreliquie des Wormser Domes ist bei den Zerstörungen im Pfälzischen Erbfolgekrieg verloren gegangen. Zu Ende des 20. Jahrhunderts konnte eine neue beschafft werden, die sich, in einem modernen Reliquiar, wieder in der Nikolauskapelle befindet.

Romanisches Nikolaustympanon

Die Kapelle war ursprünglich Teil des unmittelbar westlich anschließenden Kreuzganges und wurde in ihrer Länge von diesem zur Hälfte verdeckt. Als die Reste des Kreuzganges 1830 endgültig abgerissen wurden, geriet die Statik der Kapelle aus dem Gleichgewicht, so dass sie schließlich, ähnlich wie wenige Jahre zuvor der Westchor, 1920/27 vollständig abgetragen, neu fundamentiert und wieder neu aufgebaut werden musste. Bei dieser Gelegenheit versuchte man auch, die Proportionen der Kapelle, die ohne den Kreuzgang als Kontext eher unansehnlich wirkte, zu korrigieren, indem man sie nach Westen um ein halbes Joch verlängerte und die Fenster ergänzte. Auch das heutige (südliche) Eingangsportal der Kapelle stammt aus dieser modernen Zeit, sein Tympanon kommt allerdings vom Portal, das früher aus dem Kreuzgang in die Kapelle führte.

Die Ausstattung der Nikolauskapelle besteht heute aus Stücken, die sämtlich nicht ursprünglich für diesen Raum bestimmt waren. Der gotische Schnitzaltar stammt aus Süddeutschland und wurde erst vor wenigen Jahrzehnten angekauft. Der spätgotische Taufstein befand sich ursprünglich in der im 19. Jahrhundert abgerissenen Johanneskirche, der fast lebensgroße gotische Dreijungfrauenstein im nicht weit entfernten Bergkloster.[12] Die intensiv blau-rot gefasste moderne Verglasung taucht den Kapellenraum in ein fast mystisch wirkendes Dämmerlicht. Im stark erhöhten Dach der Kapelle sind die Sammlung ausgetauschten Bauschmucks und dessen Abgüsse untergebracht, der Keller beherbergt die Zentralheizung des Doms. Sie dient heute insbesondere als Taufkapelle des Doms bzw. für Werktagsgottesdienste und hat somit weitgehend die Funktionen der alten Johanneskirche übernommen.

Hochaltar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mainzer Kurfürst und Fürstbischof von Worms Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg hinterließ in seinem Testament genügend Geld, um einen neuen Hochaltar bauen zu lassen. Sein Nachfolger, Fürstbischof Franz Georg von Schönborn, bat seinen Bruder Friedrich, den Bischof von Würzburg, ihm den Baumeister Johann Balthasar Neumann zur Verfügung zu stellen. Dieser schuf den neuen Hochaltar aus vergoldetem Holz und verschiedenfarbigem Marmor.

Erweiterungsbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 1300 entstand unter dem Einfluss der Straßburger Münsterbauhütte das gotische Südportal mit seinem reichen Figurenzyklus und die anschließende Nikolauskapelle. Unter Bischof Johann von Dalberg (1482–1503) wurde der Domkreuzgang in spätgotischen Formen neu errichtet und mit Sandsteinreliefs ausgeschmückt.

Zerstörung und Wiederaufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde der Dom innen total zerstört. In den folgenden Jahrzehnten wurde eine neue, barocke Innenausstattung mit Altären und Chorgestühl geschaffen. Am auffälligsten ist der Hochaltar von Balthasar Neumann. Die Seitenaltäre des Kurmainzer Hofstuckateurs Johann Peter Jäger entstanden zwischen 1749 und 1751. In den Jahren von 1755 bis 1759 wurde das Chorgestühl von Franz Anton Hermann im Rokokostil geschaffen. Im südlichen Querschiff befindet sich der barocke Nikolausaltar, gestiftet vom Domherrn Franz Rudolph von Hettersdorf († 1729), im nördlichen Querschiff der ähnliche Walburgisaltar, gestiftet 1738 von Domvikar Martin Augsthaler. Beide bestehen aus gelbem Sandstein.

Orgeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptorgel (Klais 1985)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwalbennestorgel von Klais

Die Firma Klais erbaute 1985 eine Orgel mit drei Manualen und 34 Registern als sogenannte Schwalbennestorgel, die 2007 durch die Erbauerfirma geringfügig umdisponiert und neu intoniert wurde. Das Instrument verfügt über eine mechanische Spieltraktur, die Registertraktur ist elektrisch.

I Rückpositiv C–a3
1. Praestant 8′
2. Gedackt 8′
3. Principal 4′
4. Rohrflöte 4′
5. Gemshorn 2′
6. Larigot 11/3
7. Sesquialter II 22/3
8. Scharff V
9. Krummhorn 8′
II Hauptwerk C–a3
10. Praestant 16′
11. Principal 8′
12. Spitzflöte 8′
13. Octave 4′
14. Hohlflöte 4′
15. Quinte 22/3
16. Superoctave 2’
17. Cornet V 8′
18. Mixtur VI 2′
19. Trompete 8′
III Schwellwerk C–a3
20. Rohrflöte 8′
21. Gamba 8′
22. Vox coelestis 8′
23. Blockflöte 4′
24. Principal 2′
25. Quinte 11/3
26. Hautbois 8′
27. Trompette harm. 8′
Pedal C–f1
28. Principal 16′
29. Subbass 16′
30. Octave 8′
31. Bourdon 8′
32. Tenoroctave 4′
33. Trompete 8′
34. Posaune 16′

Chororgel (Oberlinger 1996)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chororgel von Oberlinger

Daneben besteht eine Chororgel mit mechanischer Spiel- und Registertraktur im Stile der Chororgeln Aristide Cavaillé-Colls, erbaut 1996 von der Firma Oberlinger. Das besondere am Entwurf dieser Orgel ist, dass sie für die Größe ihrer Disposition extrem kompakt gebaut ist und zusätzlich durch eine besondere von Oberlinger entwickelte Konstruktion zum Stimmen der Pfeifen ca. 50 cm von der Wand abgerückt werden kann. Diese kompakte Bauweise war notwendig und gewünscht, damit die Orgel für den Besucher nicht den vollen Blick aus dem Kirchenschiff zum wertvollen Hochaltar einschränkt. Eine besondere Bauweise der Windladen war erforderlich, um diese Kompaktheit zu erreichen. Den Entwurf lieferte der Orgelbaumeister und Architekt Wolfgang Oberlinger in enger Absprache mit der Diözesanbauabteilung und der Diözesandenkmalpflege. Die Orgel wurde in Zusammenarbeit der Werkstatt Oberlinger, Windesheim mit dem Organisten Daniel Roth disponiert. Intoniert wurde das Instrument unter Mitarbeit von Jean-Pierre Swiderski, der ausgewiesener Experte für die Klanggestaltung von Aristide Cavaillé-Coll ist.

I Grand-Orgue C–
1. Bourdon 16′
2. Principal 8′
3. Flûte harmonique 8′
4. Bourdon 8′
5. Prestant 4′
6. Fourniture
7. Bombarde 16′
8. Trompette 8′
II Récit C–g3
9. Cor de nuit 8′
10. Gambe 8′
11. Voix celeste 8′
12. Flûte octaviante 4′
13. Octavin 2′
14. Trompette harm. 8′
15. Hautbois 8′
Tremblant
Pédale C–f1
16. Soubasse 16′
17. Bourdon 8′
18. Bombarde 16′
  • Koppeln: II/I, II/P, I/P, Sub II/I, Sub II/II, Sub II/P.
  • Spielhilfen: Appel-Tritte Grand Orgue, Récit und Pédale.

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor der Zerstörung von Worms im Erbfolgekrieg im Jahre 1689 hingen in den vier Domtürmen 6 Glocken. Im Jahre 1728 erhielt der Dom ein neues sechsstimmes Geläut. Im Zuge der Säkularisation Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Glocken konfisziert. Als der Dom zur Pfarrkirche wurde, wurden vier Glocken im Südostturm aufgehängt. Sie wurden Ende des Zweiten Weltkrieges bei einem großen Bombenangriff zerstört.[13]

Links unten Petrus und Paulus, rechts unten Maria, rechts oben Bruder Konrad.

Im Südostturm hängen heute drei Kirchenglocken aus einem Ersatzmetall, der sogenannten „Briloner Sonderbronze“ (zinnfreie Kupfer-Silicium-Legierung).[14] Das verhältnismäßig kleine Geläut ist das Fünfte in Folge; das letzte Vierergeläut von 1831 in der Schlagtonfolge h0–dis1–fis1–gis1 wurde im Zweiten Weltkrieg vernichtet.[15]

Nr.
 
Name
 
Gussjahr
 
Gießer
 
Gewicht
(kg)
Ø
(cm)
Nominal
(16tel)
Inschrift(en)
 
1 Petrus und Paulus 1949 Albert Junker, Brilon 2218 185 c1 −4 Petrus und Paulus – beschützt die Stadt Worms
2 Maria 1949 Albert Junker, Brilon 1114 126 e1 −2 Maria – Dein Hilf wir all begehren.
3 Bruder Konrad 1949 Albert Junker, Brilon 653 106 g1 −1 Hl. Bruder Konrad – bitte für uns. Gestiftet von Karl Kübel und Ehefrau.

Bis zum großen Dom-Jubiläum im Jahre 2018 soll das Geläut des Domes um fünf Glocken erweitert werden. Die bisherigen Glocken bleiben erhalten und sollen lediglich mit neuen Klöppeln ausgestattet werden. Für das neue Geläut wird eine neue tontiefste Glocke mit dem Schlagton h0 gegossen. Die weiteren Glocken haben die Schlagtöne d1, a1, h1, d2.[16]

Literarisches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundriss des Wormser Doms (ohne Seitenkapellen)

Der Wormser Dom in der Nibelungensage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Königinnenstreit spielt eine Schlüsselepisode aus der Nibelungensage am Portal des Wormser Doms. Die Rivalinnen Brünhild und Kriemhild streiten sich der Sage nach, welcher ihrer Ehemänner rangmäßig die höhere Stellung einnimmt und welche von den beiden Königinnen demzufolge als Ranghöhere zuerst den Dom betreten darf.

Das im Nibelungenlied erwähnte Portal befand sich auf der Nordseite des Doms und war bis zu der Zerstörung im Jahr 1689 wesentlich aufwendiger gestaltet.

In Anknüpfung an den Königinnenstreit finden die Wormser Nibelungenfestspiele seit 2002 auf einer Freiluftbühne vor dem Dom statt.

Johann Nikolaus Götz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Anakreontiker Johann Nikolaus Götz schreibt über die „Wiedererblickung seiner Vaterstadt“ im November 1743:

„Mein Worms ergötzt mich schon von Ferne.“

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kurt F. de Swaaf: Wormser Dom: Historiker entreißen den Steinen ihr Geheimnis (www.spiegel.de) 19. August 2009
  2. Webportal Wormser Dom
  3. Webseite zum Wurzel-Jesse-Relief im Wormser Dom
  4. Webseite mit Foto des von Erzbischof Hermann von Hessen gestifteten Schlusssteines
  5. wormser-zeitung.de: "Anno domini 1484..." – Grundstein des Wormser Doms gefunden. Wormser Zeitung, 28. Februar 2014, Sandra Dörr (2. März 2014)
  6. http://www.worms.de/de/kultur/stadtgeschichte/wussten-sie-es/liste_dom_gebaeude/2006-11_domfenster-zerstoerung.php
  7. Information des Wormser Dombauvereins
  8. Webseite mit Foto der Weiheinschrift von 1058
  9. Webseite zum romanischen Tympanon an der Nikolauskapelle
  10. Udo Kindermann: Kunstdenkmäler zwischen Antwerpen und Trient: Beschreibungen und Bewertungen des Jesuiten Daniel Papebroch aus dem Jahre 1660. Erstedition, Übersetzung und Kommentar, Böhlau Verlag, Köln, 2002, S. 93, ISBN 3-412-16701-0
  11. Webseite zum Weihegeschenk der Königin Konstanze
  12. Webseite zum Wormser Dreijungfrauenstein
  13. Informationen zu den historischen Glocken
  14. Vollgeläut auf YouTube.
  15. Motette (Hg.): Glocken-Landschaft Bistum Mainz, Motette-Verlag, Düsseldorf 2005, S. 34.
  16. Informationen zu den neuen Glocken

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wormser Dom – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 49° 37′ 49″ N, 8° 21′ 35″ O