Girolamo Fabrizio

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Girolamo Fabrizio, auch Fabrizi d'Acquapendente, (* 1533[1] oder 1537[2] in Acquapendente; † 21. Mai 1619 in Padua) war ein bedeutender Anatom und der Begründer der modernen Embryologie. Die latinisierte Form seines Namens, unter der seine Werke zu finden sind, lautet Hieronymus Fabricius ab Aquapendente.

Girolamo Fabrizi d' Acquapendente

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anatomisches Theater in Padua

Fabrizio wurde in Acquapendente im Latium geboren. Er wuchs in armen Verhältnissen auf, seine Begabung ermöglichte ihm jedoch ein Studium der Medizin an der Universität Padua. Sein bedeutendster Lehrer war der Anatom Gabriele Falloppio. Anschließend an seine Promotion 1559[2] praktizierte er in Padua und war dort von 1562 bis 1565 als Privatlehrer für Anatomie tätig. 1565 wurde er dort als Nachfolger des verstorbenen Falloppios auf den Lehrstuhl für Chirurgie und Anatomie berufen, den er bis 1613 innehatte.[2] Seine neue Unterrichtsmethode, die Sektionen in einem 1597 eigens gebauten Theater durchzuführen, brachte Studenten aus ganz Europa an die Universität. Das anatomische Theater steht heute noch.

Wissenschaftliche Leistung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Menschlicher Fötus mit Amnion (o.mi.), Nabelschnur um Schulter (mi.) bzw. Hals (u.) und Plazenta (o.re. und u. li.). Tafel 5 in Fabrizios Werk De formato foetu (1600)
Operationes chirurgicae, 1685. Eine Fabrizio zugeordnete Erfindung einer Gliederpuppe zur Demonstration der Knochenanordnung

Bis heute besteht Fabrizios Bedeutung in der Begründung der Embryologie mit seinem reichbebilderten Werk De formato foetu, in dem Embryonen verschiedener Tierarten miteinander verglichen werden.[3] Besonders gründlich sind seine Studien zum Hühnerembryo. Nach ihm ist die Bursa Fabricii (Bursa cloacalis) der Vögel benannt, der schließlich auch die B-Lymphozyten des Menschen ihren Namen verdanken. In seinem posthum veröffentlichten Werk De formatione Ovi et Polli beschreibt Fabrizio die Entstehung des Eis und des Embryos im Hühnerei, wobei er die Wachstumsstadien des Hühnerembryos im Detail analysiert und mit zahlreichen detaillierten Abbildungen belegt. Fabrizio steht hier wie in De formato foetu in der Tradition von Aristoteles und Galenos. Er trug maßgeblich dazu bei, dass die Embryonalentwicklung beim Menschen und bei Tieren als ein Prozess der Embryogenese gesehen wird, bei dem sich der Embryo aus der Eizelle erst nach und nach ausbildet, um dabei seine innere und äußere Form und Funktion zu erhalten. Diese moderne Sicht stand in streitbarem Gegensatz zu der noch bis ins späte 18. Jahrhundert existenten Präformationslehre, wonach der Embryo bei der Befruchtung bereits als Homunkulus in Miniatur etwa aus dem Spermium fertig vorgegeben ist und nur der Größe nach wächst.

Nach Vorarbeiten von Andreas Vesalius, Amatus Lusitanus (1511–1568) und Franciscus Sylvius war Fabrizio der erste, der eine exakte Beschreibung sowie naturgetreue Darstellung der Venenklappen (in: De Venarum Ostiolis), die Charles Estienne (1504–1564) bereits vor ihm beschrieben hatte, anfertigte. Darüber hinaus liegen von ihm Arbeiten über die Lunge und die Atmung, Muskeln und Gelenke, die Sinnesorgane, die Haut, über den Magen und die Eingeweide vor. Fabrizio stellte auch detailliert Zahnextraktionsmethoden sowie zahnärztliche Instrumente dar und erwähnte das Ausfüllen von Löchern in den Zähnen mit Gold.[4]

Fabrizio lieferte auch Beiträge zur Chirurgie. Obwohl er selbst nie eine Tracheotomie (Luftröhrenschnitt) vorgenommen hatte, enthalten seine Schriften eine Operationstechnik hierfür. Er präferierte einen vertikalen Einschnitt und war der erste, der die Idee eines Tracheotomie-Rohrs einführte. Dabei handelt es sich um eine gerade, kurze Kanüle mit Flügeln, um das Rohr davor bewahren, in der Trachea zu verschwinden. Er empfahl die Operation nur als Notlösung, die bei Atemnot in Folge von Fremdkörpern oder Sekreten anzuwenden sei. Fabrizios Beschreibung der Tracheotomieprozedur ist vergleichbar mit heute angewandten Techniken.

Sein bekanntester Schüler war William Harvey, der als erster europäischer Arzt den Blutkreislauf beschrieb und der Fabrizios Idee der Embryogenese weiter entwickelte.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pentateuchos chirurgicum (1592).
  • De Visione, Voce, Auditu. Venedig, Belzetta (1600).
  • De Venarum Ostiolis (1603).
  • De brutorum loquela (1603).
  • De locutione et ejus instrumentis tractatus (1603).
  • De formato foetu (1604).
  • Tractatus anatomicus triplex quorum primus de oculo, visus organo. Secundus de aure, auditus organo. Tertius de laringe, vociis organo admirandam tradit historiam, actiones, utilitates magno labore ac studio (1613).
  • De musculi artificio: de ossium articolationibus (1614).
  • De respiratione et eius instrumentis, libri duo (1615).
  • De tumoribus (1615).
  • De gula, ventriculo, intestinis tractatus (1618).
  • De motu locali animalium secundum totum, nempe de gressu in genere (1618).
  • De totius animalis integumentis (1618).
  • De formatione Ovi et Pulli (posthum 1621, aber vor De formato foetu entstanden).[5]
  • Opera chirurgica. Quorum pars prior pentatheucum chirurgicum, posterior operationes chirurgicas continet ... Accesserunt Instrumentorum, quae partim autori, partim alii recens invenere, accurata delineatio. Item, De abusu cucurbitularum in febribus putridis dissertatio, e Musaeo ejusdem (posthum 1623).
  • Tractatus De respiratione & eius instrumentis. Ventriculo intestinis, & gula. Motu locali animalium, secundum totum. Musculi artificio, & ossium dearticulationibus (posthum 1625).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Geburtsjahr ergibt sich sowohl aus der Sterbeurkunde und einer heute verlorenen Gedenktafel in der Kirche San Francesco in seinem Geburtsort, die als Alter 86 Jahre angeben, als auch aus einem Brief von Marcantonio Pellegrini
  2. a b c Wolfgang U. Eckart, Christoph Gradmann (Hrsg.): Ärzte Lexikon: Von der Antike bis zur Gegenwart. 3. Auflage. Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2006, ISBN 978-3-540-29584-6, S. 2.
  3. Hilary Gilson: De Formato Foetu, in: The Embryo Project Encyclopedia (c. 1600), by Girolamo Fabrici
  4. Ullrich Rainer Otte: Jakob Calmann Linderer (1771–1840). Ein Pionier der wissenschaftlichen Zahnmedizin. Medizinische Dissertation, Würzburg 2002, S. 18
  5. Hilary Gilson: De Formatione Ovi et Pulli (1621), by Girolamo Fabrici, in: The Embryo Project Encyclopedia